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Region Cham
Samstag, 18. November 2017 5

Geschichte

Als Bad Kötzting unter Wasser stand

Vor 15 Jahren wurde die Stadt von einer gewaltigen Flut getroffen. Absolute Sicherheit gibt es bis heute nicht.
Von Fred Wutz

Am 13. August 2002 stand das Wasser zum Zeitpunkt dieser Aufnahme einen halben Meter hoch auf dem Jahnplatz. Der Höchststand der Flut war hier allerdings noch einmal 30 Zentimeter mehr. Fotos: Archiv Kötztinger Umschau

Bad Kötzting.Die Flut kam am 12. und 13. August 2002. Mit gewaltigen Wassermassen setzte der Weiße Regen die Stadt Bad Kötzting in den tieferliegenden Bereichen unter Wasser. Millionenschwere Schäden entstanden, unter anderem bedeutete dieses Hochwasser das Aus für das Hallenbad, welches in der Folge als AQACUR neu entstand. Hochwasser-Freilegung der Stadt, die um den Jahrtausendwechsel gebaut worden war, reichte nicht aus. Sie ist für ein 100-jähriges Hochwasser ausgelegt, doch was 2002 über die Stadt hereinbrach, tritt von der Wahrscheinlichkeit her etwa alle 300 Jahre auf.

„Von den Hochwasserschutzbauten her hat sich seither im Grunde nichts verändert“, äußerte Dr. Klaus Amberger – er ist beim Wasserwirtschaftsamt Regensburg für den Landkreis Cham zuständig – gegenüber unserem Medienhaus. „Der Staat trifft Vorsorge für das 100-jährige Hochwasser, den totalen Schutz gibt es nicht.“

Pegel-System perfektioniert

Einsätze gab es beim Hochwasser des Jahres 2002 für die Feuerwehren der Stadt und des Umlandes enorm viele. Bilanziert wurde eine Zahl von 704 Einsatzstellen. 1700 Aktive leisteten 21 000 Stunden. 26 000 Sandsäcke wurden gefüllt und ausgebracht. Fotos: Archiv Kötztinger Umschau

Laut Amberger wurden seit 2002 die Anlagen des Hochwasserschutzes unterhalten. „Wir haben in der Hauptsache immer den Weißen Regen entschlammt. Auch der Bewuchs an der Uferstrecke wurde weitestgehend entfernt. So kann der Fluss möglichst frei fließen. Und wir haben im letzten Jahr die Flutmulde in der Nähe des Fußballplatzes bearbeitet. Dort wurden 40 bis 50 Zentimeter Auflandungen entfernt, damit dort nötigenfalls Hochwasser Platz findet.“

Als wichtigste Verbesserung der Situation seit 2002 sieht Amberger aber die Perfektionierung eines Pegel-und Messsystems, das einige Zeit in Sachen Vorwarnung schafft. Drei Stunden braucht nach Angaben des Wasserwirtschaftlers ein Hochwasser (etwa nach einem Starkregen) von Lohberg bis Bad Kötzting, etwa zwei weitere Stunden bis Chamerau. „Die totale Überraschung wird es nicht mehr geben“, meint Amberger und verweist auf einen weiteren Vorteil für die Bewohner der Region: „Die Informationen sind öffentlich zugänglich, jeder kann die Wasserstände und die Entwicklung im Internet einsehen.“

Zerstörungen gab es vor allem in den Gebäuden, die in tieferen Bereichen der Stadt liegen. Das Hochwasser war nicht aufzuhalten, drang in Wohnungen und Geschäftsräume ein. Das Bild zeigt die demolierte Einrichtung in der Gaststätte „Goggolori“ am Spitalplatz. Fotos: Archiv Kötztinger Umschau

Begonnen hatte die Katastrophe des Jahres 2002 an einem Montagmorgen. An diesem 12. August und vor allem am nächsten Tag versank die Stadt Bad Kötzting buchstäblich in den Wassermassen, die der Weiße Regen heranführte. Mehrere Faktoren spielten damals zusammen, dass es zu diesem 300-jährigen Hochwasser kam. Da waren zunächst starke Regenfälle, die am 6. und 7. August 2002 niedergingen. Dies führte zu einer Sättigung der Böden, die dazu führten, dass fast kein Wasser mehr in den Untergrund absickern konnte. Speziell an den Tagen der Überschwemmung regnete sich ein Tiefdruckgebiet im Arbergebiet ab –und diese Wassermassen kamen dann im Weißen Regen auf die Stadt zu.

Unpassierbar waren weite Teile der Stadt durch die gewaltigen Fluten, die der Weiße Regen innerhalb einiger Stunden brachte. Dieses Archiv-Bild am Spitalplatz ist symptomatisch. In vielen Fällen gab es nur noch per Boot ein Durchkommen für die Helfer. Fotos: Archiv Kötztinger Umschau

Die ersten Einsätze hatten die Feuerwehren in Bad Kötzting am Urtlbach in der Nähe des Schinderbuckels zu absolvieren. Es gab vor allem mit Wasser vollgelaufene Keller. Schon bald wurden Sandsäcke gefüllt, um mit ihnen Schutzwälle gegen herauslaufendes Wasser zu formieren. Die Feuerwehrleute wurden von Beschäftigten der Stadt, von Soldaten des (damals noch bestehenden ) Fernmeldesektor F und von Privatpersonen unterstützt. Wasserrettungseinheiten standen in Bereitschaft.

Etwa 4,3 Millionen Euro Schaden

Das Hochwasser entwickelte sich rasant. Am 13. August, nach Mitternacht, zwischen 1 und 2 Uhr, erreichte die Flut ihren Höhepunkt. Wie hoch die das Wasser anstieg, ist unklar. Die exakten Pegelstände waren nicht mehr messbar, erst in den nächsten Jahren wurden die entsprechenden Anlagen erweitert, um so hohe Wasserstände erfassen zu können.

Gewaltig war die Kraft des Hochwassers, das entlang des Flusslaufes alles mitriss, was nicht niet- und nagelfest war. Speziell im Stadtbereich wurden aus überfluteten Gebäuden, Höfen und Straßenzügen zahlreiche lose Gegenstände weggeschwemmt. Fotos: Archiv Kötztinger Umschau

Im Lauf des 13. August sank das Wasser langsam. Dann erst wurden die Schäden sichtbar, die einige Zeit später in Summe auf 4,3 Millionen Euro beziffert wurden. Die unmittelbaren Aufräumarbeiten dauerten noch zwei Tage an: Keller mussten ausgepumpt, ausgelaufenes Öl aufgesaugt und Plätze gesäubert werden. Dazu kamen die Reinigung der Gebäude und Außenbereiche. Nicht nur das Wasserwirtschaftsamt zog in der Folge Konsequenzen (in Form der akribischen Unterhaltungsarbeit am Hochwasserschutz und der Perfektionierung der Pegel-Anlagen) aus der Katastrophe. Bei den Feuerwehren wurden Tauchpumpen und Wassersauger angeschafft. Auch eine Sandsack-Füllmaschine wurde gekauft, um – auch schon bei kleineren Überflutungen! – schnell und effektiv Hilfe leisten zu können.

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