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Amberg
Samstag, 20. Januar 2018 9

Museum

Vom Eisenerz bis zu den Märchen

Vielfältig ist das Angebot im Kultur-Schloss Theuern. Stärker genutzt werden die Außenstellen – mit neuen Veranstaltungen.
Von Michaela Fichtner

Schon früh wurde in der Region auch Eisen verarbeitet – das wird Thema eines Kolloquiums zur Montanarchäologie sein. Foto: Kultur-Schloss Theuern

Kümmersbruck.Kleiner, aber wie immer fein: So könnte man das Programm 2018 des Kultur-Schlosses Theuern während der laufenden Generalsanierung charakterisieren, die in diesem Jahr eigentlich nur noch das Hauptgebäude außen vor lässt. Große Sonderausstellungen, die schon von jeher das Programm in Theuern prägen, wird es aber auch heuer geben. In ihrer Art einzigartige sogar: Verschwenderische Stücke aus Porzellan, Emaille und Glas unter dem Motto „Prunk und Protz im Bürgerhaus“ sowie Glaskunst zum Thema „Fenstersturz und Spiegelsaal“ (unser Medienhaus berichtete bereits).

Die VilsKultur „wandert“

Märchenerzählerin Sabine Kreiner wird in der Mühle, einer Außenstelle des Museums, einen Märchenabend für Erwachsene gestalten. Foto: Sabine Kreiner

Ein Vorteil des Bergbau- und Industriemuseums Ostbayern ist mit Blick auf die Generalsanierung, dass es über eine Reihe von Außenstellen verfügt, die Jahr für Jahr schon immer Schauplatz für verschiedene Angebote waren. Das wollen Museumsleiter Michael Ritz und sein Team sogar noch ausbauen. Mühlentag (Pfingstmontag, 21. Mai) und Familiennachmittag (26. August) wird es daher auch heuer geben, außerdem wird erstmals eine Pflanzenbörse angeboten (28. April).

Auch die traditionelle Vils-Kultur muss nicht ausfallen: Am Donnerstag, 26. April, dreht sich alles um „Barock im unteren Vilstal“, wie immer präsentiert von den Gemeinden Ensdorf, Ebermannsdorf und Kümmersbruck – dieses Mal in Ebermannsdorf. So lange die beiden Säle in Theuern nicht verfügbar sind, wird die VilsKultur auf Wanderschaft gehen, so Ritz.

Archäologische Entdeckungen diskutieren

Beim Jazz-Frühschoppen sind heuer Philipp Weiss und Walter Lang zu Gast. Foto: Kultur-Schloss Theuern

Die Geschichte und dazu die Industrie – konkret die frühe Erzverarbeitung – spielen auch beim Programm 2018 eine Rolle. Passend für das Museum, das Bergbau und Industrie schon im Namen trägt. Unter dem Thema „Schmieden für Karl den Großen“ steht am 22. März im Kultur-Schloss ein wissenschaftliches Kolloquium zur Montanarchäologie der Region. Dabei geht es auch um die überraschenden Ergebnisse durch archäologische Grabungen in Kümmersbruck und Amberg: Sie haben gezeigt, dass schon in frühmittelalterlichen Zeiten Eisenerz hier nicht nur gewonnen, sondern auch verarbeitet wurde. Wissenschaftler werden aus unterschiedlichen Perspektiven den Stand der Forschung zum Montanwesen des 7. bis 10. Jahrhunderts referieren. Diese Veranstaltung wird zusammen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der Gesellschaft für Archäologie in Bayern angeboten.

Schlaglichter

  • Jazz-Frühschoppen

    Eröffnet wird die Saison im Kultur-Schloss Theuern am 11. März mit dem Jazz-Frühschoppen. Zu Gast sind Philipp Weiss und Walter Lang. Sie präsentieren in einem kammermusikalischen Konzert erlesene Kompositionen der Jazzliteratur – lebendig, poetisch, leidenschaftlich.

