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Heimatkalender
Montag, 11. Dezember 2017 4

Geschichte

Schloss auch Ort von Festen und Kunst

Das Obere Schloss in Schmidmühlen hat viel erlebt. Es zeugt auch von der einst großen wirtschaftlichen Bedeutung des Orts.
Von Josef Popp

Ein Foto des Oberen Schlosses um 1930 ziert das April-Blatt des Heimatkalenders. Foto: Archiv Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen.Der Markt Schmidmühlen hat eine wechselvolle Geschichte, die sicher auch von Tiefen, aber vor allem durch wirtschaftliche und kulturelle Glanzzeiten geprägt ist. Dies spiegelt sich heute noch in teilweise sehr imposanten Häusern und Anwesen wieder. Quasi ein magisches Dreieck im Ortskern bilden die drei Schlösser: das Obere Schloss, das Hammerschloss und das Zieglerschloss. Bereits die erste urkundliche Nennung im Jahr 1010 zeugt von wirtschaftlicher Emsigkeit. Schmidmühlen befand sich um 1000 nach Christus im Besitz der Marktgrafschaft von Hohenburg. 1010 wird von einer Ladestätte (Anlegestelle für Schiffe) am Fluss „Vilsia ge smidimulni“ berichtet. Der Name lässt den sicheren Schluss zu, dass hier eine Schmiedemühle stand.

Aufschwung im frühen Mittelalter

Bereits zu dieser Zeit war Schmidmühlen an ein weit verzweigtes Handelsstraßennetz angebunden. Immerhin führte die wichtige Bayerische Eisenstraße durch den Ort und somit am Hafen vorbei. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung im frühen Mittelalter kam so mancher rührige Handwerker, aber auch der Ort, zu Reichtum. Das Marktwappen mit Mühlrad und Hammer erschien erstmals 1311 als Schildbild des Reimbot von Schmidmühlen, einem der Besitzer des Oberen Schlosses. 1270 wurde Schmidmühlen zum Markt und gleichzeitig zum Amt erhoben.

Ein wirtschaftlich derart bedeutender Ort musste auch geschützt und verwaltet werden. Darauf dürfte wohl die Gründung des Oberen Schlosses zurückzuführen sein.

Das Obere Schloss entsteht

So präsentiert sich das Obere Schloss (Rathaus) heute. Foto: Archiv ajp

Ursprünglich befand sich an der jetzigen Stelle eine Wasserburg. Dort saßen bis 1270 Ministeriale der Hohenburger Grafen, dann wurde sie wittelsbachisch. Etwa um 1353 erfolgte durch Karl von Schmidmühlen entweder ein Neubau oder eine umfangreiche Neugestaltung. Das heutige Schloss hat um 1600 Hans Jakob Hausner von Winbuch erbaut. Im Schloss befand sich auch im Erdgeschoss eine kleine Kapelle, die jedoch bereits vor langer Zeit zugeschüttet wurde.

Im Lauf der Jahrhunderte wechselten immer wieder die Besitzer. Bei einer wissenschaftlichen Erfassung um 1900 war das Obere Schloss unbewohnt. Es diente, so der Bericht, seit vielen Jahrzehnten zur Aufbewahrung von Hopfen und Getreide. 1919 verkaufte es Josef Rubenbauer an einen Nürnberger Architekten mit Namen Jakober, der es wieder gründlich renovierte und bewohnbar machte.

Platz für Kindergarten und Schule

1937 ging es in den Besitz der Marktgemeinde über und wurde als Rathaus verwendet. Während des Zweiten Weltkrieges und danach hatte das Gebäude unter den Einquartierungen durch die Besatzungsstreitkräfte schwer gelitten. So wurde im zweiten Stock ein wertvoller Keramikofen zerstört. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges war auch der Kindergarten und von 1947 bis 1960 zwei Klassen der Volksschule im Schloss untergebracht.

Von 1977 bis 1980 erfolgte eine gründliche Restaurierung, bei der nicht nur das Schloss selbst, sondern auch der Garten sein Gesicht veränderte. Seit der Nachkriegszeit dient das Schloss dem Markt Schmidmühlen als repräsentatives Rathaus.

