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Geschichte

Fochtnerstadel birgt manche Besonderheit

Ein Gutachten beweist nun, dass der Stadel in Schmidmühlen um 1700 gebaut wurde. Entdeckt wurde auch eine Schießscharte.
Von Josef Popp

Die Schlüssellochschießscharte im Fochtnerstadel lässt darauf schließen, dass es einst eine Befestigungsanlage gegeben hat. Foto: ajp

Schmidmühlen.Der Fochtnerstadel – kaum ein anderes Gebäude in der Lauterachtalgemeinde Schmidmühlen erhitzt zurzeit die Gemüter so wie dieser Stadel. Abreißen – so lautet die weitgehend verbreitete Meinung. Erhalten – so fordert es der Denkmalschutz. Aber: Ist das Gebäude tatsächlich historisch, historisch wertvoll? Wurde es nicht „irgendwann“ aus Resten alter Gebäude, auch aus dem Truppenübungsplatz, gebaut, wie man immer wieder hört? Und: Verdient der baufällig wirkende Stadel auch das Prädikat „historisches Denkmal“?

Fragen, auf die es jetzt Antworten gibt: Mit einem dendrochronologischen Gutachten konnte erstmals umfassend die Baugeschichte des sogenannten Fochtnerstadels in der Hammerstraße dokumentiert werden. Dieses Gebäude wird übrigens nach dem letzten Besitzer, der Familie Fochtner, so benannt und wurde im Zuge der Hammerschlossrenovierung im Jahr 1990 durch den Markt Schmidmühlen gekauft.

Um die Zukunft des Fochtnerstadels in Schmidmühlen wird gerungen. Foto: MZ-Archiv

Insgesamt geht das Gutachten davon aus, dass der große Stadel in der Zeit von 1696 bis 1700 gebaut wurde. Das verwendete Balkenholz stammt eindeutig aus einer Winterfällung im Jahr 1695/96. Für den kleineren Bau konnte anhand der dendrochronologischen Auswertung eine Bauphase um 1760 (Winterfällung 1755/56) ermittelt werden. Es ist wohl davon auszugehen, dass der Stadel als großes Ökonomiegebäude gebaut und genutzt wurde. Doch wer hat ihn gebaut?

In Frage kommt eigentlich nur Johann Hector der Jüngere von Vischbach. Er war zu dieser Zeit Herr im Hammerschloss. Er betrieb – wie seine beiden Vorgänger Johann Adam von Sengelau und Johann Hektor der Ältere von Vischbach – die Papiermühle. Sie allesamt waren wohlhabende und unternehmungslustige Leute, man kann durchaus sagen: Industrieherren. Johann Adam von Sengelau gilt übrigens auch eindeutig als Begründer und Erbauer der Papiermühle, er ist aber zugleich und zeitgleich der Besitzer des Hammerwerks. 1680 verkaufte Friedrich Siegmund Sengelau an Johann Hektor von Vischbach den Älteren, dessen Familie das Hammergut und die Hofmark Pilsheim mehr als hundert Jahre besaß (Quelle: StA Amberg, Pfalz-Neuburg, Nordgau 560).

Der Bau des großen Stadels fällt nachweisbar eindeutig in die Zeit von Johann Hector von Vischbach dem Jüngeren. Er dürfte auch die entsprechenden finanziellen Mittel besessen haben. In der Zeit um 1700 erfolgt durch ihn die komplette Überarbeitung des Gebäudes bzw. wurde der Bau um den heutigen zweiten Stock und das Dach erhöht und auch der Stadel als Ökonomiegebäude gebaut. Ein sicher kostspieliges Unterfangen.

Eine Veränderung trat ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein. „Um“ 1840 wird Michael Schmid als Besitzer des Stadels und ab 1856 wiederum als Besitzer der Papiermühle geführt. Jedoch ist dieser nicht mehr Besitzer des Hammergutes, da dieses 1816 „zertrümmert“ wurde. Der Hausname zu dieser Zeit war übrigens auch schon „Beim Lederer“. Den Unterlagen nach gehörte zu diesem Gebäudekomplex „ein Wohnhaus mit Brunnen unter einem Dach, Schweinestall, besonderer Stall mit Stadel unter einem Dach, Schupfe, dann Werkstätte am Wasser, Backofen und Hofraum“. Ferner stehen auf diesem Areal noch „zwei Hammerstadel mit Hofraum“.

Nach dem Tod von Michael Schmid verkaufen seine Erben am 7. Juli 1868 an Ferdinand und Agnes Lang. Ferdinand Lang seinerseits wird bereits erstmals 1863 als Papierfabrikant genannt.

Der Stadelkomplex besteht genau genommen aus zwei Gebäudeteilen: einem großen rechteckigen Stadelbau und einem trapezförmigen kleineren Anbau. Bei den Dachstühlen handelt es sich um zwei einheitlich barocke Konstruktionen. Nach Einschätzung des Statikers handelt es sich um einen eher selten anzutreffenden Dachstuhl, im Übergang vom mittelalterlichen zum barocken Dachstuhl.

Interessant ist auch diese kleine Tür in den kleineren Anbau. Foto: ajp

Die Untersuchung beschränkte sich aber nicht nur auf das Holz. Das wirklich interessante Mauerstück ist auf der Rückseite, der dem Hammerschloss abgewandten Seite: An der Ostwand des kleinen Stadels zeigt sich eine bauhistorisch auffällige Schichtung der vermauerten Steine. Gut sichtbar ist die horizontale Schichtung der Mauer, bedingt durch den Verbau unterschiedlicher Materialien.

Eine Besonderheit ist die Schlüssellochschießscharte in der Mitte, etwa 2,70 Meter über der Geländeoberkante. Das Mauerwerk und die Schlüssellochschießscharte sprechen für eine sehr frühe Bauzeit. Vermutlich handelt es sich um ein Mauerwerk der Umfassung des mittelalterlichen Schlosshofes, einer Schlossmauer. Bei prüfenden Arbeiten zur Statik wurde die besondere Tiefe der Fundamentierung dieses Mauerstückes belegt.

Diese Erkenntnisse dürfte geschichtlich gesehen als etwas Einmaliges gewertet werden: Dieses Mauerstück mit der Schießscharte ist ein Beweis dafür, dass Schmidmühlen eine – zumindest kleine – Befestigungsanlage, vielleicht auch nur für das Hammerviertel, hatte. Bisher ging man davon aus, dass der Markt alleine durch seine Insellage und nur durch Tore genügend geschützt war.

Der kleine Anbau entstand erst 1760. Und in diesen Anbau wurde das historische Mauerstück integriert. Warum? Die asymmetrische Bauweise ergibt sich aus dem Anspruch, eine einheitliche Front zur Hammerschlossseite zu errichten, aber auch, um die alte Mauer zu erhalten und in das Gebäude zu integrieren. Geld für den Erhalt des Mauerstücks dürfte eher kaum eine Rolle gespielt haben, denn der Dachstuhl auf diesem trapezförmigen Gebäudes darf als höchst aufwendig bezeichnet werden, eine auch für die damalige Zeit sicher teure Variante. Ein Abriss des Mauerstückes wäre den damaligen Bauherren da wohl billiger gekommen.

Interessant ist auch die kleine Tür in den kleineren Anbau, auch wenn sie keinen Aufschluss über das Alter des Stadels gibt. Sie wurde entweder aus dem Schloss ausgebaut – im Zug der Erweiterung – oder war ein Teil der Befestigungsmauer. Zwischen der Papiermühle und dem Hammerschloss gab es eine kleine Brücke über die Lauterach. Möglicherweise führte der Weg von der Papiermühle her ins Hammerschlossareal durch die Befestigungsmauer durch eben dieses kleine Tor.

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