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Region Cham
Mittwoch, 22. November 2017 7

Bilanz

20 000 Gäste reisten ins Mittelalter

Seit 15 Jahren gibt es das Cave Gladium in Furth. Auch dieses Jahr schrieb das Historien-Fest selbst wieder Geschichte.
Von Stefan Weber

Natürlich wurde beim Cave Gladium auch gekämpft. Foto: Tschannerl

Furth im Wald.Am Tag nach dem Ende des Mittelalter-Festes Cave Gladium ist das Feld an der Chamb bereits fast wieder wie leer gefegt. Daniel Reitmeier vom Organisations-Team und einer der Mitbegründer schleppt am Dienstagvormittag gerade noch ein paar Getränkekisten ins Lager. Der letzte Händler verlädt gerade noch sein Zelt in den Kombi.

Das Fest, das übersetzt „Hüte Dich vor dem Schwert“ heißt, war auch im 15. Jahr seines Bestehens ein voller Erfolg, ist sich Reitmeier sicher. Da sprechen alleine die Zahlen für sich: Über 10000Besucher, die am Eingang Eintritt bezahlt haben, und noch einmal so viele, die gewandet gekommen sind. Historisch gekleidete Gäste zahlen keinen Eintritt, das hat Tradition. „Davon profitieren wird und auch die Stadt, weil dann am zweiten Drachenstich-Wochenende viel mehr Gewandete in Furth sind, als es sonst der Fall wäre“, sagt Reitmeier. Rund 1500 „Lagernde“ gibt es auch – Teilnehmer, die lieber gleich im Zelt auf dem Festplatz übernachten, und während des Cave Gladium gar nicht mehr nach Hause gehen.

Hier sehen Sie ein Video vom Hussitenkrieg:

Cave Gladium 2017: Die Hussitenschlacht

„Vollbespaßung“ als Erfolgskonzept

Nach anderthalb Jahrzehnten hat sich das Fest weit über die Grenzen der Oberpfalz hinaus einen sehr guten Namen gemacht, ist Daniel Reitmeier überzeugt. Dafür gebe es viele verschiedene Gründe – in Summe mache es aber das Komplettpaket aus. „Du fährst mit der Familie nicht 150 Kilometer, wenn du nicht komplett bespaßt wirst“, sagt er. In Furth werde alles geboten, und das gebe es bei leibe nicht bei jedem Mittelalter-Fest.

Den besonderen Reiz macht für ihn aus, dass nicht nur „Mittelalter draufsteht“, sondern dass es auf dem Platz auch so aussieht. Keine Schirme, keine Kabel – und wenn, dann versteckt unter Holzkonstruktionen, die auch einmal wie Vogelhäuschen auf deinem Baumstumpf aussehen dürfen. Rund fünf Euro zahlt der durchschnittliche Besucher an Eintritt. Rechnerisch ergäben sich daraus Einnahmen von rund 50 000 Euro pro Jahr, wie Reitmeier rechnet. Doch dem stünden auch hohe Ausgaben gegenüber. Denn auch wenn die Zeit am vergangenen Wochenende stehengeblieben zu sein scheint, ist vieles im Hintergrund natürlich auf modernstem Stand. Über die Infrastruktur wie Wasser und Elektrik, Toiletten (aus Holz, aber modern) bis hin zum ärztlichen Notdienst, der jederzeit bereitsteht, herrscht für die Besucher kein Mangel.

Hier sehen Sie ein Video von der Band Streuner:

Cave Gladium 2017: Die Streuner

Impressionen vom Cave Gladium in Furth im Wald

Als das Unwetter kam ...

