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Amberg
Samstag, 20. Januar 2018 9

Gericht

Wahrheitssuche wird keine Frage der Zeit

Im Prozess in Amberg gegen einen jungen Iraker wegen versuchten Totschlags brachte der zweite Tag wenig Licht ins Dunkel.

Justitia, römische Göttin der Gerechtigkeit, steht für Unvoreingenommenheit, sorgfältige Abwägung der Fakten und strenge Durchsetzung des Urteils. Symbolfoto: Matthias Hiekel, dpa

Amberg.Seit Mittwoch, 10. Januar, steht ein 20-jähriger irakischer Asylbewerber mit Fußfesseln vor der Jugendkammer am Landgericht Amberg. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Räuberischen Diebstahl mit Körperverletzung sowie einen versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor (die MZ berichtete). Am Montag, 15. Januar, wird um 8.30 Uhr der Prozess fortgesetzt. Für das Verfahren sind insgesamt acht Verhandlungstage angesetzt.

Der seit dem 10. April 2017 in Untersuchungshaft sitzende Heranwachsende hat laut Anklageschrift am 12. Januar des Vorjahres versucht, in einem Regensburger Drogeriemarkt hochwertiges Parfüm im Wert von rund 200 Euro zu stehlen. Er wurde vom Haushausdetektiv zuerst gestellt, dann versuchte er zu flüchten, doch konnte er dann trotz einer heftigen Gegenwehr von mehreren Personen festgehalten und schließlich von der Polizei gefesselt werden. Diesen Sachverhalt gestand er bereits am ersten Verhandlungstag.

Ein Streit zwischen Bewohnern

Nicht gestanden hat der Angeklagte in der Hauptverhandlung den Vorwurf des versuchten Totschlags und Gefährlicher Körperverletzung, der ihm zur Last gelegt wird. Am 6. April 2017 war es nach den Worten des Staatsanwalts in einer Asylbewerberunterkunft in Amberg zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen mehreren Asylbewerbern gekommen, in deren Verlauf der 20-jährige Iraker auf einen 21-jährigen Somalier mit einem Messer eingestochen haben soll. Dies freilich leugnet der Angeklagte und behauptet, der Somalier selbst habe ein Messer gehabt, mit dem er verletzt worden sei.

Der geschädigte Somalier dagegen schilderte im Wesentlichen den Vorfall so, wie er von Leitendem Oberstaatsanwalt Joachim Diesch zu Prozessbeginn in der Anklage dargelegt worden war. Am zweiten Verhandlungstag nun bestätigte der Freund des Somaliers den Tatvorwurf. Er sei zunächst von einem arabisch sprechenden anderen Bewohner des Asylbewerberheimes beleidigt worden, und in einer späteren Auseinandersetzung sei ihm das Nasenbein gebrochen worden. „Aber nicht von dem Angeklagten“, erklärte er dem Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Harald Riedl.

Lesen Sie hier den ausführlichen Bericht unseres Medienhauses vom Prozessauftakt!

900 Seiten Ermittlungsakten

„Später nahm der Angeklagte ein Messer und stach unvermutet auf meinen Freund ein“, so der Zeuge. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Ekkehard Zink, gab zu bedenken, dass der Zeuge vor der Polizei und bei der Tatrekonstruktion zum Beginn der Auseinandersetzungen keine Angaben gemacht habe, während er dies nun vor Gericht tue.

Nach dem Geschehen vom 6. April 2017 in der Asylbewerberunterkunft an der Kümmersbrucker Straße gab es einen Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften, die anschließenden Ermittlungen waren umfangreich. Umfassende Spurensuche und Befragungen vieler möglicher Zeugen wurden durchgeführt, DNA-Spuren aufwändig gesichert. Mehr als 900 Seiten umfassen dazu nun die Ermittlungsakten.

Oder war es doch umgekehrt?

Es gibt auch Zeugen, die das Geschehen genau umgekehrt gesehen haben wollen. Nicht der angeklagte Iraker habe mit einem Messer zugestochen, sondern vielmehr der Somalier selbst. Die Wahrheitsfindung dürfte also schwierig werden. An acht Verhandlungstagen sollen weit über 30 Zeugen vernommen werden, wobei wohl nicht alle vor Gericht erscheinen dürften. Einer etwa ist untergetaucht, ein anderer hält sich unbekannt im Ausland auf.

Mit Zeugenvernehmungen wird die Verhandlung vor der Jugendkammer des Landgerichts am Montag, 15. Januar, um 8.30 Uhr fortgesetzt. (abl)

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