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Region Cham
Freitag, 30. September 2016 21° 1

Bauern fürchten Genmais-Flächen

Minister Horst Seehofer spricht beim politischen Frühschoppen mit Gentechnik-Gegnern.

Konrad Griesbeck, Pflanzenbaubeauftragter des Amtes für Landwirtschaft und Forsten im Landkreis Cham, versichert: „Im ganzen Landkreis gibt es keinen Bauern, der Mais mit genmanipuliertem Saatgut anbaut.“ Dennoch: Bei Bauern und Imkern geht die Angst um.

Am Sonntag haben sie vor Landwirtschaftsminister Horst Seehofer ihren Sorgen Ausdruck verliehen: „Gentechnik –Nein!“ Sie fordern ein Verbot von Genmais. „Unser Ziel ist eine gentechnikfreie Zone im Landkreis Cham“, sagt Sepp Riederer, ÖDP-Vorsitzender.

Erwin Bergbauer, Vorsitzender des Imkervereins Bad Kötzting, sieht die Existenz der Imker bedroht. „Wir können nicht steuern, wohin unsere Bienen fliegen.“ Zwar sieht das Gentechnikgesetz vor, dass die mit Genmais bebauten Felder 150 Meter zu konventionell bebauten und 300 Meter zu ökologisch bebauten Feldern Abstand halten müssen. Doch für die Imker spielt das keine Rolle: „Meine Bienen fliegen kilometerweit!“, sagt Bergbauer. Bei ihrer Suche nach Pollen könnten die Bienen auch Pollen von genmanipulierten Pflanzen „heimtragen“. Für den Imker erst ersichtlich, wenn er den Honig erntet – und für 300 Euro untersuchen lässt. Zu spät, sagt Bergbauer. Denn der Honig lasse sich nicht mehr verkaufen.

Barbara Rautenberg, Allgemeinärztin in Bad Kötzting, die die Aktion der Gentechnik-Gegner vom Sonntag organisiert hat, fürchtet um die Existenz der Bio-Bauern. Einmal in Umlauf gebracht, bahne sich das genmanipulierte Saatgut seinen Weg durch das Ökosystem. Gegen Wind, Vögel oder Kleintiere könne ein Sicherheits-Abstand nichts ausrichten. „Da werden Menschen für dumm verkauft“, urteilt die engagierte Ärztin über das Gentechnik-Gesetz. Nicht mal Bio-Landwirte könnten in der Folge noch garantieren, dass sie gentechnikfreie Produkte erzeugen.

Matthias Simstich, Förster im Ruhestand, war am Sonntag ebenfalls unter den Demonstranten. In einem Telefonat mit der Kötztinger Umschau erklärt er sehr bildhaft, weshalb er das Thema als wichtig ansieht:

„Der liebe Gott hat Pflanzen erfunden und lässt sie sich selbst entwickeln. Niemand weiß, wie sich die gekünstelten Gene auf die Pflanzen auswirken.“ Außer dem Schaden, den die Umwelt davon tragen könnte, sieht Simstich auch die Bauern bedroht: Beim Anbau von Genmais würden sie sich in eine folgenschwere Abhängigkeit begeben. Monsanto sei Monopolist auf dem Markt. Der Kauf von Saatgut, Spritz- und Düngemitteln müsse über diesen Anbieter laufen – und die Bauern würden somit ihre unabhängige Existenz aufgeben.

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