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MZ-Serie

Viel mehr als „Herbert und Schnipsi“

Claudia Schlenger ist Schauspielerin, Musikerin und Autorin. Der große Erfolg nahm Fahrt auf, als Gerhard Polt ins Spiel kam.
von Alois C. Braun, MZ

Die Kabarettistin Claudia Schlenger, vielen besser bekannt als Schnipsi, wollte schon als Kind nur eines: auf der Bühne stehen. Foto: Janine Guldener

München.Claudia Schlenger ist eine Hälfte von „Herbert und Schnipsi“. Die Schauspielerin und Musikerin ist aber nicht nur als Schnipsi bekannt. Als Autorin schreibt sie fast alle Sketche des Kabarett-Duos selbst. Das Interview mit MZ-Autor Alois C. Braun hat sie mit einem Trip nach Regensburg verbunden, einer Stadt, die sie mit Ehemann Hanns Meilhamer auch privat oft besucht. Und wenn sie aus ihrem Leben erzählt, wird eines sofort klar: Ihr Vater hat in ihrer Kindheit tiefe Spuren hinterlassen.

„Mein Vater wuchs als Vollwaise in sehr armen Verhältnissen auf. Er hatte eine sehr unsichere Kindheit und musste sogar betteln“, erzählt die gebürtige Bad Tölzerin. Das schwierige Leben in den Kriegszeiten tat ein Übriges. „Deshalb war ihm Sicherheit sein ganzes Leben sehr wichtig und er wollte nicht, dass ich meine künstlerische Ader auslebe. Er hatte Existenzängste um mich.“ Trotzdem wurde Schlenger senior unbeabsichtigt auch zum Förderer seiner Tochter. Claudia Schlenger schmunzelt, wenn sie sagt: „Wenn er von der Arbeit als Polizist nach Haus kam und ich für ihn gesungen habe, hat er sich immer sehr gefreut. Das hat mich motiviert.“

Der Vater versprach, dass sie später machen könne, was sie wolle, wenn sie erst einen anständigen Beruf erlernt hätte. Deshalb folgte eine Ausbildung zur Medizinisch-technischen Assistentin (MTA). Sieben Jahre arbeitete Claudia Schlenger dann in diesem Beruf. „Richtig zu Hause habe ich mich in der Tätigkeit natürlich nie gefühlt. Ich wollte ja immer etwas künstlerisches machen.“ Trotzdem hat sie auch Positives mitgenommen aus dieser Zeit. „Ich hatte gerne mit Leuten zu tun und mich viel mit ihnen unterhalten.“ Und Ideen für künftige Sketche gesammelt, mag man hinzufügen.

Unglaublich intensiv für ihr damaliges Alter war Schlengers erste Liebe: „Ja, es stimmt“, lacht sie, „ich war bereits mit vier Jahren bis über beide Ohren in den Sepperl verliebt. Das war richtig tief und dauerte zwei Jahre. Ich weiß noch, wie wir in inniger Umarmung den Berg runtergerollt sind.“ Und auch die ersten künstlerischen Erfolge kamen sehr früh. Denn die Aufsätze in der Schule wollte sie nicht nur einfach schreiben, sondern hatte immer auch das Bedürfnis, die Schulschwestern mit ihren Texten zu unterhalten. „Und die gaben mir dann auch das Gefühl, dass ich schreiben kann.“

Sehen Sie hier einen Liveauftritt von Herbert und Schnipsi aus dem Jahr 2016:

Als Christkind zu Tränen gerührt

An ihren ersten öffentlichen Auftritt erinnert sich Schlenger gut. Damals war sie fünf Jahre alt und spielte das Christkind bei einer Aufführung im Krankenhaus. „Ich stand mit meinen blonden Locken auf der Bühne, habe den Segen gegeben und die Leute haben vor Rührung geweint.“

Hanns Meilhamer hatte Claudia Schlenger dann 1972 bei einem Konzert kennengelernt. „Freunde hatten mir gesagt, dass da ein schräger Vogel aus Niederbayern spielt und ich unbedingt mit müsse.“ Zu dieser Zeit waren die beiden anderweitig in einer festen Beziehung und es hat noch einige Zeit gedauert, bis sie ein Paar wurden. „Wir wohnten aber damals beide in und um Schwabing und sind uns immer wieder begegnet.“

Herbert und Schnipsi bei einem Auftritt in der Schwarzachtalhalle in Neunburg vorm Wald. Foto: ghs

Große Veränderungen standen aber an, als sie nach Berlin ging. „Ich habe dort mein Abi gemacht und eine staatliche Abendschule besucht“, erzählt Schlenger. Zu dieser Zeit war sie schon mit Hanns zusammen und er folgte ihr in die Stadt. Tagsüber besuchte sie eine Pantomimenschule und abends ging sie teilweise in den Nachtdienst. „In Berlin haben wir dann auch angefangen, gemeinsame Theaterkurse zu belegen. Kurse, die wir dann auch in München weitergeführt haben. Ich wollte einfach immer weiter kommen“, erzählt Schlenger.

Der Wunsch, Schauspielerin zu werden, zeigte sich auch in ihren Bewerbungen für Theaterrollen. „Damals war ich 33 und wurde mit der Begründung ,zu alt‘ abgelehnt!“ sagt sie, schüttelt den Kopf und fügt mit nachdenklicher Genugtuung hinzu: „Als ich dann erfolgreich war, kam genau dieses Theater auf mich zu und wollte mich engagieren.“

Claudia, die mit Hanns in einem Bauernhaus bei Simbach lebt, ist ein Stadtmensch. „So oft es geht, bin ich in München. Ich habe viele Freundinnen dort und brauche diesen Freiraum“, sagt sie. Und auch die sprudelnden Ideen als Autorin hält das nicht auf. „Ich habe ja die Freiheit, überall zu schreiben, wo ich bin. Ich muss dafür nicht zu Hause sein.“

Weitere Künstlerporträts finden Sie hier.

Vorschlag kam von Gerhard Polt

Maßgeblich für einen der ersten wichtigen Preise, den Hanns Meilhamer und Claudia Schlenger erhielten, war Gerhard Polt: „Er hat uns gefördert und 1983 für den Salzburger Stier vorgeschlagen.“ Die erfolgreiche Karriere nahm Fahrt auf. Bis heute folgten viele Preise und Auszeichnungen.

Und da kommt auch ihr Vater wieder ins Spiel. „Als er sah, dass ich erfolgreich war und Preise für meine künstlerische Arbeit erhielt, blühte er auf.“ Und er ging auch ins Theater zu den Auftritten. Claudia Schlenger erinnert sich schmunzelnd: „Er war sehr engagiert und ist einmal sogar zu einem Kritiker hingegangen und hat ihm gesagt, dass er ja ,was Gscheits‘ schreiben solle.“ Kein Wunder also, dass Schlenger einen rundum zufriedenen Eindruck macht und sich freut: „Ich kann heute alles tun, was ich mir als Kind erträumt habe und schon immer machen wollte.“

„Herbert und Schnipsi“ sind mit ihrem Programm „Juchhu, glei schmeißt’s uns wieder!“ am 17. März in Pfarrkirchen, am 18. März in Laufen und am 25. März in Wolfratshausen zu sehen.

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