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Donnerstag, 14. Dezember 2017 10

Entdeckung

Der erste Wolf ist im Übungsplatz

Das Bundesforstamt in Schmidmühlen hat eine Bestätigung – durch eine Speichelprobe an einem gerissenen Rotwild in Hohenfels.
Von Paul Böhm

Einen Fotobeweis gibt es nicht – doch dass ein Wolf sich im Truppenübungsplatz Hohenfels aufgehalten hat, hat eine Speichelprobe an einer gerissenen Hirschkuh ergeben. Symbolfoto: Bernd Thissen/dpa

Schmidmühlen.Hat der Wolf den Truppenübungsplatz Hohenfels als sein Terrain entdeckt? Alles deutet darauf hin, dass Meister Isegrim im westlichen Teil des Truppenübungsplatzes Hohenfels ein Stück Rotwild gerissen hat. Einen Fotobeweis aus einer Wildkamera oder einen ähnlichen fotografischen Schnappschuss gibt es freilich noch nicht, so der Leiter des Bundesforstamtes Markus Perpeet aus Schmidmühlen. „Anhand des genetischen Wolfsabdruckes, der Speichelprobe, konnte man feststellen, dass tatsächlich ein Wolf aus einer zentraleuropäischen Population das Stück Rotwild gerissen hat.“

Hirschkuh hatte schon hohes Alter

Bereits in der ersten Januarhälfte hatte ein Jäger das gerissene Stück Rotwild gefunden. Wie von Seiten des Bundesforstbetriebes zu erfahren war, handelte es sich bei dem gerissenen Tier um eine Hirschkuh hohen Alters, die vermutlich bald an Altersschwäche verendet wäre. Das Gebiss habe demnach bereits einen starken Zahnabschliff aufgewiesen, so dass das Tier in der nächsten Zeit wohl verhungert wäre. Wölfe gehen bei der Wahl ihrer Beutetiere oft den „Weg des geringsten Widerstandes“, um selbst keine Risiken einzugehen, und konzentrieren sich auf junge, kranke oder sehr alte Tiere, weiß Perpeet.

Tiere sollen ihre Scheu behalten

Für den militärischen Übungsbetrieb im Areal Hohenfels werden keine Probleme gesehen. Allerdings sollten die Tiere nicht von Soldaten, dem Wachpersonal oder von sonstigen auf dem Übungsplatz regelmäßig Beschäftigten angelockt oder gefüttert werden.

Wichtig sei, dass die Tiere die natürlich angeborene Scheu und ihr Fluchtverhalten vor dem Menschen behalten. Dies habe der Bundesforst auch den amerikanischen Streitkräften mitgeteilt, erläuterte Perpeet. Die Verhaltensregeln würden ebenfalls in der Kulturlandschaft gelten. Nur „zahme“ Wölfe können zu einer Gefahrenquelle für den Menschen werden, machte Perpeet deutlich.

Der Leiter des Bundesforstamts weiß auch, dass derzeit Paarungszeit der Wölfe sei. Die Tiere würden bei der Partnersuche oft große Strecken zurücklegen. Dabei könnte der Wolf den Truppenübungsplatz Hohenfels als sein Jagdrevier entdeckt haben.

Hintergrund

  • Entwicklung

    Im Sommer 1882 wurde bei einer Treibjagd im Oberpfälzer Fichtelgebirge der letzte Wolf Bayerns erlegt. Schon 1996 haben sich einzelne Wölfe, die aus Polen über die Elbe kamen, in Ostdeutschland niedergelassen. Die Zahl der Wölfe, die mittlerweile durch Deutschland streifen, nimmt zu.

  • Zahlen

    Ende September 2016 vermeldete das Bundesamt für Naturschutz (BfN) für das Wolfsjahr 2015/16 die neuesten Zahlen: Demnach gebe es Nachweise für 46 Rudel, 15 Paare und vier sesshafte Einzeltiere. Das entspreche 120 bis 130 erwachsenen Wölfen.

  • Lebensraum

    Die meisten von ihnen streifen durch Sachsen und Brandenburg, heimisch sind die Wölfe aber auch schon in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen. Auch in Bayern hat man in den vergangenen Jahren erste Wölfe festgestellt. Dazu gehören Nordbayern, der Bayerische Wald und der Truppenübungsplatz Grafenwöhr. (abp)

Wolfsbeauftragter ist schon ausgebildet

„Ob es sich um einen nur durchziehenden Wolf gehandelt hat oder ob sich wegen der Abgeschiedenheit des Übungsplatzes und des reichen Wildbestandes Wölfe öfter in Hohenfels aufhalten werden, kann man jetzt noch nicht sagen“, meinte der Leiter des Bundesforstbetriebes. „Erst ein Wolfsmonitoring über mehrere Jahre kann dazu genauere Erkenntnisse bringen“.

Übrigens: Im Truppenübungsplatz Hohenfels hat man sich schon in den vergangenen Jahren auf das Auftauchen des ersten Wolfes vorbereitet und einen Revierförster zum Wolfsbeauftragten ausgebildet.

Mehr über eine mögliche Wolfssichtung im Landkreis Neumarkt lesen Sie hier!

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