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MZ-Serie

Ehrlich! Schleich in der MZ-Kantine

Der Kabarettist tritt am 5. Mai mit seinem aktuellen Programm in unserem Verlagsgebäude auf. Wir verlosen Karten.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Kommt zu einem Gastspiel ins Mittelbayerische Medienhaus: Der Kabarettist Helmut Schleich Foto: Martina Bogdahn

Regensburg.Dass wir das noch erleben dürfen! Franz Josef Strauß kommt posthum nach Regensburg. Also fast. Der Kabarettist Helmut Schleich rechnet in seinem aktuellen Programm „Ehrlich“ in der Rolle des 1988 verstorbenen CSU-Ministerpräsidenten mit der bayerischen Selbstherrlichkeit ab und gibt unerhörte Einsichten in seine Gefühlswelt preis. Aber auch seine Figuren Heinrich von Horchen, der weltläufige Stammtischbruder und der hochanständige Spekulant beobachten genau und kommentieren messerscharf. Das Mittelbayerische Medienhaus freut sich sehr, Kabarettist Helmut Schleich am 5. Mai in der MZ-Kulturkantine präsentieren zu dürfen.

Mit Latzhose und Nickelbrille

Schon in der Schule stand Schleich auf der Bühne. Ein Lehrer am Gymnasium entdeckte sein Talent und förderte es. Mit Latzhose und Nickelbrille imitierte der damals noch schlaksig-dünne Schüler den bayerischen Ministerpräsidenten. In einem Porträt für die Fernsehreihe „Lebenslinien“ wurden kürzlich Ausschnitte aus den Schulaufführungen gezeigt. Die Tonlage traf Schleich damals noch nicht so ganz und auch das bajuwarische Format musste er sich erst noch antrainieren und mit einigen Kilos unterfüttern. Inzwischen, so sagte Schleich im vergangenen Jahr in einem Interview mit unserem Medienhaus, sei sein Strauß weit mehr als die historische Kopie des CSU-Übervaters. „Er hat sich weiterentwickelt zum Archetypus des bösen Bayern.“

Alleine auf einer Kabarettbühne zu stehen, das hatte Schleich nie angestrebt. Gemeinsam mit seinem Schulfreund Andreas Rüttenauer, der später vom kabarettistischen ins journalistische Fach wechselte, entwickelte er ab 1983 erste Kleinkunstprogramme. Später kam Christian Springer („Schlachthof“) dazu. Als das Trio mit dem Namen „Kabarett Fernrohr“ erstmals auf den Kulturbühnen in Bayern unterwegs war, war Schleich erst 16 Jahre alt. Zehn Programme entstanden. Die Tour mit „Die Geile Messe“ wurde wegen der kirchenkritischen Inhalte von Protesten begleitet. In Ebersberg kam es vor dem Auftritt der Kabarettgruppe gar zu einer Bombendrohung. Was gibt es besseres für politische Satire als eine solche Aufregung?

Dennoch bröckelte es beim Kabarett Fernrohr. Rüttenauer orientierte sich neu. Kurz darauf suchte auch Christian Springer andere Herausforderungen. „Ich wurde in die Rolle des Solokabarettisten hineingenötigt“, sagt Schleich heute über diese Zeit, die für ihn auch mit existenziellen Ängsten verbunden war. Seine älteste Tochter war noch klein, weshalb ihn die Neuorientierung besonders unter Druck setzte. Doch die Sorgen waren unbegründet.

Denn gleich mit seinem ersten Solo-Bühnenprogramm „Brauereifrei - Der Rausch packt aus“ wurde Schleich mit dem Förderpreis des Bayerischen Kabarettpreises ausgezeichnet. Preise gehören seitdem zu jedem seiner Programme dazu. 2013 wurde ihm der Deutsche Kleinkunstpreis überreicht, 2015 der Bayerische Kabarettpreis. Damit ist Schleich bislang der einzige Künstler, der nach dem bayerischen Nachwuchspreis auch den Hauptpreis gewann. Am Tag nach seinem Auftritt in der MZ-Kulturkantine wird Schleich mit dem Salzburger Stier geehrt. Der Preis gilt als renommiertester Kleinkunstpreis im deutschen Sprachraum.

„Der Altgediente des bayerischen Typenkabaretts wird immer aufregender“, urteilte die Süddeutsche Zeitung über Schleichs sechstes Bühnenprogramm „Ehrlich“. In der MZ-Kulturkantine können sich am 5. Mai um 13 Uhr 30 Zuschauer in Begleitung selbst davon überzeugen, auf welche bissige, komische und politisch unkorrekte Art der 49-Jährige die Mächtigen und ihr Treiben unter die Lupe nimmt. Schleich räumt auf mit lieb gewonnenen Vorurteilen, gefährlichen Halbwahrheiten und bequemer Ahnungslosigkeit. In Regensburg, wo gerade ein Korruptionsskandal das Rathaus erschüttert, könnte ein bisschen Ehrlichkeit tatsächlich auch nicht schaden. Aber Ehrlichkeit, sagt Schleich, ist ein Minenfeld.

Angriffslustig wie nie

Ein Minenfeld, das der Kabarettist mit seinen Figuren furchtlos betritt. Heinrich von Horchen, einst Gesangslehrer von Johannes Heesters, der sabbernd und sich verhaspelnd über die Demokratie in der EU und die Kulturgeschichte der Spionage referiert. Der streitbare Methusalem, dessen Reisepass schon 1904 abgelaufen ist, gibt sich in Schleichs aktuellem Programm angriffslustig wie nie. „Er ist der angry old man, dem es wunderbar gelingt, das Absurde unserer Zeit widerzuspiegeln“, sagte er im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Und natürlich wird auf der MZ-Kulturbühne auch Schleichs Alter Ego nicht fehlen - Franz Josef Strauß. Der Kabarettist spielt den CSU-Übervater schlitzohrig. Er selbst nennt es „hinterfotzig“. Strauß poltert über seine CSU, in der es früher Haderlumpen gab und es jetzt nur noch zu Haderthauern reicht. Er frotzelt über den „Wolfratshausener Kamillenteesieder“ Edmund Stoiber und den „Worthülsenvollernter“ Andreas Scheuer. „Mein Strauß ist keine historische Kopie, er sagt Dinge über Bayern, die Strauß so niemals ausgesprochen hätte.“ Einfach ehrlich bösartig und deshalb so lustig.

Helmut Schleich tritt am 5. Mai in der MZ-Kulturkantine auf. Die Veranstaltung beginnt um 13 Uhr. Die Karten werden ausschließlich unter MZ-Clubcard-Besitzern verlost. Eingeladen werden 30 Gäste mit Begleitung. Wer gewinnen will, schickt eine E-Mail an gewinnspiel@mittelbayerische.de unter Angabe der Abonnenten-Nummer.

Weitere Auftritte von Helmut Schleich in der Region: Am 5. Mai abends in Neunburg vorm Wald, 27. Mai in Neumarkt, 28. Mai in Bad Gögging, 15. Juli in Lappersdorf.

Lesen Sie hier weitere Teile unserer Serie über Kulturschaffende in Bayern:

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