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MZ-Kantine
Montag, 19. Februar 2018 4

Serie

Harold Faltermeyer hat viele Talente

Er schrieb Welthits wie Axel F., nun komponiert er auch Speisen und trägt den Ruf der bayerischen Küche in die Welt..
von Alois C. Braun

Der Meister tischt auf: Komponist Harold Faltermeyer wärmt selbst gemachte Weißwürste in seiner Küche. Foto: Ursula Düren/dpa

Baldham.Man kennt ihn vor allem als erfolgreicher Musiker, überwiegend als Produzent und Komponist von Hits. Mit Axel F., der Titelmusik für Beverly Hills Cop, hatte er auch einen Welthit unter eigenem Namen. Harold Faltermeyer ist aber nicht nur musikalisch umtriebig. Der Mann hat unlängst ein bayerisches Kochbuch geschrieben, malt und werkelt in seinem „Faltydorf“ in Baldham bei München als Schreiner, Koch und Bierbrauer.

Relaxt sitzt Harold Faltermeyer beim Gespräch. Auch in Arbeitskleidung hat er Ausstrahlung. Der Mann packt gerne mit an auf seinem 6,5 Hektar großen Refugium, arbeitet nach dem Interview gleich weiter. Der 65-Jährige ist ein echter Baldhamer, geboren aber im Krankenhaus in München. Das bayerische Lebensgefühl zelebriert er mit Leib und Seele, der Dialekt ist seine Sprache. Und er mag das Einfache: „Ich komme locker mit drei Lederhosen aus – zum Rumlaufen brauch ich nicht mehr“, sagt er und lacht. „Im Winter sind es halt wärmere Lederhosen.“ Man glaubt es ihm gerne.

„Ich koche gerne auf meine eigene Weise, kombiniere die verschiedensten Küchen der Welt.“

Harold Faltermeyer

Kein Wunder, dass auch sein aktuelles Werk mit Bayern zu tun hat. Es ist ein Kochbuch, „Sweet Home Bavaria“ betitelt. Darin sind aber nicht nur rein bayerische Gerichte zu finden: „Ich koche gerne auf meine eigene Weise, kombiniere die verschiedensten Küchen der Welt“, erklärt er. „Das ist ähnlich wie beim Komponieren von Musik, aber ich bin kein gelernter Koch.“

So war etwa das Ermitteln von genauen Gewichtsangaben bei den Rezepten eine Herausforderung: „Ich nehme die Zutaten immer nach Gefühl. Plötzlich etwas auf das Gramm abwiegen zu müssen, war mir fremd.“

Aber der Baldhamer fand schnell Gefallen an der Idee eines bayerischen Kochbuches. „Mir kam meine Anekdotensammlung zugute, all die Geschichten aus der Familie, die mit dem Essen verbunden sind“, sagt der Vater von drei Kindern. „Im Buch verbinde ich diese Erzählungen mit den Gerichten, oft im bayerischen Dialekt.“

Faltermeyer hat alles selbst gekocht – und danach gegessen

Etwa sechs Monate wurde hart gearbeitet – geschrieben, gekocht, dekoriert, fotografiert. Erstmals zusammen mit seiner Tochter Bianca, einer Diplom-Illustratorin und Grafikerin. „Sie hat ein unvorstellbares Auge für Neues und für Dinge, die zusammengehören“, begeistert sich der Hobbykoch. „Mir war es sehr wichtig, dass alle Fotos im Buch echt sind. Wir haben wirklich alles gekocht und danach gegessen.“ Das hatte natürlich seinen „Preis“, denn „ein paar Kilo mehr hatte ich schon auf den Rippen“, sagt er.

