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Region Cham
Samstag, 18. November 2017 5

Aktion

Barrierefreiheit nützt allen Menschen

Viele Gäste und Besucher informierten sich beim 2. Tag der Barrierefreiheit im Tagungszentrum in Furth im Wald.

  • Im Auftrag des Freistaats überreichte Irmgard Badura, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung (li.), das Signet „Bayern barrierefrei – Wir sind dabei“ an Andreas Bückert und einige seiner Mitstreiter im Arbeitskreis. Foto: fer
  • Schon frühzeitig inklusionsgerecht bauen empfehlen Christian Fleischmann von der Firma Schierer (rechts) in Zusammenarbeit mit Heidi Würz, Staatl. Gepr. Bautechnikerin und Energieeffizienz-Expertin (2.v.li.). Foto: (fer)
  • Fahrzeuge aller Art können heute für jede Form von Behinderung entsprechend umgebaut werden. Beim Tag der Barrierefreiheit im Further Tagungszentrum gab es viele Anregungen und Beispiele. Foto: (fer)
  • Am Stand der ArGe Bad Kötzting-Cham der Deutschen Rheumaliga konnten die Messebesucher spezielle Geräte für Patienten testen. Simulationshandschuhe zeigten die Einschränkungen für Rheumapatienten auf.Foto: (fer)
  • Der Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Hopp (li.) und Roland Böck, Geschäftsführer der Barmherzigen Brüder Reichenbach, auf einem Quad, das für eine größere Mobilität von Rollstuhlfahrern sorgt. Foto: (fer)
  • Tobias Ochsenmeier ist dank der Rampe der Firma Schierer der erste Rollstuhlfahrer auf der Bühne im ATT. Foto: (fer)

Furth im Wald.Innerhalb von zehn Jahren ist die Barrierefreiheit von einer kaum beachteten Gestaltungsaufgabe zu einem zentralen gesellschaftlichen Thema geworden. Der Landkreis Cham ist dabei mit dem vor drei Jahren gegründeten Arbeitskreis „Landkreis Cham Inklusiv“, in dem Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten, auf einem guten Weg.

Der große Erfolg des „1. Tages der Barrierefreiheit“ vor zwei Jahren in Weiding bewegte die Organisatoren, diese Veranstaltung künftig im zweijährigen Turnus zu wiederholen und am Samstag mit einer Vielzahl von Ausstellern den „2. Tag der Barrierefreiheit“ im Tagungszentrum ATT durchzuführen.

Der Landkreis Cham sei mit dem Projekt „Landkreis Cham Inklusiv und barrierefrei“ unter der Federführung der Offenen Behindertenarbeit der Barmherzigen Brüder Reichenbach auf einem guten Weg,“ lobte der Further Bürgermeister und stellvertretende Landrat Sandro Bauer dieses Engagement.

„Aktion Mensch“ mit im Boot

Sein persönlicher Dank galt allen, die sich haupt- oder ehrenamtlich in Sachen Inklusion einsetzen. Die Aktivitäten des Arbeitskreises für mehr Barrierefreiheit zur verbesserten Teilhabe von Menschen mit Handicap am gesellschaftlichen Leben haben auch die Verantwortlichen „Aktion Mensch“ überzeugt, die seit Februar 2017 beim Projekt „Landkreis Cham - Inklusiv und barrierefrei“ als Unterstützer mit im Boot ist. Ziel sei es, gemeinsam mit vielen Projektpartnern und -unterstützern Zukunftsideen für einen inklusiven und barrierefreien Landkreis Cham anzustoßen, zu entwickeln und umzusetzen.

Andreas Bückert, Leiter der Offenen Behindertenarbeit der Barmherzigen Brüder in Reichenbach und Michael Trautner, Projektverantwortlicher der OBA beim „Landkreis Cham – Inklusiv und barrierefrei“ begrüßten die Gäste und Aussteller. Ihr besonderer Gruß galt an diesem Tag der Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Irmgard Badura, der Kommunalen Behindertenbeauftragten des Landkreises Cham, Wera Müller, MdL Dr. Gerhard Hopp, Bürgermeister und Landratsstellvertreter Sandro Bauer, Geschäftsführer Roland Böck von den Barmherzigen Brüdern Reichenbach und allen haupt- und ehrenamtlich in der Inklusion Engagierten.

Für die Gehörlosen übersetzte die Gebärdensprachdolmetscherin Pia Helml simultan in die Gebärdensprache und für Hörbehinderte sorgte die Kontaktgruppe für Schwerhörige Cham und Umland mit ihrer vereinseigenen Induktionsanlage für ein gutes Verstehen des Gesprochenen.

Nachdem die Bühne im Tagungszentrum nur über Stufen betreten werden kann und ein Hubsteiger nicht mehr organisiert werden konnte, dankte Bückert den Firmeninhabern Ludwig und Bernhard Schierer und ihrem Vertriebsleiter Christian Fleischmann, dass sie es kurzfristig und kostenlos noch ermöglichten, die Bühne mit einer transportablen hölzernen Rampe für Rollstuhlfahrer erreichbar zu machen.

Im Interesse aller Menschen

Landratsstellvertreter Bauer wies darauf hin, dass eine barrierefrei zugängliche Umwelt für etwa zehn Prozent der Bevölkerung zwingend erforderlich und für 30 Prozent notwendig aber für 100 Prozent angenehm sei. Dennoch werde das Prinzip der Barrierefreiheit immer noch lediglich auf die Zielgruppe der behinderten Menschen bezogen. Das sei unverständlich, zumal deutschland- und europaweit Berichte und Gutachten immer wieder unterstreichen, dass die Herstellung von Barrierefreiheit im Interesse aller Menschen und nicht einer bestimmten Personengruppe mit besonderen Anforderungen erfolgt. Von Barrierefreiheit profitierten insbesondere auch Eltern mit Kinderwagen, ältere Menschen und Menschen mit vorübergehenden Behinderungen (zum Beispiel Gipsbein). Andersherum gesagt: Barrierefreiheit schadet niemandem, aber wenn sie fehlt, werden Menschen ausgeschlossen. Dem zu begegnen, dazu verpflichte auch die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK), die seit 26. März 2009 auch für Deutschland rechtsverbindlich ist.

Auf einem guten Weg

Roland Böck, der Geschäftsführer der Barmherzigen Brüder Reichenbach betonte, dass man in seinem Haus gerne die Offene Behindertenarbeit im Landkreis Cham unterstütze und begleite. Die Situation im ländlichen Raum unterscheide sich von der in den Städten in verschiedenen Bereichen. Dem gelte es, entsprechend Rechnung zu tragen.

Die Kommunale Behindertenbeauftragte des Landkreises Cham, Wera Müller, gratulierte dem Arbeitskreis für den Mut und das Engagement zur Organisation des Barrierefreiheitstages. Sie sieht den Landkreis hinsichtlich Behindertenfreundlichkeit auf einem guten Weg. Sie freue sich, dass Landrat Franz Löffler zugesagt habe, dass alles, was neu gebaut werde, möglichst barrierefrei sein solle.

Begegnung auf Augenhöhe

Irmgard Badura, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, wies darauf hin, dass Menschen mit Handicap auf Augenhöhe begegnet werden müsse. Sie seien nicht Objekt, sondern gleichberechtigte Partner. Entscheidungsträger müssten die Gesichtspunkte der Inklusion bei Projekten von Anfang an einbeziehen. Und das nicht über die Köpfe der Behinderten hinweg, sondern mit ihnen. Das sei ein ständiger Lernprozess, der mit Mut und Engagement umgesetzt werden muss.

Badura würdigte das überdurchschnittliche Engagement im Landkreis Cham in Sachen Inklusion. Sie freute sich, dass sie den Arbeitskreis für dieses Engagement im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung mit dem Signet „Bayern barrierefrei – Wir sind dabei“ auszeichnen konnte.

Über die Podiumsdiskussion „Barrierefreiheit und Dankmalschutz“ berichten wir in einer der nächsten Ausgaben. (fer)

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