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Heimatkalender
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Heimat

Emhofer leben ihr Dorf, deshalb lebt es

Vereine tragen mit viel Einsatz die Bürde, das gesellschaftliche Leben in der einst selbstständigen Gemeinde zu beleben.
Von Josef Popp

Ein Blick auf die Jakobuskirche in Emhof, um das Jahr 1950 Repro: ajp

Schmidmühlen.Es gibt sicher nur wenige Ortschaften im Amberg-Sulzbacher Land, in denen das Miteinander und Füreinander so gepflegt und gelebt wird wie in Emhof. Die Zahl von Veranstaltungen, Arbeitseinsätzen für das Dorf und Initiativen kann man im Einzelnen gar nicht aufzählen. Aktuell in Erinnerung ist sicherlich der Erweiterungsbau für das Feuerwehrhaus, in dem nun auch die Vilstalschützen ihre eigene Bleibe gefunden haben. So wurde aus einem Funktionsgebäude ein echtes Begegnungshaus für die Bürger.

Zwei Vereine, eine politische Freie Wählergruppe und weitere „Bürgerbewegungen“ – sie prägen das Leben im Ort: Feuerwehr, Vilstalschützen, Dorfstammtisch Nachtschwärmer Emhof, ein Seniorentreff und die Kirwapaare. Dieses kreative Miteinander ist über die Jahrzehnte gut gewachsen und hat sicherlich seine Wurzeln in den ersten Nachkriegsjahren. Damals kämpften die Emhofer um ihre Selbstständigkeit. Vergeblich. Das Ende der Selbstständigkeit von Emhof nahm ein halbes Jahr nach Kriegsende seinen Lauf.

Am 7.1.1946 erließ die Regierung der Oberpfalz eine Bekanntmachung zur Zusammenlegung der Gemeinden im Kreis Burglengenfeld. Diese trat rückwirkend zum 1.1.1946 um 00.01 Uhr in Kraft. In der Bekanntmachung hieß es: „Es wurde beschlossen, zur Vereinfachung der Verwaltung und Hebung der Leistungsfähigkeit der Gemeinden, Kleingemeinden innerhalb des Landkreises Burglengenfeld mit anderen Gemeinden des Landkreises zusammenzulegen. Die Gemeinden Pilsheim, Höchensee und Emhof werden aufgelöst und in die Gemeinde Schmidmühlen eingegliedert.“

Das Dorf Emhof ist voll integriert

Winterimpression der Emhofer Jakobuskirche heute Foto: ajp

Bereits zu dieser Zeit begann der Kampf der Emhofer Bürger um die Wiederherstellung der Selbstständigkeit ihrer Gemeinde. Dieses Bestreben dauerte an bis in die 1960er Jahre. Erste Hoffnungen gab es am 31. Dezember 1947. Hier wurde eine Abstimmung zur Wiederherstellung früherer Gemeinden angekündigt, die am 11.1. 1948 auch stattfand. Die damaligen Gemeinden Höchensee und Pilsheim sprachen sich einstimmig, Emhof mit 96:17 Stimmen für die Selbstständigkeit aus. Während Pilsheim und Höchensee ihre Selbstständigkeit erhielten, wurde „der Fall Emhof“ zurückgestellt. Drei Jahre später hakte dann Bürgermeister Johann Büchl nach. Der Marktgemeinderat beschloss, nun den Antrag zu stellen, „die ehemalige Gemeinde Emhof aus der Marktgemeinde auszugliedern und wieder selbstständig zum machen“. Doch daraus wurde nichts –und das bis heute.

Heute ist Emhof ein voll integrierter Ort in der Gemeinde Schmidmühlen. Einen wesentlichen Beitrag leisteten in den vergangenen fünf Jahrzehnten die Freien Wähler in Emhof. Freie Wählergruppen haben in Bayern eine lange Tradition. In diese lange politische Tradition können sich die Freien Wähler aus Emhof (FW Emhof) einreihen, denn sie wurden vor nun mehr 50 Jahren, am 7. Januar 1966, gegründet.

Neben Baptist Fischer gehörten damals Ludwig Hümmer und der nun schon verstorbene Heinrich Bauer zum Gründertrio. Das Ziel war klar: Man wollte bei den Gemeinderatswahlen für Emhof einen Sitz im Schmidmühlener Marktrat (Leonhard Feuerer aus Emhof war bereits 1954 bis 1960 Marktrat) gewinnen. Der erste Schritt war die Gründung der Freien Wähler. Bei dieser Versammlung waren 33 Bürger aus Emhof anwesend. 1972 schaffte Baptist Fischer den Sprung in das politische Gremium. Ihm folgten Rupert Auer, Albin Koller, derzeit sind es mit Martin Bauer und Christine Werner zwei Mitglieder im Gemeinderat.

