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Donnerstag, 27. Juli 2017 15° 7

Natur

Das Leben in und mit der Natur lernen

Christian Rudolf aus Rieden bringt den Menschen die Wildnis wieder nahe. Es geht auch darum, wieder bewusster zu leben.
Von Gerd Spies

Die Technik des Feuermachens mit der Spindel sieht gar nicht so schwer aus. Und schon nach wenigen Minuten brennt der „Feuerstarter“, wie Christian Rudolf demonstriert. Foto: Spies

Rieden.Man braucht nur ein trockenes Holzstück aus einer Linde oder Pappel, am besten aber aus einer Weide, als „Feuerbrett“, dazu als „Spindel“ eine Königskerze, eine wildwachsende Pflanze. Und wenn man die richtige Drehtechnik beherrscht, entsteht glühender Holzstaub, der alte, verblühte Pflanzen als sogenannte „Feuerstarter“ lodernd aufflammen lässt. Schon ist – ganz ohne Streichholz oder Feuerzeug – ein Feuer gemacht! Wo man das lernt? Im Survival-Kurs in der Wildnisschule bei Christian Rudolf in Rieden!

„Back to the roots – Zurück zu den Wurzeln“, heißt das Motto, wenn der ausgebildete Forstmann und Berufsjäger Christian Rudolf besonders junge Menschen zur Wildnispädagogik einlädt. Im Sommer, ab 8. Juli, bietet der Gründer der Wildnisschule Oberpfalz in Kooperation mit der VHS Amberg-Sulzbach und mit dem Naturpark Hirschwald diese Weiterbildung an.

Überlebens-Techniken und mehr

Wir treffen Christian Rudolf in Rieden, wo er sich die Wildnisschule Oberpfalz eingerichtet hat. Er erzählt über die Ansätze einer sogenannten „Wildnispädagogik“, dem Wissen über Natur und Wildnis als wesentlichen Inhalten der Wildnisschule neben dem Erlernen von Grundtechniken, um in der Natur zurecht zu kommen. Aber eigentlich ist dem studierten Diplomingenieur bei seinen Kursen etwas anderes wichtiger als die Vermittlung von Überlebens-Techniken in der Wildnis. „Es geht darum, dass man sich wieder auf die natürlichen Ressourcen besinnt“, erklärt er.

Dabei verweist er auf den berühmten amerikanischen Wissenschaftler Stephen Hawking, der als größte Gefahr für die Menschheit die Menschheit selbst ausgemacht hat. Die Menschen sollten sich deshalb auf ihre ursprünglichen Tätigkeiten zurückbesinnen. Rudolf will Anregungen geben, bewusster zu leben im Einklang mit der Natur.

„Es geht darum, dass man sich wieder auf die natürlichen Ressourcen besinnt.“

Christian Rudolf

Neueren Entwicklungen in der Landwirtschaft wie zum Beispiel der Massentierhaltung oder der Ausweitung des Maisanbaus steht er eher kritisch gegenüber. „Der gegenwärtige Zustand stellt nicht das Optimum dar“, stellt der gelernte Berufsjäger fest. In seinem „wildnispädagogischen Ansatz“ versucht er daher, die ökologischen Zusammenhänge zu vermitteln und die ursprüngliche Abhängigkeit des Menschen von der natürlichen Umgebung vor Augen zu führen.

Vielfältige Themen bei Kursen

Bei den Survival-Kursen in der Wildnis geht es im Prinzip um die vier Bereiche Wasser, Nahrung, Wärme und Unterschlupf. Notwendige Techniken sind dabei Feuermachen, um zum Beispiel Wasser abkochen zu können, Fallen bauen, Spuren lesen, Bogen schießen, um zum Beispiel Nahrung beschaffen zu können. Wildnis kann man dabei laut Rudolf überall finden – am einfachsten dort, wo Bereiche mit einer natürlich entstandenen Pflanzen- und Tierwelt existieren.

Wildnispädagogik

  • Kurs

    Der VHS-Kurs „Wildnispädagogik“ startet in diesem Jahr zum ersten Mal. Dieser Fortbildungskurs richtet sich sowohl an Pädagogen, die ihr Wissen und ihre Fertigkeiten weitervermitteln wollen, aber auch an Natur-Freaks, die bewusster in und mit der Natur leben wollen.

  • Theorie

    In insgesamt sechs Blöcken werden theoretische Grundlagen, unter anderem zu Geologie, Bodenkunde und Botanik, aber auch Meteorologie und Rechtskunde orientieren, mit der Methode des „natürlichen Lernens“ vermittelt.

  • Praxis

    Es werden auch Praktika und Vertiefungsübungen absolviert, wie zum Beispiel Feuer machen, Fallen bauen und Bogenschießen. Lernen sollen die Teilnehmer auch, ihr Wissen als Mentor weiterzugeben.

  • Anmeldung

    Für die Fortbildung sind noch einige Plätze frei, die Anmeldung ist über die VHS Amberg-Sulzbach, Tel. (0 96 61) 8 02 94 oder 8 02 95, www.vhs-as.de , möglich. (age)

Survival-Wochenenden in der Wildnis sind aber nicht das einzige Angebot der Wildnisschule in Rieden. Weitere Kurse richten sich sowohl an Kinder, Jugendliche und Erwachsene, als auch an Kindergärten, Schulen und Firmen. Die Seminare reichen neben der „Kunst des Feuermachens“ und „Fährten- und Spurenlesen“ über „Messer schärfen“ bis hin zum „Wild aufbrechen und zerwirken“. Außerdem bietet die Wildnisschule seit Jahren in den Ferienprogrammen vieler Gemeinden im südlichen Landkreis Schnupperkurse für Kinder wie „Indianer-Spiele“ oder „Lagerbau“ an.

Entdeckungsreise im Wald

Sein Wissen bezieht Christian Rudolf hauptsächlich aus den beiden Ausbildungen, dem Studium der Forstwirtschaft in Weihenstephan und der Ausbildung zum Berufsjäger. Vor allem aber ist „survival“, das Überleben in freier Wildbahn, schon seit Kindesbeinen seine große Leidenschaft: Bereits als Elfjähriger sei er am liebsten in den Wald auf Entdeckungsreise gegangen. Seine große Liebe zur Natur und zu einem bewussten Leben in und mit der Natur hat sich der Vater von drei Töchtern inzwischen zum Beruf gemacht.

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