Lausbubenstreich

  • Stücke zur Geschichte

    Zur 1000-Jahr-Feier Schmidmühlens hat der Heimat- und Kulturverein 2010 auch eine „Marionetten-Tour“ durch den Markt Schmidmühlen angeboten. Gespielt wurden vier Stücke, die sich mit der Geschichte des Ortes beschäftigten. Eine Station war damals auch das Obere Schloss.

  • Ereignis aus 1950er Jahren

    Erzählt wurde eine Geschichte, die sich tatsächlich ereignet hatte. Im Nachhinein sicher zum Schmunzeln ist ein Lausbubenstreich, der sich in den 1950er Jahren abgespielt hat. In jenen Jahren war die Schule mit einigen Klassen im Oberen Schloss untergebracht. Damals aber war sicher dem einen oder anderen Buben das Lachen vergangen.

  • Die Mutprobe

    Hinter dem Schloss war auch ein Aufzug (Ring), an dem Feuerwehrschläuche zum Trocknen aufgehängt wurden – für eine Mutprobe wohl sehr verlockend. So kam es, wie es kommen musste: Ein Schüler setzte sich auf den Schlauchring und wurde hinaufgezogen.

  • Das Verhängnis

    Als man ihn wieder herunterziehen wollte, rastete die Kurbel ein – der Bub schwebte am Schloss über den anderen. Schließlich wurde er von zwei Arbeitern und dem Lehrer aus seiner misslichen Lage befreit. Die Leviten, die die Schüler zu hören und vielleicht auch zu spüren bekamen: Sie wurden vorsichtshalber beim Spiel ausgeblendet. (ajp)

Bedeutende Wandmalereien

Im Schloss ist oben im Turm ein runder, mit Blumen und Rosetten bemalter Plafond, der von einer zierlichen Holzsäule gestützt wird. Das gesamte zweite Obergeschoss gehört durch seine Ausstattung zu den interessantesten Resten der deutschen Renaissance. Was zwei Jahrzehnte früher im herzoglichen Schloss Trausnitz in Landshut in umfangreichem Maß auf dem Gebiet der profanen Wandmalerei geleistet wurde, wiederholt sich im Oberen Schloss im Kleinen.

Beliebte Schlossgartenfeste

Der „Schlosswächter“ der ehemaligen Brauerei Schmid war ein Gerstensaft nur für „Echte“. Foto: ajp

Das Obere Schloss war auch über Jahrzehnte ein gesellschaftlicher Treffpunkt. Dazu gehörten ab Beginn der 1970er Jahre für knapp ein Jahrzehnt die Schlossgartenfeste. Es war noch die Zeit, in der das Fernsehprogramm nur auf drei Sendern stattfand – sofern man überhaupt einen Fernseher hatte.

So gehörte im Sommer der Schlossgarten den Bürgern. Kaum ein Verein, der im Schlossgarten kein Fest anmeldete. Die Brauerei Schmid braute sogar eigens ein Festbier, aus dem später der mit einer Silbermedaille prämierte „Schlosswächter“ (Stammwürze über 13 Prozent) entstand. Nachdem dieses süffige, aber starke Bier nicht wenigen Besuchern arg „zusetzte“, wurde es durch ein normal süffiges Vollbier ersetzt.

Das Marktfest wurde geboren

Zünftig wurde damals gefeiert und noch heute erinnert man sich gerne an diese Zeit. Doch mit den Jahren verloren die Schlossgartenfeste an Attraktivität – es waren einfach zu viele. Nach vielem „Hin und Her“ fand man eine Lösung: ein großes, gemeinsames Fest. Das Ergebnis existiert heute noch: Das Marktfest war „geboren“.

Im Oberen Schloss nahm auch der Kultursommer seinen Anfang. Franz Xaver Eichenseer und Hans Wuttig waren die ersten Künstler, die ihre Werke ausstellten. An zwei Wochenenden kamen damals gerade mal 30 Besucher. Das änderte sich aber bald. Bei einer Ausstellung „Kleider machen Leute – Leute machen Kleider“ zählte man weit über 1000 Gäste. Und auch heute noch ist man bestrebt, das Obere Schloss mit in das Marktfest und das gesellschaftliche Leben zu integrieren. Das Obere Schloss – eben mehr als nur ein denkmalgeschütztes Gebäude.

Mehr über die Geschichten, die hinter den historischen Fotos stecken, die seit einigen Jahren den Schmidmühlener Heimatkalender zieren, finden Sie in unserem MZ-Spezial!

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