Daniel Reitmeier ist mit dem Aufräumen am Dienstag schon fast fertig – dank der Hilfe vieler Teilnehmer am Montag. Fotos: wf (1)/ctm (4)

„Wir blasen hier Strom durch auf ein Wochenende, das würde für drei Haushalte reichen“, sagt Reitmeier. Andere Feste verlangten deshalb Eintrittsgelder von 40 Euro und mehr. „Aber wir sind ein Verein und nicht auf Gewinnmaximierung aus“, sagt er. Professionell müsse die Veranstaltung trotzdem sein. Das habe sich auch in diesem Jahr gezeigt, als gleich am ersten Tag, dem Freitag, eine Unwetterwarnung für die Region vorhergesagt war. Während der Drachenstich auf dem Stadtplatz kurz unterbrochen werden musste, schloss auch das Cave seine Tore für diese Nacht – sicher ist sichere. Für derartige Fälle gebe es ein extra angefertigte Notfall-Konzept einer Firma aus Regensburg, wie Daniel Reitmeier erklärt.

Hier sehen Sie ein Video der Band Fatzwerk:

Cave Gladium 2017: Fatzwerk

Impressionen vom Cave Cladium, Teil 3

Angefangen hatte alles viel kleiner. Eigentlich sollte es nur ein kleines Treffen unter Gleichgesinnten werden. Heute gibt es einen eigenen Verein für das Cave Gladium. Der größte Teil der Vereinsarbeit finde allerdings nicht während des Festes, sondern in den übrigen Monaten statt, sagt Reitmeier. Gemeinsam werden Holzteile erneuert, Mauern hochgezogen, der Platz in Schuss gehalten. Was die Kapazitäten betrifft, sei der Platz ausgereizt. Er selbst komme so gut wie gar nicht auf das Fest, erklärt Reitmeier. Dafür fehle schlichtweg die Zeit.

Ursprünglich sei das Ziel gewesen, mit 50 aufzuhören, sagt der heute 46-Jährige. Doch dafür überwiegt die eigene Freude und die der Gäste am Fest dann doch zu sehr. „So lange es läuft und die Leute dabei sind, machen wir weiter“, sagt er heute. Wenn es nach den 20 000 Gästen geht, wohl mindestens noch einmal 15 Jahre.

Cave Cladium in Furth im Wald, Teil 2

Besonderheiten des Cave Galdium

Die Feldschlacht Foto: Schiedermeier

Die Feldschlacht: Nicht nur für die vielen gewandeten Teilnehmer auf dem Cave Gladium, auch für viele Zuschauer ist die Feldschlacht unbestreitbar einer der Höhepunkte der dreitägigen Veranstaltung. Hier stehen sich gepanzerte Ritter und Krieger aus allen möglichen europäischen Ländern gegenüber. „Das ist aktiver Sport“, sagt Daniel Reitmeier vom Vorstandsteam des Cave Gladium.

Die Show-Einlagen Foto: Tschannerl

Die Show-Einlagen: Eine weitere Besonderheit sind die vielen verschiedenen Events, die rund um die Verkaufsstände geboten werden. Feuershows, Musik, Akrobatik, Gaukler – das alles darf auf dem Cave Gladium nicht fehlen und ist im Eintrittspreis mit enthalten. Sie gehören aber auch zu den größeren Ausgabeposten des Mittelalter-Festes, verleihen ihm im Gegenzug aber einen unverwechselbaren Charatker im Verlgeich mit anderen Veranstaltungen.

Die Authentizität Foto: Tschannerl

Die Authentizität: Dargestellt werde prinzipiell genau die Epoche, in der der Drachenstich spiele, erklärt Daniel Reimeier – also das Jahr 1431. Den Teilnehmern eigen sei dabei eine unheimlich hohe Detailtreue, wie sie auf anderen Festen eher selten zu finden sei. Auch das mache seit 15 Jahren den typischen Charakter des Cave Gladium aus und trate maßgeblich zu seiner Bekanntheit bei.

Die Detailverliebtheit

Die Detailverliebtheit: Nein, beim Cave Gladium gibt es selbstverständlich keine Pommes frites. Auch keine Bierbänke, keine Container-Lösungen. „Das wäre alles natürlich viel einfach als das, war wir machen“, sagt Daniel Reitmeier. Aber das wollen die Veranstalter nicht, und heben sich so auch bewusst von der Masse anderer Mittelalter-Feste aber, und das schon seit 15 Jahren.

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