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Heimatkalender
Montag, 18. Dezember 2017 4

Geschichte

Harte Arbeit und spartanisches Leben

Viele Schmidmühlener Familien waren einst mit der Landwirtschaft verbunden. Die meisten Früchte wurden selbst verbraucht.
Von Josef Popp

Geschichte ist das Lagerhaus der Burglengenfelder Schweinesbein-Mühle in Schmidmühlen. Die Bauern lieferten dort ihr Getreide an und bekamen dafür Mehl zurück, das meist selbst verbraucht wurde. Foto: Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen.Ein Blick in die Landschaft zeigt: Der Herbst hat die Natur fest in seiner Hand, die Felder sind abgeerntet und Mensch, Tier und Pflanzen bereiten sich auf den Winter vor. Die Ernte ist schon lange vorbei, auch wenn an den Bäumen noch das eine oder andere Obst hängt. Dauerte früher die Ernte viele Wochen, ist diese Arbeit heute oft innerhalb weniger Tage oder auch Stunden erledigt.

Über Jahrhunderte hinweg gehörte die Landwirtschaft zu Schmidmühlen, und auch heute noch prägt sie das Landschaftsbild und das Zusammenleben im Ort. Noch bis Ende der 1950er Jahre waren sehr viele Haushalte mit der Landwirtschaft verbunden. Sei es mit Ackerland oder Wiese, mit Großvieh oder einem Handwerksbetrieb, der auf die Landwirtschaft ausgerichtet war. Oder auch „nur“ mit Federvieh wie Hühnern, Enten oder Gänsen. Was nicht zur Eigenversorgung verwendet wurde, wurde verkauft. Zum Weiterverkauf oder zur Weiterverarbeitung von Getreide gab es in der Region zahlreiche Mühlen, zu denen man das Korn bringen konnte und dafür Mehl erhielt. In Schmidmühlen standen früher vier: am linken Lauteracharm die Obere und die Untere Mühle, am rechten Arm die Zeitlermühle und die Hammermühle.

Die Zeitlermühle war ursprünglich die Papiermühle. Wenige Meter flussaufwärts war die Hammermühle (Gebäude ehemals „Kino Meier“). Ähnlich wie die Obere Mühle (Bereich Poststraße) und die Untere Mühle (entlang der Pfarrer-Härtle-Straße, heute ist hier auch die Filiale der Sparkasse), waren es Getreidemühlen in Einheit mit einem Sägewerk.

Solch eine Mühle gab es auch in Burglengenfeld: die Mühle Schweinesbein – seit vielen Jahrzehnten ebenso Geschichte. Diese Mühle hatte im Bereich des jetzigen Gasthauses Lindenhof in Schmidmühlen ein Lagerhaus. Die Bauer lieferten dort sackweise Getreide an und bekamen im Gegenzug das Mehl, das in Burglengenfeld gemahlen wurde. Dieses verwendeten sie meist zum Brotbacken – der Name „Bauernbrot“ ist ja ein Begriff. Meist wurde alle drei bis vier Wochen im gemauerten Backofen selbst gebacken.

Der Grund, auf dem das Lagerhaus stand, gehörte der Familie Ludwig bzw. Schärl bzw. Eckmeder. Ende des Zweiten Weltkriegs waren in dem alten Lagerhaus russische Kriegsgefangene untergebracht, die während der Woche zu Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Vor allem an den Wochenenden, wenn sie freihatten, kamen sie immer wieder in die Nachbarschaft und bettelten um etwas Brot. Dies war zwar verboten, wurde aber offenbar von der Wachmannschaft toleriert.

Felder selbst an steilen Hängen

Ab etwa Mitte der 1960er Jahre wurde das Lagerhaus an der Kallmünzer Straße nicht mehr benötigt. Viele Jahre stand es leer. Schließlich wurde es Anfang der 1970er Jahre abgerissen. Im Zusammenhang mit dem Neubau der Kallmünzer Straße im Jahr 1977 wurde der Platz auch für eine zeitgemäße Bushaltestelle benötigt.