  • Märchen für Erwachsene

    In der Mühle, einer Außenstelle des Museums, wird Sabine Kreiner am 15. September einen Märchenabend für Erwachsene präsentieren. Dort wird es auch einen Hörspielabend mit einer Gruselgeschichte geben – der Termin wird noch festgelegt.

  • Neuer Blickfang innen

    Im Eingangsbereich des Schloss-Hauptgebäudes gibt es einen neuen Blickfang: Historische Nähmaschinen, klassisch in Schwarz und oft mit goldenen Verzierungen, vor allem aus dem Depot, sind zu bewundern. Daneben werden alte Geräte zur Wäschepflege gezeigt.

  • Neuer Blickfang außen

    Wie frisch aus dem Werk der Lokomotiven- und Maschinenfabrik Gmeinder & Co. strahlt die Feldbahn, die der Verein Amberger Kaolinbahn restauriert hat. 1938 hat die Feldbahn erstmals beladene Kippwaggons auf 60 Zentimeter breiten Schienen gezogen. (mi)

Gute Resonanz auf die Ausstellungen

Prächtig verziert waren einst die Nähmaschinen – im Eingangsbereich des Schloss-Hauptgebäudes sind einige besondere Stücke nun ausgestellt. Foto: M. Fichtner

Museumsleiter Michael Ritz und sein Team haben dazu auch die eine oder andere Überlegung, das Programm noch etwas auszubauen, kündigen sie schon an. Positiv ist jedenfalls der Blick zurück. Regionale Schwerpunkte beleuchteten die Sonderausstellungen des Jahres 2017: zum einen das Kriegsgefangenenlager Amberg-Kümmersbruck im Ersten Weltkrieg, zum anderen die Bedeutung der Eisenbahn für die Industrialisierung der Region. „Menschen interessiert sehr, was sie betrifft, wenn sie etwas in Verbindung bringen können mit Erinnerungen und Erzählungen“, freute sich Michael Ritz im Gespräch mit unserem Medienhaus über die sehr gute Resonanz auf diese beiden Ausstellungen.

Blickfang vor dem Schloss-Hauptgebäude ist die restaurierte Feldbahn. Foto: M. Fichtner

Und die Zusammenarbeit mit den verschiedensten Menschen und Institutionen, beispielsweise dem Amberger Stadtarchiv mit Dr. Johannes Laschinger, dem Staatsarchiv oder dem Verein Amberger Kaolinbahn, habe sehr viel Spaß gemacht, sagte Ritz. Das wirke auch weiter, zudem würden Synergieeffekte entstehen.

Beispiel Eisenbahnausstellung: Die Kooperation mit dem Kaolinbahnverein bestand ja schon vor der Schau. Die aktiven Mitglieder haben eine alte Feldbahn restauriert, die nun vor dem Schloss die Blicke anzieht. Einen Austausch gab und gibt es auch mit dem Eisenbahnverein aus Regensburg, dem das Bergbau- und Industriemuseum sogar mit Exponaten helfen konnte – wie auch dem Kaolinbahnverein, dem Gleise zur Verfügung gestellt wurden.

Ausstellungen geben Impulse

Bei der Sonderausstellung zum Kriegsgefangenenlager verwies Michael Ritz vor allem auch auf die spannenden Vorträge im Begleitprogramm. Die Romanistin Professorin Dr. Isabella von Treskow von der Universität Regensburg beispielsweise sprach über die Bedeutung der Lagerzeitung „Baracke!“ – sie forscht mit ihren Studenten weiter an diesem Themenkomplex.

Korrespondenz habe sich auch mit Heimatforschern aus verschiedenen Regionen ergeben. „Die Ausstellung ist so ein Impulsgeber für die Arbeit anderer und für weitere Forschungsfelder“, betonte Ritz. Und nicht zuletzt hob er den grenzüberschreitenden Aspekt hervor: „Sie war auch ein kleines Projekt zur Völkerverständigung!“

Zwei in ihrer Art einzigartige Ausstellungen präsentiert das Kultur-Schloss 2018!

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