Kampf gegen Militärlärm trieb alle um

Winterimpression der Emhofer Jakobuskirche heute Foto: ajp

Ein breites Aufgabenfeld tat sich damals auf, erinnerten sich die ehemaligen Markträte Baptist Fischer und Albin Koller. Hierzu zählender Kauf des Grundstücks für den Sport- und Kinderspielplatz, der Bau des Kinderspielplatzes (Einweihung 27.9.1980), Bau des Feuerwehrgerätehauses, verschiedene Straßenausbau- und Instandsetzungsmaßnahmen sowie der Bau der oberen Straße, also zum Siedlungsgebiet, und die Straße nach Pettenhof.

Eine Aufgabe, der Kampf gegen Militärlärm vom Übungsplatz, beschäftigte alle Markträte. Verwirklicht werden konnten ein eigenes Siedlungsgebiet, die Sanierung der Vilsbrücke und der Schlossstraße und der Anschluss von Emhof an die kommunale Kläranlage. Das waren Millionenprojekte, auf die die Emhofer lange gewartet hatten.

Bereits zehn Jahre früher, im Jahr 1956, wurde ein Schützenverein gegründet. Es war damals die noch weitgehend „medienfreie“ Zeit, in der man eben die Gemeinschaft und die Gesellschaft suchte – und brauchte. Der Verein wurde am 15.12.1956 im alten Gasthaus Kellermeier unter dem Namen „Die Vilstaler“ ins Leben gerufen.

Das Gründungsprotokoll wurde damals von 19 Mitgliedern unterzeichnet. Am 1.1.1957 wurden bereits 49 Mitglieder an den Landesverband OSB gemeldet. Von Anfang an gehörte die SG Emhof dem Schützengau Burglengenfeld an; das ist auch heute noch so.

In den Anfangsjahren 1957 bis 1964 prägte der 1. Schützenmeister Johann Mühlhofer das Bild des Vereins. 1965 wurde er zum Ehrenschützenmeister ernannt. Die Nachfolge trat Josef Werner an, der die Geschicke des Vereins in der Zeit von 1965 bis 1966 und 1969 bis 1976 leitete. Auch er wurde 1977 Ehrenschützenmeister. In den ersten Jahren wurden Schießabende im alten Gasthaus Kellermeier gehalten.

Preis- und Vergleichsschießen und natürlich das Königsschießen bildeten die Säulen des Vereins. Anfangs konnte auf zwei Ständen geschossen werden, die von der Küche aus in den Flur führten. Verbesserung trat erst ein, als Vereinswirt Ludwig Kellermeier 1979 ein neues Gasthaus baute. 1966 wurde die neue Vereinsfahne geweiht.

Dorfstammtisch „Nachtschwärmer“

Winterimpression der Emhofer Jakobuskirche heute Foto: ajp

Ein großes Ereignis für den Verein war das Jahr 1992, als man ein Vereinsheim in der ehemaligen Scheune des Gasthauses Bauer errichten konnte. Das ist aber schon seit einigen Monaten wieder Vereins- und Dorfgeschichte. Im Frühjahr letzten Jahres bezogen die Vilstalschützen ihr neues „Quartier“ im Kellergeschoss des Feuerwehrgerätehauses. Der Adventsmarkt, den die Vilstalschützen organisieren, aber auch im Zwei-Jahres-Turnus das Johannifeuer oder auch die Christbaumversteigerung zählen zu den gesellschaftlichen Höhepunkten im Dorf.

Nicht mehr aus dem Dorfleben wegzudenken ist der Dorfstammtisch „Nachtschwärmer“, der seine Heimat im Gasthaus Bauer hat. Er wurde im Jahr 1977 gegründet. Die Gründungsmitglieder waren damals sechs Personen, nämlich Hans Manglberger, Karl Manglberger, Alois Tischler, Theo Singer, Karl Beer, Johann Koller. Johann Koller war zugleich der 1. Vorsitzende. Jeden ersten Freitag im Monat war eine Stammtischsitzung anberaumt.

Ein Vorbild war der Stammtisch in Rohrbach. Die Ziele waren einmal im Monat ein gemütliches Zusammensitzen mit Schafkopf oder mit guter Unterhaltung oder auch die Teilnahme an den vielen Stammtischfußballturnieren, (Schwerpunkt in Rohrbach), später auch Stammtischmarktmeisterschaft in Schmidmühlen. Einmal im Jahr findet auch ein großes Stammtischfest am jetzigen Bolzplatz statt.

Feuerwehr Emhof

  • Anfang

    Ältester Dorfverein ist die Feuerwehr. Die erste Erwähnung ist im Königlichen Bezirksamt Burglengenfeld dokumentiert. Am 30. November 1870 fand eine Auslosung statt, nach der für die Gemeinden des Bezirks Feuerwehrspritzen angeschafft wurden. Emhof zog dabei den 29. von 53 Plätzen. Somit musste eine Feuerwehr gegründet und ein Spritzenhaus gebaut werden.

  • Spritze

    1873 wurde das Haus genehmigt, und nach dem Erhalt der Spritze im Jahre 1874 bestand zunächst nur eine Pflichtfeuerwehr. 1957 brach für die Feuerwehr das Zeitalter der Motorisierung an. Die alte Feuerwehrhütte war den Anforderungen längst nicht mehr gewachsen. Ein neues Haus musste her, in dem auch ein Auto Platz fand.

  • Heimat

    Das Feuerwehrhaus wurde 1975 fertiggestellt. Der Anhänger wurde 1975 im Tausch gegen das gebrauchte Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Schmidmühlen wieder zurückgegeben. Im Jahre 2000 wurde begonnen, das Feuerwehrhaus zu erweitern und zu modernisieren. Dies geschah zum größten Teil in Eigenleistung vieler Emhofer, aber auch dank vieler Spender.

  • Wachstum

    Nachdem die Ausrüstung der Wehr immer umfangreicher und besonders die Jugendgruppe immer größer wurde, entschloss man sich zum Erweiterungsbau. 2013 gab der Marktrat dafür „grünes“ Licht. Im vergangenen Jahr konnten die umfangreichen Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten erfolgreich abgeschlossen werden. (ajp)

Aber nicht nur Gemütlichkeit und Gesellschaft gehören zu den Zielen, sondern auch die Hilfsbereitschaft. Zuletzt organisierte man die ROOTS-Festivals in den Jahren 2011, 2012, 2013 und 2014 mit Spenden an gemeinnützige Einrichtungen bzw. Personen in Gesamthöhe von nahezu 16 000 Euro. Seit gut sieben Jahren geht es einmal in jedem Jahr zu einem Hüttenaufenthalt in Österreich oder Bayern sowie zum Gäubodenfest oder zum Gillamoos oder nach Karpfham (zusammen mit der FF Emhof). Aktuell gehören dem Stammtisch 44 Mitglieder an.

Schon bald nach dem Krieg, sicher schon in den 1950er Jahren, wurde die Emhofer Kirwa gefeiert. An zünftige Kirwafeste erinnert sich auch Baptist Fischer, der derzeit diese Dorfgeschichte aufarbeitet. Schon damals brauchte man nicht den Vergleich mit anderen Dörfern scheuen. Stramme Kirwaburschen und fesche Kirwamoidln zeichneten für die Kirwa verantwortlich.

Kirwa ist wieder in festen Händen

Kirwabaumaufstellen, Tanz und Unterhaltung sowie das Kirwabärtreiben gehörten dazu. Ab 1970 richtete der Dorfstammtisch Nachtschwärmer die Kirwa aus. 1986 wurde die Kirwa neu belebt – mit den Kirwaburschen Helmut Werner, Rudi Werner, Reinhold Ferstl und Hans Werler. Später kamen auch noch Christian Singer und Hubert Schaller dazu. Einen festen Oberkirwaburschen gab’s noch nicht, ebenso wenig noch Kirwamoidln oder den Kirwatanz. Die ganze Kirwa lastete auf den Schultern von fünf bis sechs ganz „Eisernen“. Erkennungsmerkmal waren – zur damaligen Zeit – nur die Strohhüte. 1987 wurde eine Kirwaliesl gekauft, nach und nach konnte man auch die erforderlichen Kirwamoidln für die Sache gewinnen. 1990 war es dann soweit – und es gab wieder einen Kirwatanz. Seit dieser Zeit ist die Kirwa in Emhof wieder in den festen Händen von Kirwamoidln und -burschen.

Die Freiwillige Feuerwehr hat 1978 ihr 80-jähriges und 1998 ihr 100-jähriges Gründungsfest gefeiert. Und damit steht das nächste Emhofer Jubiläum fest: Die Feuerwehr wird im kommenden Jahr stattliche 120 Jahre alt.

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