Doch zurück in die Landwirtschaft, als man noch Mühlen und Lagerhäuser brauchte, in die 1930er bis 1950er Jahre – harte Zeiten mit einem eher spartanischen Leben. Noch viele Bürger erinnern sich, als man zum Hüten das Vieh aus dem Ort trieb oder zum „Erdäpfelklauben“ auf den Acker fuhr.

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Gemeinde Schmidmühlen jedes Fleckchen Erde landwirtschaftlich genutzt. Sogar die steilsten Berghänge wurden mit Holzpflug und Kuhgespann bearbeitet, um dort etwas anzubauen. Immer war eine zweite Person zum Führen des Gespanns notwendig, da die Tiere ohne Führung nicht in den Furchen blieben, erinnerte sich einmal Ortsheimatpfleger Franz Xaver Eichenseer. Flächen, die mit dem Pflug nicht mehr bearbeitet werden konnten, wurden mit der Stockhaube umgegraben.

Im Juni und Juli jeden Jahres waren die Täler und Berge im Vils- und Lauterachtal bebaut mit Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Linsen, Wicken, blaublühendem Flachs, Kartoffeln, Kraut und Klee – wohl ein besonderer Anblick. Viele dieser Früchte werden aber schon seit Jahren nicht mehr angebaut. Neben Getreide dominieren heute vor allem Mais und Raps die Felder.

Erinnern an das Dreschen

Der Trachtenverein zeigt immer wieder, wie früher mit der Hand gedroschen wurde. Foto: MZ-Archiv

Der Getreideschnitt mit der Sichel begann an den Berghängen Mitte Juli. Das Mähen mit der Sense wie auf den ebenen Feldern und in den Tälern war dort wegen der Furchen nicht möglich. Das geschnittene Getreide wurde gleich auf dem Acker zum Trocknen ausgebreitet. Danach wurde es gesammelt, auf selbst gemachte Strohbänder gelegt, in Garben gebunden und auf dem Erntewagen hoch aufgeschichtet in die Scheune gefahren.

Das Getreidedreschen erfolgte einst hauptsächlich per Hand mit der Drischel auf der Tenne – eine Tätigkeit, die der Heimat- und Volkstrachtenverein immer wieder auch beim Marktfest vorführt und somit diese harte Arbeit zurück ins Gedächtnis bringt.

Eine Verbesserung brachten die ersten Maschinen. So taten sich einige größere Landwirte zusammen und schafften sich eine Dampfdreschmaschine an, mit der etwa zehn Arbeitskräften am Tag 15 bis 20 Schober (1 Schober = 60 Garben) fix und fertig ausdroschen. Mit der Drischel mussten vier Personen dafür monatelang arbeiten. Das Drischeldreschen im Takt hörte sich bei drei und vier Dreschern so an: „I und Du, Du und I. Willst oder willst niat, willst oder....“.

Die landwirtschaftliche Viehhaltung damals ist mit der heutigen nicht zu vergleichen. Rationalisierung war bis vor 50 oder 60 Jahren ein Fremdwort. Das Vieh wurde im Sommer hauptsächlich mit Klee und Gras, Runkel- und Dorschenblättern gefüttert. An den Feld- und Wegrainen wurde gegrast, und mit der „Kirm“ trugen die Frauen das Gras nach Hause. Im Winter gab es für das Vieh nur Strohhäcksel mit etwas Heu und abends gebrühtes sogenanntes „Gsot“ mit kleinen Zutaten wie Viehsalz oder Futterkalk. Und: Die Häcksel mussten im Strohschneider mit der Hand geschnitten werden.

„Roumkraut“, also Rübenkraut, wurde in Schmidmühlen im vergangenen Jahr nach alter Tradition wieder hergestellt – für das Wirtshausgespräch der Volkshochschule über das Brauchtum. Foto: Archiv ajp

Als Vitaminspender für die Familie im Winter wurde im Herbst das Kraut eingemacht. Mit dem Krautbohrer wurden die Krautköpfe hergerichtet und in den Stuben gelagert, bis der bestellte Krauthobler kam – in Schmidmühlen gab es davon zwei. Das gehobelte Kraut wurde mit Salz in Gefäßen aus Holz oder Stein festgetreten, mit Krautblättern abgedeckt und mit schweren Steinen beschwert. Es konnte dann gären. Das dabei nach oben steigende Wasser musste laufend abgeschöpft werden. Erst wenn kein Wasser mehr austrat, war es essbares Sauerkraut.

