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Region Cham
Montag, 27. April 2015 22° 6

Wirtschaft

Azubis werden dringend gesucht

Rekordausstellerbeteiligung an der Azubi-Live: Nicht die Azubis suchen Lehrstellen, sondern die Firmen Azubis.

Eine Beschäftigte der Firma pdRoding erkärt den Schülern ein Werkstück.

Cham. Vor zwölf Jahren hat alles mit fünf Ausstellern angefangen, mittlerweile sind es 90 Aussteller, die sich in der Turnhalle und der Aula der Johann-Brunner-Mittelschule drängen. Walter Hamperl, der die Messe von Beginn an für die Wirtschaftsförderung des Landkreis betreut, sagt: Der neue Ausstellerrekord habe auch mit dem neuen Wettbewerb auf den Ausbildungsmarkt zu tun. Nicht mehr die Schüler kämpfen um einen Ausbildungsplatz, sondern der Firmen um Auszubildende. Die Azubi-Live sei vom „Bewerbermarkt zum Angebotsmarkt geworden“.

Sportlicher Wettbewerb

Die Firmenvertreter an den 90 Messeständen sehen das ähnlich. Mit zu den ersten, die sich an der Messe beteiligt haben, zählt die Sparkasse im Landkreis Cham. Personalentwicklerin Sabine Pritzl betont, dass die Sparkasse immer noch eine „gute Auswahl bei den Bewerbern habe“, aber man „nicht stehen bleiben dürfte“. Bei der Firma Lidl sollte man sich eigentlich keine Sorge um den Nachwuchs machen müssen, so dicht stehen am Stand die Schülergruppen. Vielleicht liegt es auch daran, dass es nach dem Gespräch mit Ausbildungsleiter Thomas Höcker eine Tüte mit Give-aways gibt. Höcker stellt fest, dass sich mehr Schüler für den Einzelhandel interessiert. Der Markt aber sei umkämpft. 40 Azubis für den Raum zwischen Regensburg, Cham, Ingolstadt und Passau zu gewinnen sei sportlich. Erst zum zweiten Mal ist die Firma Goldsteig auf der Messe. Hauptgrund sei es, den Beruf Milchtechniker bekannt zu machen, sagt Richard Klaußner. Im Gegensatz zu den Laboranten gebe es hier zu wenig Bewerbungen. Weil der Ausbildungsmarkt aber umkämpfter geworden ist, sei die Azubi-Messe für Firmen im Landkreis Cham zu Pflichtveranstaltung geworden, ergänzt Goldsteig-Personaler Adrian Eibl.

Auch die offiziellen Redner auf der Eröffnungsveranstaltung gingen auf die neue Situation ein. So sagte Schulleiter Johann Pongratz, die Firmen könnten sich am Ende des Tages glücklich schätzen, einen seiner Schüler verpflichtet zu haben. 1400 Ausbildungsplätzen stünden 975 Bewerber gegenüber, stellte Landrat Franz Löffler dar. „Das ist das Thema, warum sich so viele Betriebe beteiligen“. Für ihn als Landrat sei es wichtig, dass jeder, der es wünsche im Landkreis einen Ausbildungsplatz finde. Die Azubi-Live sei der Höhepunkt des Berufswahlprozesses, sagte Schulamtsleiter Josef Gruber.

Kein anders Bundesland gestalte den Übergang von Schule zu Beruf so gut wie Bayern, sagte Staatssekretär Markus Sackmann. Trotz dieser Tatsache und der Vollbeschäftigung im Jugendbereich gebe es in Bayern immer noch 24000 Jugendliche, die keinen Job fänden. Dieser Klientel gelte es sich jetzt anzunehmen. Am besten über regionale Förderinstitute.

Ein Sonderthema schnitt Landrat Löffler bei der Begrüßung der Gäste von der Berufsschule Domazlice an. Bei einen Besuch in Pilsen habe er gehört, dass der dortige Regionalpräsident es lieber habe, seine Leute fänden im Landkreis Cham Arbeit, als in Prag. So würden sie nämlich nicht abwandern. Derzeit liefen Versuche mehr Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Berufsausbildungssystemen in Tschechien und in Deutschland zu ermöglichen.

Bisher kein gemeinsamer Markt

Auf unsere Nachfrage erklärte die Schulleiterin der Berufsfachschule in Domazlice, Zdenka Bursikova, dass ihre Schule mit einem Messestand in Cham vertreten sei, um Kontakte zu anderen Schulen und zu Firmen zu knüpfen. Ihre Chamer Berufsschulkollegin Elisabeth Fäth-Marxreiter machte deutlich, dass es bislang keinen gemeinsamen Ausbildungsmarkt gebe. Die Duale Ausbildung gebe es anderswo in Europa kaum. Deswegen seien gemeinsame Projekte wichtig, um Durchlässigkeit zu schaffen.

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