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Region Cham
Montag, 18. Dezember 2017 1

Vortrag

Bei der Vorsorge-Vollmacht spielt die Zeit eine große Rolle

Notar Kurt Kling erklärte, wie es richtig geht, und dass es entscheidend ist, den eigenen Willen rechtzeitig deutlich zu machen.

Eschlkam.Jeder möchte über das, was er sich geschaffen und erarbeitet hat, nach seinen eigenen Vorstellungen verfügen. Dazu gehört auch die testamentarische Regelung des Nachlasses. Aber was ist mit dem eigenen Leben? Wer bestimmt, wenn man selbst nicht mehr in der Lage dazu sein sollte, wie und wo man nach einem Unfall, bei Krankheit oder im Alter medizinisch behandelt oder gepflegt wird?

Wer verwaltet das Vermögen, erledigt Bankgeschäfte und entscheidet für einen, wie man es selbst tun würde? Das geschieht nur, wenn man seinen eigenen Willen rechtzeitig in einer Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung kundtut – oder in einer Patientenverfügung. Der Vortrag der katholischen Erwachsenenbildung, des Frauenbundes und des Pfarrgemeinderat stieß darum auf großes Interesse. Elfriede Stoiber konnte über 40 Zuhörer begrüßen.

Was sind die häufigsten Probleme?

Notar Kurt Kling erklärte die Problematiken, zunächst an der Betreuungsverfügung. Viele Menschen glaubten, die müsse erst im Alter verfasst werden. Doch das sei eine „total falsche Meinung“. Man könne und solle das bereits in jungen Jahren regeln. Oft herrsche die Meinung, dass im Falle von Unfall oder Krankheit die nahen Angehörigen einspringen könnten, doch dem sei nicht so – den nächsten Angehörigen seien die Hände gebunden. Deshalb sollte jeder eine Betreuungsverfügung haben. Wenn weder die noch eine rechtswirksame Vorsorgevollmacht vorlägen, schreibe das Gesetz im Bedarfsfall die gerichtliche Bestellung eines Betreuers vor, den das Gericht auswählt. Die Person des eigenen Vertrauens könne nur bestimmt werden, wenn die in einer Betreuungsverfügung genannt werde. Wenn keine wichtigen Gründe gegen diese Person sprächen, halte sich das Gericht an diesen Vorschlag.

Außerdem könne jeder in dieser Betreuungsverfügung seine Wünsche definieren, wie die Betreuung aussehen solle. Auch daran müsse sich der Betreuer grundsätzlich halten. Auf jeden Fall werde dieser Betreuer, anders als bei der Vorsorgevollmacht, vom Gericht kontrolliert und brauche für einige Rechtsgeschäfte dessen Zustimmung. Die Betreuungsverfügung empfehle sich dann, wenn man niemanden habe, den man eine Vorsorgevollmacht anvertrauen könne.

Besser sei die Vorsorgevollmacht. Notar Kling schilderte einige Beispiele: So habe ein junger Mann einen Motorradunfall gehabt, wodurch sein Gehirn geschädigt worden sei. Wenn keine Vorsorgevollmacht vorliege, könne niemand aus der Familie über ihn bestimmen. Es werde vom Betreuungsgericht ein gesetzlicher Betreuer eingesetzt.

Der Referent erzählte von einem weiteren Fall, in dem ein Geschäftsmann einen so schweren Schlaganfall erlitten habe, dass er selbst nichts mehr regeln könne. Auch hier seien den Angehörigen die Hände gebunden. Wenn keine Betreuungsverfügung oder Vorsorgevollmacht vorliege, laufe alles über das Betreuungsgericht.

Betreuer übernimmt das Geschäft

Dann werde ein amtlicher Betreuer eingesetzt, damit „der Betrieb weitergeführt werden“ könne. Wenn der Geschäftsmann etwa bis zu seinem Lebensende nicht mehr selbst entscheiden könne, bleibe das bis zu seinem Tode so. Ähnlich sei es, wenn Grundbesitz vorhanden sei. Dann gehe ohne gerichtliche Betreuung – wenn eben keine Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung vorliege – nichts, nicht einmal die Ehefrau oder die Kinder könnten etwas unternehmen.

Dabei könne eine Betreuungsverfügung oder eine Vorsorgevollmacht ohne großen Aufwand erstellt werden. Bei Grundbesitz sei das anders, da müsse man einen Notar einschalten. Grundsätzlich könne bei einem Ehepaar der Mann oder die Frau als Betreuer bestellt werden, bei einem Elternteil der Sohn oder Tochter, oder eine Person des Vertrauens. Denn absolutes Vertrauen sei die Voraussetzung. Wenn ein Mensch niemanden habe, dann könne er sich auch einen ehrenamtlichen Betreuer aussuchen. (kbi)

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