Kochen ist aber nur eine von vielen Leidenschaften des Harold Faltermeyer. „Auch das Malen hat einen unglaublichen Erholungswert für mich. Es ist einfach ganz anders als die Musik“, erzählt er. Gegenwärtig arbeitet er an Hirschbildern. „Ich hatte vor etwa vier Jahren für ein Charity-Projekt, den Kunstadventskalender, ein Gemälde mit einem Popart-Hirschen geschaffen. Die Galerie Walentowski, die auch Udo Lindenberg ausstellt, war begeistert, und nun habe ich eine ganze Serie davon und bereits zwei erfolgreiche Ausstellungen in Hamburg und am Tegernsee hinter mir“, freut er sich.

Da das Multitalent auch gerne auf die Jagd geht, fischt, auf seinem Gelände schreinert und Bier braut, fragt man sich, woher er all die Zeit dafür nimmt. „Normalerweise bin ich sehr diszipliniert. Ich stehe um 4.30 Uhr auf und habe einen festen Tagesplan.“ Er lacht: „Den schmeiße ich aber meistens um.“

Natürlich macht er auch noch Musik. Bereits als Sechsjähriger lernte er Klavier, und bald stellte sich heraus, dass er das absolute Gehör besitzt. „Die Familie hat mich deshalb immer in dieser Richtung gefördert.“ Eine Schule hat er nie abgeschlossen, kam nur mit einer Extra-Prüfung zum Studium an die Musikhochschule. Etwa 1967 spielte er mit Stefan Zauner, dem späteren Sänger der Münchener Freiheit, in der Band „Melodic Sound“. Die beiden komponierten auch. Faltermeyer blickt zurück: „Ich habe wunderbare Erinnerungen an diese Zeit, die ich alle in meiner Autobiografie „Grüß Gott, Hollywood“ festgehalten habe. Einen Song hat damals auch die leider kürzlich verstorbene Joy Flemming mit ihren ‚Hit Kids‘ aufgenommen.“

1977 kam er zusammen mit Giorgio Moroder in die USA. „Bis etwa 1982 war ich dort, arbeitete unter anderem erfolgreich mit Donna Summer“, lässt er diese Zeit Revue passieren. Schon damals war er in den USA „der Bayer“, da er seine Herkunft nie verleugnete. „Ich habe immer mein Bayerntum gelebt, war schon als Kind viel auf dem Berg und bin im Wald herumgesaust.“

„Alles, was Gott verboten hat“

Nach einer kurzen Zeit zurück in Deutschland ging er etwa 1983 wieder nach Los Angeles. „Ich galt dort in der Studioszene als Vertreter des ‚German Engineering‘, was aussagt, dass die Leute Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Professionalität schätzen.“ Ein wichtiger Teil seines Welterfolges. „Natürlich haben wir in den 80ern alles probiert, was Gott verboten hat“, sagt er. „Aber dank meiner inneren Struktur und der Erziehung habe ich gemerkt, wann es zu viel wurde und meinen Lebensstil geändert.“

Den Welthit Axel F. sieht Faltermeyer eher als Glücksfall. „Es war nicht einfach, diese Musik bei Beverly Hills Cop unterzubringen. Diese Art von Titelmusik für Komödien gab es vorher nicht.“ Mit Top Gun gelang ihm ein weiterer Glücksgriff.

Inzwischen ist Faltermeyer die meiste Zeit des Jahres in Baldham. „Ich habe den USA sehr viel zu verdanken“, sagt er. „Aber gerade in und um Los Angeles ist die Infrastruktur am Kollabieren. Da ist viel zu viel Verkehr. Deshalb bin ich meist nur noch geschäftlich dort.“ Wie letztes Jahr ,als er knapp drei Monate an seinem Musical über die Geschichte des Oktoberfestes arbeitete, das im August 2016 Welturaufführung in L.A. hatte. Und dann ist Faltermeyer ja auch noch Mitglied in der Jury für den Oscar. Auch da fällt jede Menge Arbeit an. „Derzeit trudeln täglich Filme ein, die ich mir anschauen muss. Insgesamt wohl 150.“

Zumindest kulinarisch dürfte er mit den eigenen Rezepten beim Sichten der Filme bestens versorgt sein.

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