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Region Cham
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Gesundheit

Bei Depression ist Heilung in Sicht

Dr. Manfred Lütz stellte sein Buch in Roding vor. Seine Botschaft für Betroffene: Den Kranken kann geholfen werden.
Von Thomas Mühlbauer

  • Wer an einer Depression leidet, muss die Hoffnung nicht aufgeben. Es gibt Hilfe, damit im Leben bald auch wieder die Sonne scheint. Foto: dpa
  • Dr. Manfred Lütz (4. v. l.) war auf Einladung des Bündnisses gegen Depression um Vorsitzenden Dr. Matthias Dobmeier (2. v. l.) in Roding. Über die Krankheit informierten sich auch Landrat Löffler (3. v. l.) und Bürgermeister Reichold (r.). Zudem waren Prof. Berthold Langgut aus Regensburg (l.) und Dr. Peter Radlinger aus Cham (2. v. r) mit einer weiteren Ärztin (3. v. r) dabei. Foto: rtn

Roding. Depression, ein heikles Thema, das meist von Betroffenen in der breiten Bevölkerung verschwiegen wird, kam am Donnerstagabend im City Hotel zur Sprache. Das Bündnis gegen Depression mit Vorsitzendem Dr. Matthias Dobmeier aus Cham hatte den Arzt Dr. Manfred Lütz für einen Vortrag in der Stadthalle gewonnen. Vor rund 300 Besuchern stellte der Psychiater, Psychotherapeut, Theologe, Vatikanberater, Buchautor und (seit 1997) Leiter des Alexianer-Krankenhauses in Köln sein Buch vor. Es heißt „Irre! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen“. Lütz gab dabei die Gegebenheiten in seinem neuen Kabarettprogramm wieder. Am Ende spendete ihm sein Publikum reichlich Beifall.

Im Vorfeld hatte er im Beisein von Landrat Franz Löffler, Bürgermeister Franz Reichold, dem Chefarzt der Psychiatrie Cham, Dr. Peter Radlinger, und Prof. Dr. Berthold Langguth vom Bezirksklinikum Regensburg über die „Krankheit“ Depression gesprochen. Lütz hat deutlich aufgezeigt, dass er sich vonseiten der „großen“ Politik mehr Unterstützung wünschte.

Versorgungsqualität verbessert

Dr. Dobmeier sagte, dass man das Bündnis gegen Depression in Cham vor 15 Jahren im Zuge eines Modellversuches ins Leben gerufen habe. Dadurch konnte auch die Qualität der Versorgung deutlich verbessert werden. Cham war einst das erste Bündnis, sei mittlerweile das, welches am längsten besteht. Dobmeier brachte einen Zeitungsartikel von der Gründung mit und stellte fest: „Das schlimmste an den Artikeln ist, dass man sieht, wie man vor 15 Jahren ausgesehen hat.“ Landrat Löffler sagte: „Ich bin froh darüber, dass man vor 15 Jahren diesen Schritt gegangen ist.“ An Dr. Lütz gerichtet, informierte er darüber, dass die psychischen Betroffenheiten im Landkreis mittlerweile eine gewisse Akzeptanz in der Bevölkerung fänden. Das war früher nicht in diesem Maße der Fall. So gelte es heute mehr denn je, diese Krankheit in die Mitte der Gesellschaft zu transportieren. Gerade im Landkreis sei man dazu auf einem guten Wege, zu dem auch das Bündnis einen erheblichen Beitrag leiste. Genauso wichtig sei es, dass die Betroffenen ihre Scheu ablegen und sich dafür öffnen. Daher war man vonseiten des Bezirkes und Landkreises auch bestrebt, die Tagesklinik im Landkreis zu schaffen, so könnten die Betroffenen nun auch in im Krankenhaus Cham behandelt werden und müssten nicht, wie früher, den weiten Weg nach Regensburg antreten. „Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie leben.“ Die Vernetzung, die in den letzten Jahren geschaffen worden ist, sei hervorragend und soll auch noch weiter ausgebaut werden. Reichold zeigte sich überzeugt, dass man die Krankheit Depression am besten behandeln könne, wenn man den Leuten die Angst davor nimmt. Das Bündnis gegen Depression sei ein sehr wichtiger Faktor.

Dr. Manfred Lütz, der in Köln eine große Psychiatrie leitet, betonte auch die Wichtigkeit der psychiatrischen Abteilungen an den allgemeinen Krankenhäusern. Es gebe nichts Besseres für die Betroffenen, als wenn sie heimatnah behandelt werden können. Ein Drittel der deutschen Bevölkerung werde oder war in seinem Leben bereits einmal psychisch krank. So gelte es, Tag für Tag, die breite Bevölkerung über dieses wichtige Thema zu informieren und auch zu vermitteln: „Depression ist eine Krankheit, aber sie ist heilbar“.

Umso schlimmer findet es Lütz, dass so wenige die Krankheit ernst nehmen. Sein neues Buch bezeichnete Lütz daher als Einführung in die Psychiatrie. Auch gelte es vonseiten der Ärzte und Menschen klar zu unterscheiden, sei jemand nur traurig, weil etwas schlimmes vorgefallen ist, oder sei jemand wirklich psychisch krank. Derzeit gebe es doch in vielen Krankenhäusern lange Wartezeiten auf einen stationären Therapieplatz, hier müsse man, so Dr. Lütz, vonseiten der Politik viel mehr tun. Doch stellten auch Dr. Dobmeier, Prof. Langguth und Dr. Radlinger heraus: „Wenn jemand akut betroffen ist und schnell Hilfe braucht, der bekommt unmittelbar einen Termin und Platz, sei es in Cham oder anderswo.“ Dobmeier: „Das ist dasselbe, wenn jemand einen Herzinfarkt hat, den lässt man ja auch nicht drei Wochen warten.“

Im Durchschnitt circa drei Wochen

Eins sei auch klar feststellbar, so Dr. Lütz: Die psychischen Krankheiten hätten in Deutschland keinesfalls zugenommen. Und es sei auch nicht so, dass Betroffene, die sich stationär behandeln lassen müssen, für ewig „eingesperrt“ sind, wie es oft nach außen transportiert werde. Die durchschnittliche Behandlungsdauer in Deutschland dauere circa drei Wochen. Allerdings: „Es muss aber nicht die Heilung für immer bedeuten, denn es ist ähnlich wie ein Schnupfen, den kann man auch öfter bekommen.“ So gelte hier auch wieder, mehr denn je: „Dann kommt man wieder und lässt sich behandeln.“

Dr. Dobmeier ließ wissen: „Besonders in Cham läuft es sehr gut, da die Vernetzung von Allgemeinärzten zu den Spezialisten gut vorhanden ist und so auch die schnelle Weiterleitung gut funktioniert, auch dadurch bedingt, dass man alles unter einem Dach vorfindet.“

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