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Region Cham
Samstag, 18. November 2017 5

Jubiläum

Das SFZ: 50 Jahre zum Wohle der Kinder

Das Sonderpädagogische Förderzentrum Bad Kötzting beging mit einem Festakt die Feierlichkeiten zur Gründung im Jahr 1967.
Von Stefan Weber

Zum Abschluss der Feierstunde erfreute die gesamte Schulfamilie noch mit dem Lied „SFZ – das sind wir“. Fotos: S. Weber

Bad Kötzting.Als Veronika Nerud, die Rektorin des Sonderpädagogischen Förderzentrums (SFZ), am Dienstagvormittag an das Rednerpult in der Aula der Schule tritt, ist es für sie an der Zeit, Dank zu sagen. Sie dankt allen, die dem SFZ in den vergangenen fünf Jahrzehnten, seit der Gründung 1967, zur Seite gestanden haben – seien es Kollegen, Politiker und vor allem die Eltern und Kinder. „Im Laufe von 50 Jahren haben knapp 1000 Schüler nach ihrer Schulzeit eine Ausbildung gemacht. Darauf sind wir stolz.“

Rektorin Veronika Nerud (r.) hielt die Festrede zur 50-Jahrfeier des Sonderpädagogischen Förderzentrums in Bad Kötzting. Fotos: S. Weber

Viele dieser Wegbegleiter sind an diesem Tag gekommen. Seien es die Rektoren der übrigen Bildungseinrichtungen am Bildungshügel, Kollgen der Schulämter, Sponsoren oder ihre beiden Vorgänger Ludwig Baumann und Franz Plötz – und natürlich die Kinder selbst. Die führten auch durch das Programm, von der Moderation bis hin zum Unterhaltungsprogramm. Über Gedichte, die von den ersten Tagen in der Holzapfelschule erzählten, bis hin zu Tanz- und Show-Einlagen reichte das Repertoire.

Das SFZ Bad Kötzting feiert 50. Jubiläum

Eine „bunte Gemeinschaft“

Bürgermeister Markus Hofmann als Hausherr unterstrich die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Sonderpädagogischen Förderzentrum. Er übergab ein Musikinstrument als Geschenk und das Versprechen, dass 2018 damit begonnen werden soll, weitere Räume zu schaffen. „Wir sind stolz auf euch“, versicherte er. Fotos: S. Weber

Es sei eine „bunte und vielfältige Gemeinschaft“ in den vergangenen 50 Jahren gewesen, die mit „Einsatz, Engagement, Wissen und Können“ dazu beigetragen habe, die Schüler zu unterstützen und zu fördern. „Dafür möchte ich allen meinen Respekt aussprechen.“ Als Sonderschule unter städtischer Trägerschaft über die Schule für Lernbehinderte, die Schule zur individuellen Lernförderung bis hin zum heutigen SFZ sei es ein weiter Weg gewesen.

Sonja Weinfurtner bedankte sich im Namen der Eltern: „Wir sind froh, dass es diese Schule gibt“, sagte sie. Für den „bestmöglichen Abschluss“ brauche es „motivierte Lehrer, und die sind die Stärke dieser Schule“, stellte sie fest. „Vielen Dank dafür im Namen aller Eltern“, sagte Sonja Weinfurtner. Fotos: S. Weber

„Früher begründeten wir in ausführlichen Gutachten, warum ein Kind nicht mehr aktiv am Unterricht in der Regelschule teilnehmen kann und sprachen Empfehlungen für den Besuch der Förderschule aus“, sagte sie. „Heute begründen wir in ebenfalls ausführlichen Gutachten, warum ein Kind berechtigt ist, die Leistung eines Förderzentrums in Anspruch zu nehmen.“ Das sei einer der entscheidenden Veränderungen, der sich auch in der Gesellschaft vollzogen habe.

Das Ziel sei immer, die Kinder entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten zu fördern und zu fordern, erklärte Veronika Nerud, „um sie gezielt auf ein möglichst selbstbestimmtes Leben in Familie, Gesellschaft und Beruf vorzubereiten“ – und das seit nunmehr 50 Jahren. Wobei sich die Anforderungen an Schüler und Lehrer natürlich weiter veränderten. Das zeigten die mit einer kurzen Aufführung selbst auf, als sie die Jahre 1967 und 2017 gegenüberstellten: Damals Schwimmen lernen im Regen, heute im AQACUR. 1967 Schreiben lernen mit Kreide auf der Tafel, heute zunehmend mehr an elektronischen Geräten.

Philipp Fleischmann als Schülersprecher nutzte die Gelegenheit, um auch seinen Mitschülern zu danken. Sie hatten sich schon im Vorfeld für die große Feier eingebracht – sei es durch das Anfertigen unzähliger „50er-Zahlen“, kunstvoll gestalteter Zaunlatten oder durch Gedicht-, Musik- und Tanzbeiträge zum Festtag. Fotos: S. Weber

Damit hatten die Schüler dann auch ein Thema ihrer Rektorin angesprochen, den digitalen Wandel. Der mache auch vor den Schülern des SFZ nicht halt, sagte sie. Aus der Vielfalt der Angebote und Möglichkeiten müssten die Lehrer herausfinden, „welche Inhalte für unsere Schüler unbedingt notwendig sind und wie wir sie damit vertraut machen“. Das funktioniere aber nicht über ein allgemeines Konzept, sondern über individuelle Lösungen. „Jeder Schüler wird in seinem Lernen da abgeholt, wo er gerade – unabhängig von Alter oder Jahrgangsstufe – steht und entsprechend seiner eigenen und Persönlichen Bedürfnisse intensiv gefördert und gestärkt.“ Dazu gehöre auch, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Stärken zu vermitteln. Darum zeigte sie sich überzeugt, dass auch in Zukunft im Spektrum der allgemeinbildenden Schulen eine Förderschule, die Kinder mit besonderem Bedarf „einen Ort bietet, an dem Achtsamkeit für besondere Bedürfnisse nichts Besonderes darstellt“, gebraucht werde. Neruds Wunsch für die kommenden 50 Jahre: „Dass die Förderschule als gleichwertige und notwendige Einrichtung Respekt erfährt und die Schüler in ihrer Bedeutung für die Gesellschaft anerkannt werden.“

Lob von Landrat und Bürgermeister

Schulrätin Christina Bergmann verwies auf den großen Wandel, der sich in 50 Jahren vollzogen habe. Von der „Sonderschule“ hin zu einer Schule, die nicht nur mit allen anderen Schulen der Stadt zusammenarbeite, sondern auch mit Betrieben in der Stadt. „Sie ist in der Gesellschaft angekommen“, sagte sie. Fotos: S. Weber

Von der Notwendigkeit auch in Zukunft zeigte sich Landrat Franz Löffler überzeugt. Während das Gebäude der Stadt gehört, ist der Landkreis der Aufwandsträger. „Wir brauchen die beste Einrichtung für jedes Kind“, zeigte sich Löffler überzeugt. Er selbst könne sich noch gut an die ersten Einrichtungen auch in seiner Heimatgemeinde Waldmünchen erinnern und die Vorbehalte, die es gegeben habe. Eine Schule für „Behinderte“ habe es damals geheißen. Doch seien die Menschen der Schule damals nicht gerecht geworden. Heute sei das zum Glück anders, weil sich Gesellschaft, Eltern und Kinder geöffnet hätten. „Das SFZ Bad Kötzting ist eine glorreiche und segensreiche Einrichtung“, sagte er.

Bürgermeister Markus Hofmann zitierte die Worte von Stadtpfarrer Herbert Mader aus dem Festgottesdienst, der kurz zuvor gefeiert worden war. „Das ist auch eine Geburtstagsfeier für euch Kinder – denn würde es euch nicht geben, dann gäbe es auch diese Schule nicht.“ Hofmann versicherte, dass er selbst sich noch gut daran erinnern könne, wie er als Schüler an der Realschule Theateraufführungen am SFZ begleitet habe. Das habe auch ihn für die Zukunft geprägt. „Wir sind stolz auf euch“, bekräftige der Bürgermeister.

Eine Schule im Wandel der Zeit

Dass unter den Festgästen zum 50-jährigen Bestehen des Sonderpädagogischen Förderzentrums (SFZ) in Bad Kötzting am Dienstag auch ihre beiden Vorgänger waren, freute Rektorin Veronika Nerud ganz besonders. Baumann und Plötz war es darum vorbehalten, einen Blick in die Anfänge der Schule zu werfen.

Der ehemalige Rektor Ludwig Baumann Fotos: S. Weber

„Auf dem Wege zum Gleichsein, lasst keinen zurück“: Mit diesem Zitat aus der Kötztinger Umschau von vor über 50 Jahren eröffnete Ludwig Baumann, der erste Rektor der Schule in den Jahren 1968 bis 1998, seinen Vortrag. Rechtlich seien die Grundlagen im Landtag 1965 mit dem Sonderschulgesetz „auch auf dem flachen Land“ gelegt worden. Dass die Stadt Kötzting eine Sonderschule bekam, sei nicht selbstverständlich gewesen. Drei Gemeinden hätten sich im Altlandkreis damals dagegen ausgesprochen, sie fürchteten die Kosten. Als die Schule 1967 schließlich in den Räumen der ehemaligen Holzapfelschule (heutiges Parkhaus) eröffnet werden sollte, starb der vorgesehene Leiter Hugo Pokorny aus Lam zwei Tage vor Schulbeginn. Die Schule wurde dennoch eröffnet, Ludwig Baumann ein Jahr darauf ihr erster Rektor – und das für die kommenden 30 Jahre.

Anfangs nur zwei Klassen

Begonnen wurde mit zwei Klassen, für ein Lehrerzimmer sei kein Platz mehr gewesen. „Ein Schrank im Klassenzimmer musste dafür ausreichen“, erinnerte er sich. Allerdings habe sich die Sonderschule das Schicksal damals mit der Volksschule und dem Gymnasium geteilt, die ebenfalls in dem Gebäude untergebracht gewesen seien.

Noch bevor das fertige Gebäude am Schulhügel bezogen werden konnte, wurde klar, dass die geplanten sechs Klassenzimmer nicht ausreichen würden. Um wenigstens zwei weitere Zimmer zu bekommen, wurde auf das Büro des Chefs und auf die Bibliothek verzichtet. Als er selbst zudem zum Seminarlehrer an Schulen in ganz Niederbayern „befohlen“ worden sei, habe die Arbeitsbelastung für die Kollegen weiter zugenommen. Doch damals sei ein Zusammenhalt entstanden, „den es bis heute gibt“, sagte Baumann.

Zusammenarbeit durch Theater

Glück hatte die Förderschule dann einige Jahre später. Als es um die umfassende Sanierung der Flachdachgebäude auf dem Schulhügel ging, war die verhältnismäßig kleine Förderschule die erste, die saniert wurde. Im Zuge der Arbeiten wurde das Flachdach durch ein Satteldach ersetzt und das Gebäude um ein Stockwerk erweitert. 1991 konnte es bezogen werden.

Der ehemalige Rektor Franz Plötz blickte zurück. Fotos: S. Weber

Sein Nachfolger Franz Plötz, Rektor von 1998 bis 2004, nutzte die Gelegenheit und blickte vor allem auf das kulturelle Leben der Schule und die Zusammenarbeit mit den anderen Schulen auf dem Bad Kötztinger Bildungshügel zurück. Vor allem die Zeiten der vielen Theateraufführungen, zu denen Lehrer-Kollege Wilfried Prager ab Anfang der 1980er-Jahre die Texte geliefert habe, seien ihm in besonderer Erinnerung geblieben.

Gemeinsam mit seinen Musiklehrer-Kollegen Heinz Friedl von der Realschule und Elvira Frauendienst vom Gymnasium habe Prager diese Seite der Förderschule maßgeblich geprägt. Mit Stücken wie „Kalif Storch“, „Dornröschen“ oder dem „Gestiefelten Kater“ – wobei Prager den einzelnen Kindern die Rollen direkt auf den Leib zugeschrieben habe – sei eine Zusammenarbeit unter Schulen, Schülern und Lehrern entstanden, die vorbildlich sei. „Dabei waren zu den Stücken immer nicht nur alle Schüler, sondern auch die Lehrer und ihre Partner eingebunden“, erinnerte er. Das sei nur möglich gewesen, weil sich stets das gesamte Kollegium engagiert habe.

Das schauspielerische Talent haben die Schüler auch 50 Jahre nach der Eröffnung der Schule nicht verlernt, wie sie bei ihren Aufführungen während der Feierstunde unter Beweis stellten. Viel Applaus gab es dafür von den vielen Gästen. Das größte Lob kam von der aktuellen Rektorin Veronika Nerud selbst: „Ihr wart toll heute“, sagte sie zu den Kindern. Sie dankte auch der Jubiläumsgruppe im Kollegium – die namentlich nicht genannt werden wollte – für die Vorbereitungen im vergangenen Jahr. Mit Blick auf so viel Engagement zeigte sie sich überzeugt, dass auch weiterhin Tag für Tag alles für die Kinder eingesetzt werde.

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