Zusätzlich gab es im Winter „Birnenhutzel“ oder getrocknete Zwetschgen, deren Brühe als besonders geschmackvolles Getränk beliebt war. Die Birnen und Zwetschgen wurden im Backofen nach dem Brotbacken getrocknet bzw. gedörrt.

Hausschlachtung war ein Fest

Für die Hausschlachtung im Winter wurden ein bis zwei Schweine mit gedämpften Kartoffeln, Rüben, Dorschen und Kleie ein Jahr lang gefüttert. Eine solche Schlachtung war dann immer ein großes Familienfest. Es gab Metzelsuppe (Wurstsuppe), Leber- und Blutwürste, Presssack und Bratwürste. Das Fleisch wurde in Holzzubern eingesalzen und musste vier bis sechs Wochen „suren“. Dann kam dieses Surfleisch in den Kamin oder in die Räucherkammer – bis es als Räucherschinken oder Rauchfleisch schön goldgelb bis braun herauskam.

Die Arbeit war hart und die Löhne niedrig. So bekam um die Jahrhundertwende ein Knecht 120 Mark Jahreslohn, die erste Magd 100 Mark, die zweite Magd 80 Mark, ein Hirtenbub bedeutend weniger. Kranken- und Altersversicherung gab es nicht oder ganz selten. Ältere „Ehehalten“, die immer ledig blieben, konnten auf einem Hof das Gnadenbrot bekommen, sobald sie viele Jahre dort arbeiteten. Von manchen Bauern wurden diese Leute allerdings schwer ausgenützt und geschunden. Der Jahreslohn wurde erst nach Ende eines Jahres, und zwar an Lichtmess, ausgezahlt.

Ein wichtiger Bestandteil der Landwirtschaft in und um Schmidmühlen war der Hopfenanbau – über Jahrhunderte ein sehr einträgliches Geschäft. Die Häuser im Ortszentrum, die Bierkeller und die Hopfengärten zeugen noch davon. An der Hauptstraße hatten alle Giebelhäuser Hopfentrockenböden und an beiden Giebeln mehrere Türen zum Lüften, was man heute noch teilweise sehen kann. Nachweisbar besaßen die Schmidmühlener vor mehr als 400 Jahren schon Hopfengärten. Die Abgabe von Hopfenzehent war damals bereits Pflicht. Der Hopfenanbau brachte so für Schmidmühlen einen gewissen Wohlstand und für die Tagelöhner Arbeit und Brot.

Geschichte und Geschichten aus dem Markt Schmidmühlen finden Sie gesammelt in einem MZ-Spezial.

Die Speisekarte früher

  • Suppen

    Als Suppen gab es einst Wasserschnalz’n, auch Brotsuppe genannt, Einbrennsuppe, Schnittnudelsuppe, Buttermilchsuppe, Biersuppe, Linsen- und Erbsensuppe.

  • Gemüse

    Salate, Kohlrabi, Bohnen, gelbe Rüben, rote Rüben, Dorschengemüse, Sauer- und Rübenkraut kamen auf den Tisch.

  • Mehlspeisen

    Als Mehlspeisen kamen auf den Tisch Auflauf, Pfannenkuchen, Spoz’n, Nudel-Drahdewixpfeifferln, Bauchstecherln, Kartoffelnudeln, Kartoffeldatschn, Schmarrn, Maultaschen oder Strudel, Dampfnudel, Rohrnudel gefüllt, in der gusseisernen „Rein“ und in der Röhre gebacken, Goldschnitten, Küchel, Vög’l und Haslohren, Eierschnalz und Ochsenaug’n.

  • Fleischspeisen

    Wochentags gab es manchmal Geräuchertes mit Kraut, sonntags Geräuchertes mit Reiberknödel, manchmal Leberknödel. Frisches Fleisch gab es nur an hohen Festtagen.

  • Kaffee

    Gedörrte Runkelrüben wurden als Mangelkaffee in der Kaffeemühle gemahlen, außerdem gab es Gerstenmalzkaffee. (ajp)

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