mz_logo

Region Cham
Donnerstag, 23. November 2017 3

Reise

Das Tandem grüßt aus Thailand

Die vierköpfige Reiseradler-Familie hat eine nervenaufregende Tour hinter sich – ohne überhaupt auf dem Rad gesessen zu sein.

Glücklich angekommen sind Sybille und Max Fleischmann in Thailand. Der Weg bis dahin war lang, nicht nur im räumlichen Sinn... Fotos: cft

Oslo.„Michael and Maximilian Fleischmann, please come to the information desk now! Michael and Maximilian …“ – tönt es durch die Lautsprecher am Gate C4 des Flughafen Oslo, wo in zwanzig Minuten unser Flieger nach Bangkok starten soll.

Fleischmann?! Herrje, das sind ja wir! Wir werden ausgerufen! Aber warum?! Ein Blick auf die Uhr und die Bordkarten: Richtige Zeit, richtiger Ort. Kinder? Eins … zwei … – alle da. Unsere Pässe … sind hier. Das restliche Gepäck – Fahrräder, Fahrradanhänger, Campingausrüstung – müsste in diesen Minuten verladen werden, denn vor einer halben Stunde sind wir von Prag aus hier in Norwegen gelandet. Also, was wollen die von uns?

Sechs Stunden Sägen

Mit ihren zwei Kindern ist die Reiseradler-Familie jetzt komplett.

Unsere ohnehin schon ziemlich blank liegenden Nerven werden auf dem Weg zum Informationsschalter nochmal arg beansprucht. Was, wenn jetzt etwas schief gegangen ist und wir nicht fliegen können? All die Sorgen und Mühen der letzten Zeit ziehen im Schnelldurchlauf an uns vorbei. Es war ein hartes Stück Arbeit gewesen, diese Reise vorzubereiten und den Absprung punktgenau hinzukriegen – seit wir die Flugtickets gebucht hatten, standen wir kaum mehr still, um die Ausrüstung auf Vordermann zu bringen und unser Leben im Bayerwald aufzulösen. Und dann auch noch das: Bis letzte Woche hat Michael nicht einmal ein funktionsfähiges Fahrrad gehabt! Seine Sattelstütze saß im Rahmen fest und war abgerissen. Ein Problem, das Michael beinahe zur Verzweiflung gebracht hätte – da er lange nicht wusste, wie er es anpacken sollte. Schließlich probierte er die Methode, die am ehesten Erfolg versprach, wenngleich sie extrem mühsam war: Der Alurohr-Stumpen musste von innen per Hand herausgesägt werden. Er sägte und sägte – ich packte Kindersachen ein – er sägte – ich kochte – er sägte – ich brachte ihm Kaffee – Karl kam vorbei und sägte auch – Michael sägte … er sägte sechs Stunden lang! Und dann ertönte endlich das Geräusch, auf das ich die ganze Zeit gewartet hatte. „Yeaaaaaah!“, rief er aus voller Kehle, kam reingerannt und hielt mir die zersägten Überreste seiner Sattelstütze unter die Nase. Viel Zeit, um den Triumph auszukosten, blieb allerdings nicht.

Lesen Sie auch: Ein Zuhause für die Weltenbummler

Das hübsche Bauernhaus in Bärndorf, das uns in den letzten Monaten ein gemütliches – wenn auch manchmal kaltes – Zuhause gewesen war, musste noch ausgeräumt werden, wobei uns das nicht ganz gelang: „Dürfen wir den stehen lassen?“, fragte ich unseren Vermieter Karl bei einem letzten Rundgang und deutete auf den bestückten Wäscheständer von uns. „Bis wir wieder kommen, ist die Wäsche bestimmt trocken“, fügte ich schmunzelnd hinzu und konnte ihm ein Lachen entlocken – immerhin wollen wir über ein Jahr fortgehen.

Freud und Leid einer Radreise

  • Schluss mit den Sorgen:

    Endlich komplett: Nach einigen Turbulenzen sind die Fleischmanns samt ihren Fahrrädern wohlbehalten in Bangkok angekommen.

  • Die Hälfte ist geschafft:

    Ein Rad ist schon wieder fahrbereit, das andere noch in dem verhängnisvollen Karton. Maximilian überwacht den Arbeitsfortschritt genau.

  • Sechs Stunden Sägearbeit:

    Wenige Tage vor dem Start kämpfte Michael verzweifelt mit seiner abgerissenen Sattelstütze, die dann auch noch im Rahmen fest saß.

  • Ab nach Südthailand!

    Nicht nur Sybille ist zuversichtlich: Mit Baby Ludwig als zusätzlichem Familienmitglied reisen wir dahin, wo unsere Fahrradreise zuletzt aufgehört hat.

Was bleibt, ist der Wäscheständer

Das Fahrrad von Max Fleischmann musste lange repariert werden.

Zum Glück wird sich in dieser Zeit keiner an unserem Wäscheständer stören, da das Haus nicht mehr bewohnt wird (außer vielleicht von ein paar Zwiebeln, die Vermieterin Edith hier einzulagern pflegt). Und dann war es auch schon losgegangen: Irgendwie war uns wieder das Kunststück gelungen, all unsere Ausrüstung auf die beiden Fahrräder zu bekommen – und wie immer waren wir mächtig stolz, als wir uns in die Sättel schwangen und die ersten Meter fuhren: Hurra, sie rollen wieder! Unterwegs per Pedalkraft, bestückt nur mit dem Allernötigsten – aber diesmal begleitet von zwei Kindern statt nur einem.

Von Thailands Hauptstadt aus wollen wir dann mit dem Zug in den Süden des Landes – dorthin, wo wir zuletzt vor fünf Jahren mit den Fahrrädern umgekehrt sind. Hier soll unsere Radreise weitergehen!

Keine Räder in Scooter-Kartons

In Bankok wird wieder geradelt.

„Wie macht ihr das denn mit den Kindern im Flugzeug?“, wurden wir vorab oft gefragt. Dabei sind Maximilian und Ludwig noch das geringste Problem beim Flug – wirklich schwierig ist unser umfangreiches Gepäck. Für die Fahrräder hatten wir in Prag in einem Geschäft für Elektro-Roller Kartons gefunden, die wir für perfekt hielten, da sie schön groß und stabil waren. Dass genau diese Kartons uns aber in Oslo beinahe die Suppe versalzt hätten, konnten wir nicht ahnen. Als wir der Aufforderung aus den Lautsprechern folgten und am Info-Schalter auftauchten, begrüßten uns drei Mitarbeiter der Gepäckverladung mit verschränkten Armen. „Was ist in den Kartons?“, wollten sie wissen. – „Unsere Fahrräder und das Zelt“, antworteten wir wahrheitsgemäß. – „Elektroräder?“ – „Nein nein, ganz normale Fahrräder!“ „Und was ist dann das?“ Mit offenem Mund starrte ich auf ein Foto des Kartons auf dem stand: Gas and Electric Scooters.

Alle Beteuerungen halfen nichts; unter Androhung der Vernichtung unserer Fahrräder musste Michael mit aufs Rollfeld und die sorgfältig zugeklebten Kartons aufreißen, um zu beweisen, dass wir wirklich verrückt genug sind, um ganz ohne Gas- oder Elektro-Unterstützung durch die Weltgeschichte zu radeln. (cfi )

Hier noch eine Episode der Reiseradler: Endlich ein Dach über dem Kopf!

Weitere Nachrichten aus Cham und der Region lesen Sie hier.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht