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Amberg
Freitag, 19. Januar 2018 9

Kultur

Witz und Intellekt – der Pelzig kann es

Kabarettist Frank-Markus Barwasser vergießt in Amberg einen wahren Wort-Tsunami über sein begeistertes Publikum.
Von Karin Hegen

Erwin als Hartmut und contra Dr. Göbel – umwerfend! Foto: akh

Amberg.Verzweifelt rauft sich Dr. Göbel die Haare über schreckliche Nachrichten im Internet. Kumpan Hartmut „...aber niedliche Katzenvideos…“ widerspricht vehement, versucht, so lang auf den steifen Herren einzureden, bis der dann, wie bei jedem Thema, klein beigibt. Eigentlich will Frank-Markus Barwasser mit seinem aktuellen Programm „Weg von hier“ gar nicht kommen, weil er – gepeinigt durch diese Informationsflut – am liebsten zu Hause bleibt. Er überlegt es sich anders, lässt als Erwin Pelzig einen Wort-Tsunami übers Publikum in der „Archideggdonischen Berle“ (ACC) losbrechen.

Und dann die ekelhafte Wahrheit

Tisch, Stuhl, Weizen, Rotwein, Wasser – mehr braucht er nicht, um drei extreme Charaktere auf die Bühne zu zaubern. In rasender Geschwindigkeit wechselt er durch Gestik, Tonfall und Meinungen die Personen, als wäre das ein Gespräch im Trio. Ebenso genügt ihm die eine Sitzgelegenheit – mehr passt nicht in den Jetta – , um anschaulich die Walt-Disney-Methode vom Träumer, Kritiker und Realisten vorzuführen. Dabei dürfen gegenwärtige Diktatoren darauf Platz nehmen, um durch Barwassers Äußerungen von ihren Fantasien die ekelhafte Wahrheit über ihr Tun und den gegenwärtigen Stand ihres Treibens zu resümieren.

Frenetischer Beifall der Erschöpften

Erwin Pelzig „in natura“ Foto: akh

Eine leichte Kost ist sie nicht, die das Publikum da auf Fränkisch serviert bekommt, aber es ist von Anfang an begeistert dabei. Wenige Sätze genügen – Applaus für den Satiriker im karierten Hemd, mit Cordhut und Täschchen. Ob es sich um deutsche Politik, Banken, Großunternehmer, Terror und vieles mehr dreht – immer trifft dieser Alleinunterhaltung den richtigen Ton, und das mit einem absoluten Allgemeinwissen, das an ein lebendig gewordenes Wikipedia erinnert.

Und so kommt er gegen Ende auch zu seinen Zukunftsszenarien, in denen er sich auf die selbstfahrenden Autos freut, die er dann mit seinem analogen Jetta Baujahr 1984 massiv ärgern kann. Alias Hartmut ist er vor allem über die Aussicht auf künftige Sexroboter euphorisch. Ist dieser Erwin Pelzig ein philosophischer Kritiker oder ein kritischer Philosoph? Das lässt sich nach dem fast dreistündigen Abend kaum sagen. Aber eines ist den Besuchern klar: Pelzigs Witz und Intellekt sind unschlagbar, werden trotz mentaler Erschöpfung abschließend mit frenetischem Beifall honoriert. „Sag’ mal, wie kann man sich so viel merken?“ staunt eine Besucherin, an ihre Begleitung gewandt, beim Gang aus dem Saal.

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