mz_logo

Region Cham
Sonntag, 17. Dezember 2017 9

Identifikation

CHA ist Gemeinden näher als KÖZ


Von Stefan Weber

Im Landkreis Cham wird es – wohl ab dem Sommer – wieder möglich sein, sich die Kennzeichen ans Auto zu schrauben, wie es sie vor der Gebietsreform 1972 gegeben hat. Damit folgt Landrat Franz Löffler einem Vorschlag, der bereits seit 2011 in Bayern diskutiert wurde. In der früheren Kreisstadt Bad Kötzting haben sich die Mitglieder des Stadtrates – wie auch in Roding und Waldmünchen – bereits für die Wiedereinführung des ehemaligen Kennzeichens KÖZ ausgesprochen. Doch wie ist bei diesem Thema eigentlich die Stimmung in den Gemeinden rund um die frühere Kreisstadt, im Lamer- oder im Hohenbogenwinkel?

Frage nach Notwendigkeit

Lams Bürgermeister Klaus Bergbauer erklärt: „Wenn ich mich mit den Leuten darüber unterhalte, bekomme ich meistens als Antwort: ,Haben wir wirklich sonst keine anderen Probleme?‘“ Sicher, der „eine oder andere“ werde die Möglichkeit sicher nutzen, schon aus „nostalgischen Gründen“ – aus der Sicht des Lamer Bürgermeisters steht die Neuregelung aber im Gegensatz zur Entwicklung der Jahre 1972 bis 1978 im Lamer Winkel, als die Nachbargemeinde Lohberg – die eine Periode lang zum Landkreis Regen gehörte – als letzter Ort in den Landkreis Cham eingegliedert wurde.

Zudem bleibe den Bewohnern der Märkte und Gemeinden rund um Bad Kötzting die Identifizierung mit ihrem Heimatort ja auch nach der Wiederzulassung der KÖZ-Kennzeichen verwehrt. Bergbauer greift darum schon seit Jahren auf eine andere Möglichkeit zurück, für die es keine neuen Kennzeichen braucht: „Ich habe schon lange hinter dem CHA- die Buchstabenkombination LA für Lam, das hat auch immer gereicht.“

Außerdem habe sich der große Landkreis Cham in den vergangenen vier Jahrzehnten mit seinem wirtschaftlichen Aufschwung einen Namen unter dem Kürzel CHA gemacht – und zwar alle vier Altlandkreise zusammen, quasi als „Marke Cham“.

„CHA“merau fährt gut

Als jüngster Bürgermeister des Altlandkreises stellt Stefan Baumgartner für die Gemeinde Chamerau fest: „Die vor der Gebietsreform geborenen Chamerauer stehen dem KÖZ schon positiv gegenüber.“ Doch auch ihm gegenüber komme schnell die Frage: „Hat’s das wirklich gebraucht?“ Ja, auch er selbst könne sich noch gut daran erinnern, dass das alte Feuerwehrauto mit dem Kennzeichen KÖZ-207 noch lange angemeldet blieb. Doch nach 40 Jahren als ein Landkreis sagt er auch: „Ich werde nicht wechseln, wenn es so weit ist.“

Außerdem, zeigt sich das Gemeinde-Oberhaupt überzeugt, fahre Chamerau sehr gut mit dem CHA: „Ich wurde schon gefragt, ob das für Chamerau steht“, meint Baumgarnter etwas scherzhaft. Mehr als mit dem Kennzeichen fühle sich da schon eine größere Anzahl der Bürger mit dem Regierungsbezirk Niederbayern verbunden, zu dem der Altlandkreis gehörte – doch überwiege nach all der Zeit die Dankbarkeit für die Strukturen, die durch den Bezirk Oberpfalz in den vergangenen vier Jahrzehnten geschaffen wurden.

Den Chamerauer Bürgermeister stört in der ganzen Diskussion viel mehr – wie auch viele seiner Amtskollegen – dass „der Schwarze Peter“ an die Landkreise weitergeschoben wurde. Dass die Landkreise nun selbst entscheiden müssen, ob sie die alten Kennzeichen wieder zulassen, oder nicht, findet Baumgartner nicht gut. Er hätte sich eine einheitliche Lösung für ganz Deutschland gewünscht und nicht, dass diese Entscheidungen delegiert werden.

Im Hohenbogenwinkel findet Neukirchens Bürgermeister Sepp Berlinger klare Worte für in der Kennzeichen-Diskussion: „Ich habe mich bisher weder in der Bevölkerung zu diesem Thema umgehört, noch selbst geäußert“, sagt er. „Ist das denn wirklich wichtig?“

39 Kommunen, ein Kennzeichen

Nach der Entscheidung für die Wiedereinführung meint der einzige Bürgermeister der SPD im Landkreis Cham: „Verstehen kann ich den Landrat schon, dass er sich für die Wiedereinführung entschieden hat.“ Denn einfach sei die Entscheidung nie.

Allerdings verweist er auch darauf, dass die alten Kennzeichen längst überwundene Grenzen wieder aufbauen könnten. „Wenn alle zusammenarbeiten in einem Landkreis, dann sollte es auch nur ein Taferl geben“, meint der Bürgermeister von Neukirchen, „oder man hätte vor 40 Jahren gleich alles lassen können, wie es war“. Berlinger ist überzeugt: „Das Umland wird nicht wild auf die alten Kennzeichen sein.“ Sein Gedanke: „Vielleicht sind die Gemeinden in dieser Frage näher an der Gemeinsamkeit, als die alten Kreisstädte.“

Außerdem gebe es viele andere Themen, die wichtiger wären, als die Frage nach einem oder vier Autokennzeichen für ein und denselben Landkreis. Die bessere Straßenanbindung zum Beispiel. Das koste den Staat natürlich viel Geld, weiß der Kommunalpolitiker. „Das Ummelden und die Kennzeichen zahlen die Leute aber selber.“

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht