mz_logo

Gemeinden
Freitag, 15. Dezember 2017 3

Pilotprojekt

Vorreiter in der Verbraucherbildung

Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat als zweite Region einen Stützpunkt eröffnet, an dem sich Bürger beraten lassen können.
Von Christina Röttenbacher

  • Ministerialdirigentin Sabine Nießen vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz stellte die Verbraucherpolitik und Rolle des Staates auf zwei Säulen. Foto: Röttenbacher
  • Kornelius Schlehlein vom Bayerischen Volkshochschulverband Foto: Röttenbacher

Sulzbach-Rosenberg.Der Landkreis Amberg-Sulzbach tut alles, um das Prädikat „besonders wertvoll“ zu erwerben. Er ist bereits Ökomodellregion, Bildungsregion, Energieregion, Wirtschaftsregion, hat einen Zukunftscoach und Energiebeauftragte, er beteiligt sich an der Kreativwirtschaft, er hat ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept und ein Bündnis für Behinderte. Der langen Liste lässt sich nun die Eröffnung eines Stützpunktes für Verbraucherbildung an der Volkshochschule (VHS) Amberg-Sulzbach hinzufügen.

Damit hat sich der Landkreis erneut eine Vorreiterrolle gesichert, denn er ist neben Memmingen, erst der zweite Verbraucherstützpunkt in ganz Bayern. Grund für Landrat Richard Reisinger, bei der Eröffnung des Stützpunktes im LCC, in der Oberen Gartenstraße in Sulzbach-Rosenberg, von einem „Pilotstandort“ zu sprechen und auf ein bereits bestens ausgebautes Netzwerk an Akteuren hinzuweisen.

Neues Bild des Verbraucherschutzes

Dem Landrat stand es zu, den Reigen der Grußworte, die alle den Wert und die Bedeutung unabhängiger und fachkundiger Verbraucherberatung und -bildung zum Inhalt hatten, zu eröffnen. Kornelius Schlehlein, Vorstandsmitglied im Bayerischen Volkshochschulverband sprach von einem neuen Bild des Verbraucherschutzes, „das in die Gesellschaft getragen werden soll“. Die Ministerialdirigentin Sabine Nießen vom Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz stellte die Verbraucherpolitik und Rolle des Staates auf zwei Säulen: Beratung und Bildung.

Immer häufiger fühlten sich Verbraucher von der wachsenden Vielfalt und Komplexität von Produkten überfordert. Um aktuellen und zukünftigen Herausforderungen im Umgang mit Finanzen, digitalen Medien, Energie oder nachhaltigem Konsum begegnen zu können, bräuchten Bürger aktuelles Wissen und von Anbietern unabhängige Informationen. Der VHS-Stützpunkt für Verbraucherbildung könne sich darum als „Innovationslabor“ betrachten.

Schwartz: Speerspitze und Vorreiter

Markus Bassenhorst sprach als Projektleiter des Bayerischen Volkshochschulverbandes. Foto: Röttenbacher

Der Landtagsabgeordnete Dr. Harald Schwartz bezeichnete den neuen Stützpunkt in Sulzbach-Rosenberg als Speerspitze und Vorreiter für ganz Nordbayern. „Wir werden dafür sorgen, dass Verbraucherschutz auch praktikabel ist.“

Am Beispiel von Finanzprodukten, Internet und Datenschutz stellte Markus Bassenhorst, Projektleiter im Bayerischen Volkshochschulverband, die Zielsetzung des Stützpunktprojektes vor. Verbraucherschutz, gerade in der medialen Welt, sei in den Schulen bereits fest verankert. Anders sehe es in der Erwachsenenbildung aus, weil es kaum entsprechende Angebote gebe und Finanzprodukte immer undurchsichtiger würden. „Über Geld spricht man nicht“, so eine deutsche Verhaltensregel. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen einer Bank lesen und verstehen zu können entscheide in finanziellen Problemlagen oft über den Erfolg eines Vertragsabschlusses. „Hier setzt das niederschwellige Informationsangebot unserer Verbrauchertrainer an.“

Die Idee hinter dem Stützpunkt

  • Ziele

    Gemeinsam mit den Verbraucherverbänden und weiteren Akteuren bauen die beteiligten Volkshochschulen im Landkreis Amberg-Sulzbach jetzt einen eigenen Programmschwerpunkt Verbraucherbildung auf. Im Fokus stehen dabei die aktuellen Themenfelder Finanzen und digitale Welt. Die Angebote des neuen Stützpunkts in Sulzbach-Rosenberg sollen laut Markus Bassenhorst, dem Leiter des Projekts „Verbraucherbildung – ein Leben lang“, auch die Bedürfnisse von Senioren oder Zugewanderten berücksichtigen. Der Stützpunkt ist bayernweit der zweite.

  • Personal

    Für die hohe Qualität der Bildungsangebote stehen erfahrene und speziell fortgebildete Verbrauchertrainer und das Siegel „Verbraucherbildung Bayern“. Das Projekt „Stützpunkte Verbraucherbildung“ führt das Bayerische Verbraucherschutzministerium gemeinsam mit dem Bayerischen Volkshochschulverband (bvv) und den bayerischen Verbraucherverbänden durch. Seit dem Jahr 2011 hat das bayerische Ministerium für Verbraucherschutz das Projekt mit den Trägern der Erwachsenenbildung im Freistaat und der Verbraucherzentrale Bayern entwickelt. (hcr)

Manfred Lehner, der Leiter der Volkshochschule des Landkreises Amberg-Sulzbach Foto: Röttenbacher

Dass der Landkreis im Sinne von Verbraucherschutz und -bildung bereits auf ein breites Netzwerk zurückgreifen kann, machte der Leiter der VHS Amberg-Sulzbach, Manfred Lehner, deutlich. „Die jungen Menschen haben bereits mehr Marktgestaltungskompetenzen als wir Älteren. Wir brauchen einen Vertrag für Gesellschaftstransformation.“ Für Lehner beschränkte sich die Verbraucherkompetenz nicht allein auf Internet und Finanzprodukte. Er erweiterte das Feld um Themen der Energie und Klimaschutzes, auf Konsum und Ernährung und verwies auf das bereits umfangreiche Bildungsangebot wie die „Expedition Supermarkt“ zur Verbraucherinformation oder die enge Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten oder der AOVE, der Arbeitsgemeinschaft Obere Vils-Ehenbach.

Die Sensibilität ist bei vielen gestiegen

Verbraucherschutz und -bildung müssten heute neue Wege gehen, war sich Lehner sicher. „Wir müssen die Verbraucherthemen besser und kreativer verpacken“. Die Sensibilität ist aber auch gestiegen, ob beim Urlaub, der Energiesparlampe, beim Einkauf oder einer Internetbestellung.

Wie eine Verbraucherberatung aussehen kann und wie Netzwerkpartner in die Verbraucherbildung eingebunden werden können, machten Verbrauchertrainer in ihrer Vorstellung neuer Angebote deutlich. Die Eröffnungsveranstaltung rundeten Informationsstände und Schnupperangebote ab. Musikalisch begleitete das Ensemble der Städischen Musikschule Sulzbach-Rosenberg die Stützpunkteröffnung ab.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht