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Region Cham
Mittwoch, 17. Januar 2018 7

Geschichte

Das Archiv des Chamer Weihnachtswetters

Heinz Hager aus Cham hat seine täglichen Wetteraufzeichnungen aus 27 Jahren in 27 Taschenkalendern festgehalten.
Von Georg Fleischmann

Weihnachten als ein Traum in Weiß – der Wunsch vieler Menschen. Wann er in Erfüllung ging, und wann nicht, hat Heinz Haager in den vergangenen 27 Jahren akribisch aufgezeichnet. Foto: Archiv/Gillitzer

Cham.„Wissen Sie, was wir voriges Jahr an Weihnachten für ein Wetter hatten? Oder gar das Wetter von Weihnachten im Jahr 2000“? Wahrscheinlich nicht, muss auch nicht sein. Aber jemand weiß es: Der Michelsdorfer Heinz Hager. Er weiß nicht nur das Weihnachtswetter, sondern das Wetter von jedem Tag von bisher 27 Jahren.

Es war vor 27 Jahren an einem Stammtisch einer Chamer Gastwirtschaft. Da die üblichen Gespräche über die Politik an diesem Tag nicht besonders interessant waren, lenkte man den Gesprächsstoff auf das Wetter, an dem man immer etwas auszusetzen hat. An diesem Tag ging es um das Weihnachtswetter im vorhergehenden Jahr, über das man sich nicht einig wurde. Jeder dieser Stammgäste hielt seine Erinnerung für richtig, und jede Erinnerung war eine andere. Und so feilschten die Stammtischbrüder lange hin und her und beendeten dann schließlich das Thema ungelöst.

Idee entstand am Stammtisch

Einen Tisch weiter saß damals noch ein Gast und verfolgte diese Szenerie sehr aufmerksam. Er machte sich Gedanken darüber, wie überflüssig doch solche Meinungsverschiedenheiten wären, wenn nur jemand Wetteraufzeichnungen gemacht hätte. Damit würden sich solche Fragen anstandslos beantworten lassen. Die Gedanken ließen ihm keine Ruhe mehr und er nahm sie mit nach Hause.

Heinz Hager bei seiner Arbeit. 27 verbrauchte Taschenkalender mit Wetteraufzeichnungen von 27 Jahren liegen neben ihm.Foto: Fleischmann

Nach einiger Zeit stand sein Entschluss fest, dass er dieser „Jemand“ sein werde, der von nun an das tägliche Wetter aufzeichnet, um dies, falls einmal notwendig, zweifelsfrei belegen zu können. Noch ganz unerfahren auf dem unberechenbaren Gebiet ging Heinz Hager, damals noch nicht in Michelsdorf wohnhaft, an die Arbeit, und begann mit seinen Aufzeichnungen. Diese waren von Anfang an höchst einfach. Er besorgte sich einen kleinen, normalen Taschenkalender in der Größe neun mal 15 Zentimeter und einen Bleistift und begann am 23. November 1989 mit seiner ersten Wetteraufzeichnung.

Der erste Eintrag war noch etwas zögerlich und hieß: Nachmittags erster Schneefall. Mit dem Eintrag zwei Tage später gab es schon einen starken Schneefall. Es kam Weihnachten. Und mit dem Weihnachtswetter nahm es Heinz Hager immer besonders genau. Er war nämlich so nebenbei auch Skilehrer an einer Chamer Skischule. Am 23. Dezember gab es nachts Schneefall, dann Regen, es wurde warm. Für den Heiligabend genügte der Eintrag „warm“ und am ersten Weihnachtsfeiertag desselben Jahres wurde es kälter. In die Kalenderspalte des 2. Weihnachtsfeiertages schrieb Heinz Hager das Wort „Ostwind“.

Chancen auf weiße Weihnachten 2017

  • Wetterprognosen

    Aktuelle Wetterprognosen sagen auch für den Bayerwald in den nächsten Tagen steigende Temperaturen voraus.

  • Cham

    So werden etwa an Heilgabend in Cham drei bis sechs Grad Celsius und etwas Regen erwartet.

  • Arber

    Auf dem Großen Arber dagegen werden an den Tagen bis Heiligabend bei frostigen Temperaturen noch Schneefälle erwartet. Wer weiße Weihnachten erleben will, muss also wohl an den Feiertagen hoch hinaus.

1999: 0 Grad, leichter Schneefall

Als wir Heinz Hager zuhause besuchen, hat er alle Kalender dieser 27 Jahre auf seinem Schreibtisch liegen und gewährte vollen Einblick in die vielen Seiten dieser Jahre. Die Seiten sind klein und die Zeilen eng, somit musste er auch deutlich schreiben. Wahllos suchten wir den Heiligabend 1999 heraus. Über diesen Tag heißt es: 0 Grad und leichter Schneefall. Oder der Heiligabend 2009: Tags teilweise sonnig und plus vier Grad, steht in den Aufzeichnungen von Heinz Hager darüber geschrieben. Und an Heiligabend 2015 war es nach Hagers Taschenkalendern sonnig und bei plus zwölf Grad auch so richtig warm. Besondere Bemerkungen und Beobachtungen in der Natur hat Hager immer an den Rändern der kleinen Blätter notiert. Hier finden wir das Wort „Störche“ öfters.

Und was macht Heinz Hager mit seinen Wetteraufzeichnungen, wenn er mal nicht Zuhause oder in Urlaub ist? Überhaupt kein Problem, meint er lächelnd. Über das Internet besorgt er sich das Chamer Wetter und macht seine Eintragungen. Somit ist jeder Tag im Jahr wettermäßig festgehalten. Auch der Kalender für 2018 liegt schon auf dem Tisch. Den besorgt jedes Jahr seine Frau, die dadurch auch an den Hobbyfreuden ihres Mannes teilnehmen darf.

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