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Heimat

Immer wieder brechen tiefe Krater auf

Über Erdeinbrüche berichteten die Gäste beim Heimatkundlichen Stammtisch Ursensollen, der im Zeichen der Geologie stand.

Das „Teufelsloch“ am Kirchensteig zwischen Hohenkemnath und Erlheim, im Hintergrund das „berühmte“ Raunloch. Im Vordergrund sieht man einen neuen Erdfall, der erst in den letzten zehn Jahren entstanden ist. Foto: asj

Ursensollen.Die Geologie der Alb stand vor kurzem im Mittelpunkt des Heimatkundlichen Stammtisches der Gemeinde Ursensollen im Gasthof „Erlhof“ in Erlheim. Der Heimatpfleger der Gemeinde, Josef Schmaußer, und sein Team stellten dieses Mal die Geologie der Gemeinde als Ausgangsthema der Gespräche in den Mittelpunkt. Eröffnet wurde der Abend mit einer Bildpräsentation über die reichen heimatkundlichen Aktivitäten der Gemeinde Ursensollen. Kreisheimatpfleger Dieter Dörner stellte den neuesten Band der heimatkundlichen Schriftenreihe „Der Eisengau“ vor.

Auslöser für das Thema „Geologie der Alb“ war ein Erdfall, der im August nördlich von Sauheim von einem Landwirt entdeckt wurde. Das Interesse der Bevölkerung war groß, da im Gebiet der Gemeinde immer wieder Erdeinbrüche zu beobachten sind.

Niederschläge lösen Gestein auf

Hohenkemnath und Ursensollen liegen in der Übergangszone der Kreideüberdeckung und der Malmtafel aus der Jurazeit. Die von Natur aus sauren Niederschläge lösen in einem langen Prozess die Gesteinsschichten auf. Es bilden sich unterirdische Hohlräume oder gar Höhlen.

Die Gäste konnten viele Beispiele aus der Region schildern. So brach um 1965, kurz nach der Fertigstellung der AS 15 beim sogenannten „Hilpert-Stoandl“ westlich von Haag neben der neuen Kreisstraße ein etwa drei Meter breiter und drei Meter tiefer Krater ein. Anfang der 1970er Jahre war südlich am Ortsrand von Haag auf einem Acker ein Erdeinbruch mit rund sieben Meter Durchmesser und einer Tiefe von etwa sechs Meter zu beobachten.

Kurz vor Weihnachten 1998 konnte man in der Flur „Kehlhof“, 600 Meter südlich von Hohenkemnath, zwei neue Erdeinbrüche beobachten.

Aufsehen über die Region hinaus erregte am Silvestermorgen 1995 ein Erdeinfall im Garten einer Familie in Ursensollen. Überraschend war, dass bei diesem geologischen Ereignis ein starker unterirdischer Wasserfluss festgestellt wurde. Obwohl Ursensollen beinahe am höchsten Punkt der Albhochfläche (538 Meter Meereshöhe) liegt, war auch unter dem ehemaligen Brauhaus der Familie Gehr (bis 1920) eine starke Quelle aktiv. Allerdings wurde sie verfüllt. Man möchte aber im Rahmen der Städtebauförderung diese Quelle wieder reaktivieren.

Geschichte vom „Teufelsloch“

  • Der Teufel

    In früheren Zeiten wurden alle Phänomene und Begebenheiten in der Natur, die sich die einfache Bevölkerung nicht erklären konnte, mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Das bekannteste Beispiel ist die „Teufelsmauer“, Reste des einstigen Limes. Das Wissen um diesen römischen Grenzwall war im Laufe der Geschichte verloren gegangen.

  • Der Sturz

    Vor etwa 60 Jahren ereignete sich auf dem Kirchensteig zwischen Erlheim und Hohenkemnath folgende Geschichte, die der originelle Krämerladenbesitzer Martin Gimpl seiner Ehefrau aufgetischt hatte: Er war angeheitert auf dem Heimweg vom Wirtshaus in Erlheim auf dem Kirchensteig unterwegs, als er in ein großes „Raunloch“ (umgangssprachlich für Dolinen) gefallen ist.

  • Die Geschichte

    Brombeersträucher hatten sein Gesicht zerkratzt und seine Kleidung zerrissen. Als ihn seine Ehefrau schimpfte, antwortete er: „I hob im Raunloch am Kirch’nsteig mit’m Teifl g’raaft!“

  • Die Folgen

    Diese Geschichte machte bald im Dorf die Runde. Die Kinder glaubten natürlich diese „Räuberpistole“ und hatten seither einen Heidenrespekt vor der Doline, die von den Einheimischen nur „Teiflsloch“ genannt wird.

  • Nebenbei bemerkt

    Der „alte Max“ (Martin Gimpl) war übrigens, zusammen mit Sabina Donhauser, der erste Tote, der im Januar 1961 im neu erstellten Leichenhaus auf dem Friedhof in Hohenkemnath aufgebahrt lag. Damit endete im Dorf die Zeit, da die Verstorbenen zu Hause aufgebahrt wurden. (asj)

Im Sommer 1996 entdeckte ein Landwirt auf einem Feld zwischen Gunzelsdorf und Richtheim (Gemeinde Ursensollen) ebenfalls ein frisch eingebrochenes Erdloch (zwei mal zwei Meter groß, etwa drei Meter tief). Da er das Loch nicht sofort verfüllte, konnte es ein Dolinen- und Höhlenexperte vermessen und untersuchen. Kurz vor Weihnachten 1998 konnte man in der Flur „Kehlhof“, 600 Meter südlich von Hohenkemnath, zwei neue Erdeinbrüche beobachten. Sie befanden sich in der Nähe von drei sehr großen Dolinen, die 1962 (nach dem Abriss des historischen Pfarrhofes von 1828) und 1992 verfüllt wurden.

Unterirdische Gewässer

Eine weit verbreitete Unsitte ist das Verfüllen von Dolinen mit Grünabfall und Steinen, manchmal gar Bauschutt. Dolinen haben fast immer eine direkte Verbindung mit dem Grundwasser, und es kann deshalb durch Schutt verunreinigt werden, erläuterte Schmaußer. Farbproben hätten ergeben, dass die unterirdischen Gewässer um Ursensollen in Richtung Hausner Bach fließen oder in Richtung des Kuhfelsens. Dort floss vor rund 300 Jahren noch das „Erlheimer Bachl“, gespeist aus der noch bestehenden Quelle in Bittenbrunn. (asj)

Der nächste Stammtisch mit heimatkundlichen Themen findet am Donnerstag, 28. Januar 2016, in Erlheim statt.

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