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Montag, 20. November 2017 10

Denkmal

Bürger machten sich selbst ein Bild

Vor dem Bürgerentscheid über den Fochtnerstadel in Schmidmühlen konnten die Menschen das denkmalgeschützte Gebäude erkunden.
Von Michaela Fichtner

  • Bürgermeister Peter Braun erläutert den Bürgern in kleinen Gruppen ausführlich auch die Nutzungsmöglichkeiten des Fochtnerstadels, sollte es zu einer Sanierung kommen. Foto: M. Fichtner
  • Wenig ansehnlich ist der Fochtnerstadel neben dem hübsch hergerichteten Vereinsheim der Trachtler. Foto: M. Fichtner
  • Blick in den Dachstuhl: Viele der Balken, die aus einer Winterfällung von 1695/96 stammen, sind noch erstaunlich gut erhalten. Foto: M. Fichtner
  • Genau schauen die Bürger hin. Foto: M. Fichtner
  • Architekt Michael Dittmann (links) beantwortet ausführlich die Fragen der Interessierten. Foto: M. Fichtner
  • Der Dachstuhl des älteren Teils, einst Kuhstall. Foto: M. Fichtner
  • Die Fläche hinter dem Fochtnerstadel, hin zum Zusammenfluss der beiden Lauteracharme, könnte ein „Biergarten“ werden. Foto: M. Fichtner
  • Die Bohlen-Balkendecke ist zwar eine aufwändige Konstruktion, doch das Holz ist so kaputt, dass sie entfernt werden dürfte. Foto: M. Fichtner

Schmidmühlen.Wer durch den gedrungenen Torbogen des Rosendorfanwesens in der Hammerstraße hineinspaziert in den inneren Schlosshof, dessen Blick fällt zuallererst auf einen mächtigen, aber wenig ansehnlichen Bau: Das Dach schief, löchrig und teils eingebrochen, die Mauern bröckelig, die kleinen Fenster blind oder zersplittert. Das also ist er, der berühmt-berüchtigte Fochtnerstadel.

Berühmt wegen seiner historischen Bedeutung als Einzeldenkmal und manch denkwürdigen Details, aber auch, weil er Gegenstand des ersten Bürgerentscheids in der Geschichte des Markts Schmidmühlen ist. Berüchtigt, weil er direkt gegenüber dem sanierten Hammerschloss und neben dem hübsch hergerichteten Heim der Schmidmühlener Trachtler eher wie ein Schandfleck wirkt und gar mancher ihn auch am liebsten dem Erdboden gleich machen würde.

Umfangreiche Informationen

Die Tore stehen weit offen an diesem Samstagnachmittag. Zwar ist der Andrang dBürger machten sich selbst ein Bilder Bürger beim Ortstermin eher überschaubar – was neben dem nasskalten Wetter wohl vor allem auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass erst vor gut einer Woche Bürgermeister Peter Braun bei zwei Bürgerversammlungen die Situation, die Ideen für den Fochtnerstadel und den Bürgerentscheid selbst ausführlich vorgestellt und alle Wahlberechtigten ein Infoblatt erhalten hat.

Aber den Verantwortlichen im Markt Schmidmühlen war es wichtig, wie Braun betonte, den Bürgerinnen und Bürgern eine solche direkte Informationsmöglichkeit „am Objekt“ zu bieten, damit sie sich im wahrsten Sinn des Wortes ein Bild machen konnten.

Dass es überhaupt zu diesem Ratsbegehren zur Zukunft des Fochtnerstadels gekommen ist – übrigens laut Braun das erste Ratsbegehren im weiten Oberpfälzer Umkreis –, sei in den seit Jahren bestehenden, kontroversen Diskussionen über das denkmalgeschützte Gebäude begründet. Die Meinung der Bürger zu erfahren, ist dem Marktgemeinderat wichtig für das weitere Vorgehen. Und welches Instrument eignet sich das besser als ein Bürgerentscheid, wie er nun am 29. März stattfinden wird?

Das Thema beschäftigt

Mehr als 100 Anträge für Briefwahl sind im Rathaus eingegangen sind. „Die Menschen beschäftigen sich nun noch stärker mit dem Thema“, ist die Erfahrung von Bürgermeister Braun. Gerade auch dann, wenn neueste Erkenntnisse von Untersuchungen öffentlich gemacht werden wie die für die Region einmalige Schlüssellochschießscharte an der Rückseite des älteren Stadelteils. Oder, dass dendrochronologische Untersuchungen der Balken im Dach ergeben hätten, dass das Holz aus einer Winterfällung von 1695/96 stammt.

Nur Notsicherung oder grundlegende Sanierung – das ist die alles entscheidende Frage. Zwischen alten landwirtschaftlichen Gerätschaften und manch eingelagerten Dingen erklären Bürgermeister Braun und Architekt Michael Dittmann den Interessierten anhand von Plänen und Fotos die Alternativen, ein mögliches Nutzungskonzept, Kostenschätzungen, Fördertöpfe und Untersuchungsergebnisse.

Auch an der Balkendecke schräg über den Köpfen der Bürger in der ehemaligen Durchfahrt hängt, wie an anderen Stellen im Stadel, ein weißer Zettel mit einer Jahreszahl: 1698. Anders als bei den Dachbalken stammt dieses Holz aus einer Sommerfällung 1698. Das ist auch mit ein Grund, warum man im Markt überhaupt über eine Nutzung als Veranstaltungsraum nachdenken konnte: „Bei einer Winterfällung wissen alte Hasen, dass das Holz weniger anfällig ist für Schädlinge“, erklären Braun und Dittmann.

Im Sommer gefälltes Holz hingegen sei „voll im Saft“ – und diese Balken-Bohlendecke sei zwar als aufwändige Konstruktion etwas Besonderes für einen Stadel, aber eben „so kaputt, dass auch das Denkmalamt zugestimmt hat, dass man sie herausnehmen kann“, so Braun. Nur dadurch werde es überhaupt möglich, einen für Veranstaltungen nutzbaren Raum zu bekommen. Der Blick nach nebenan zeigt es: Die Kammer mag vielleicht 1,60 Meter hoch sein. Würde die Entscheidung zugunsten einer Sanierung fallen, würde ein gut fünf Meter hoher Raum entstehen.

Insgesamt etwa 240 Quadratmeter groß, rund 160 Quadratmeter in einem Teil des Fochtnerstadels, weitere 79 Quadratmeter im älteren, trapezförmigen Abschnitt, dem früheren Kuhstall. Denn auch die dortige Decke sowie die Zwischenmauern dürften abgebrochen bzw. zwischen den beiden Teilen mit einem bis zu fünf Meter breiten Durchgang geöffnet werden.

Viele Nachfragen

„Man sollte es doch zusammenbrechen lassen“, murmelt einer leise, während andere ganz konkret danach fragen, was es mit der sogenannten „Raumstruktur“ auf sich hat. Wie der Architekt erklärt, fordere der Denkmalschutz, dass die Raumstruktur ablesbar bleibe. So sollten von Mauern und Balken etwa drei Meter stehen bleiben, nutzbar beispielsweise für Garderobe oder Theke mit einer Galerie darüber.

Und schon kommen weitere Detailfragen, beispielsweise zu Toiletten oder einer Heizung, und es wird diskutiert, wie ein Veranstaltungsraum genutzt werden könnte, zum Beispiel für Theater, Kirwa, Feste. „Und wenn ich einen größeren Geburtstag feiern will? Oder bei einer Hochzeit?“, fragte eine Bürgerin. Den Raum zu mieten sei denkbar, erfährt sie vom Bürgermeister. Die Kosten und Zuschüsse interessieren wieder andere, und eine Bürgerin regt an, dass – wie beim Feuerwehrhaus in Emhof – auch an Eigenleistungen gedacht werden solle.

Dann wagten sich einige die steilen Stufen hinauf, um hinter den Absperrungen einen Eindruck gewinnen zu können vom Fochtnerstadel, von der Dachbalkenkonstruktion beispielsweise, von der nach Aussage des Bürgermeisters etwa 80 Prozent noch in einem erstaunlich guten Zustand sind – außer eben den Teilen, die durch Regen und Schnee, der ungehindert durch die Löcher im Dach kommt, kaputt sind.

Kleine grüne Oase

Andere spazieren derweil rund um den Fochtnerstadel, begutachten mit Michael Dittmann die Schlüssellochscharte und erfahren, dass am älteren, kleinen Stadel die Fundamente annähernd zwei Meter tief in den Boden reichen. Und hören die Vision, dass der Außenbereich hinter dem Stadel, hin zum Zusammenfluss der beiden Lauteracharme, zu einer kleinen grünen Oase werden könnte, oder zu einem „Biergarten“, wenn Veranstaltungen im Gebäude sind, erreichbar über Türen, die früher bestanden, später zugemauert wurden und wieder geöffnet werden dürften.

Manche Fragen müssen Braun und Dittmann noch beantworten, in Grüppchen wird diskutiert, geschaut, nachgedacht. Bürgermeister und Architekt hoffen, dass sich die Menschen mit all den Angeboten letztlich gut informiert wissen – und am 29. März auch viele beim Bürgerentscheid darüber abstimmen, wie die Zukunft des Fochtnerstadels aussehen wird. Eine Meinung haben sich viele schon gebildet, eine Prognose mag aber keiner wagen. Sicher ist nur: Stehenbleiben wird der denkmalgeschützte Fochtnerstadel in der Hammerstraße auf alle Fälle.

Rund um den Bürgerentscheid

  • Notsicherung

    Die Notsicherung beinhaltet das Eindecken des schadhaften Daches mit Wellplatten und statische Sicherungen im Inneren, damit der Fochtnerstadel nicht in sich zusammenbricht. Das kostet rund 110 000 Euro. Eine Nutzungsmöglichkeit ist damit nicht gegeben, nicht einmal für Lagerzwecke. Für diesen Fall müssten weitere 50 000 Euro investiert werden.

  • Sanierung

    Mit einer grundlegenden Sanierung könnte eine Nutzung als Veranstaltungsraum erreicht werden. Die Gesamtkosten werden nach den vorliegenden Entwürfen auf rund 890 000 Euro geschätzt, erwartet werden rund 80 Prozent Zuschüsse. Weitere Wünsche wie Toiletten oder eine temporäre Heizung sind in dieser Schätzung aber noch nicht enthalten.

  • Die Abstimmung

    Der Bürgerentscheid findet am Sonntag, 29. März, von 10 bis 18 Uhr, statt. Wahllokale sind die Grundschule Schmidmühlen und das Gasthaus Bauer in Emhof. Auch Briefwahl ist natürlich möglich. Die Frage lautet: „Sind Sie dafür, dass der Fochtnerstadel unter Einbeziehung öffentlicher Zuschüsse grundlegend saniert wird, um ihn einer späteren Nutzung (z. B. für kulturelle Zwecke) zuführen zu können?“ Ankreuzen kann man dann Ja oder Nein.

  • Das Quorum

    1900 Wahlberechtigte gibt es im Markt Schmidmühlen. Wichtig ist das sogenannte „Quorum“: Das bezieht sich aber nicht auf die Wahlbeteiligung, sondern bedeutet, 20 Prozent der Wahlberechtigten müssen sich für Ja oder Nein entscheiden, also 390 Personen. Dann muss der Marktrat innerhalb eines Jahres tätig werden.

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