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Region Cham
Sonntag, 17. Dezember 2017 9

Menschen

Der Chamer „Schwanenvater“ und die Liebe

Sepp Stauber und seine Hildegard – zwei Unzertrennliche: gemeinsam in der Schule, gemeinsam im Beruf, seit 1952 verheiratet.
Von Johannes Schiedermeier

Ein Bild, ausgegraben aus unserem Schwarzweiß-Archiv: Schwanenvater Sepp Stauber versorgt am Floßhafen 48 hungrige Schwäne. Repro: Schiedermeier

Cham.Am 14. Oktober 1952 hat der Sepp seine Hildegard nach fünf Jahren Verlobungszeit an den Traualtar der Stadtpfarrkirche St. Jakob geführt. Die Staubers heirateten alleine. Niemand sonst war dabei. „Ich hab ein ganz normales Sakko getragen“, erinnert sich der gelernte Möbelschreiner. Nun feiern die beiden ihre Eiserne Hochzeit – auch alleine. Nur Tochter Christa wird dabei sein. „Wir wollen das so“, sagt Stauber, als er das Bild in die Redaktion bringt. Die beiden haben es gemeinsam ausgesucht. Sie stehen am Fenster und schauen auf den vorbeiziehenden Volksfest-Festzug. Dabei hat sie ein Bekannter fotografiert.

Die beiden sind unzertrennlich. Seit ihrer Kindheit schon. „Wir sind gemeinsam in die Schule gegangen. Sie hat mir immer bei den Hausaufgaben geholfen. Sie hatte die guten Noten und ich die schlechten“, erzählt Stauber. In den Ferien gingen beide zum Hopfenzupfen in die Hallertau.

Dann musste Stauber zum Reichsarbeitsdienst und später an die Front. Er wurde im Westen von den Franzosen gefangen genommen und landete im Kriegsgefangenenlager in Janahof. Dort kam er am 20. Mai 1945 frei.

Er verlobte sich mit seiner Hildegard und verbrachte viele glückliche Tage in deren Elternhaus , dem Blauen Haus am Rindermarkt. Dann wurde geheiratet. Sieben Jahre später kam Tochter Christa zur Welt. Der gelernte Schreiner betrieb lange Jahre gemeinsam mit seiner Ehefrau das Möbelhaus Stauber in der Further Straße 7, das seine Familie 1872 gegründet hatte.

Hildegard und Sepp Stauber beobachten den Volksfestzug gemeinsam vom Fenster aus – ein Bild, das sie sich zu ihrer Eisernen Hochzeit selber ausgesucht haben. Repro: Schiedermeier

Natürlich haben wir auch in diesem Fall wieder die Frage aller Fragen gestellt: Was ist das Geheimnis einer so langen glücklichen Ehe? Stauber lacht und muss keinen Augenblick überlegen: „Dass die Ehefrau ganz viel Verständnis für den Ehemann hat!“ Denn gestritten wird bei den Staubers nur selten. „Wenn, dann war das meist im Fasching“, erinnert sich Stauber und hat ein geradezu spitzbübisches Grinsen auf, als er das Fragezeichen im Gesicht des Reporters sieht. „Naja, die Hildegard hat super und gerne getanzt. Ich nicht. Deswegen war sie beim ADAC die Ballkönigin und ich hab derweil am Tisch geschnapselt“, erinnert er sich.

Gemeinsam haben die beiden auch ihre Tierliebe. Neben dar Katze wohnt auch noch Gelbhauben-Kakadu Coco im Haus, der vor etlichen Jahren wegen einer aufsehenerregenden Flucht durchs Fenster in die Schlagzeilen geriet. Inzwischen lebt er seit 50 Jahren bei den Staubers. „Wenn ich nicht da bin, dann schreit er fürchterlich. Er geht mit mir ins Bad und wartet auf der Wanne und beim Fernsehen ist er auch mit dabei. Mit unserer Katze sitzt er oft gemeinsam im Zimmer. Die vertragen sich“, erzählt Stauber.

Der Sepp hat sich einen Namen gemacht bei den Chamern. Mit Stauber wissen die Jüngeren oft gar nichts anzufangen, aber wenn das Wort vom „Schwanenvater“ fällt, dann heißt es oft: „Ach, der!“ Denn bei einem Eisstoß hatte sich einst ein Schwan zwischen den Schollen gefangen und drohte, zerquetscht zu werden. Der Stauber Sepp lief kurzentschlossen nach Hause, zog Gummistiefel an und wagte sich auf das Eis. Er rettete den Schwan und versorgte ihn, bis er wieder fliegen konnte. Das war der Auftakt zu einer aufsehenerregenden fünfjährigen Karriere.

Das Geheimnis und das Gedicht

  • Das Verständnis:

    Auf die Frage nach dem Geheimnis einer so langen Ehe sagt Sepp Stauber schmunzeln: „Die Frau muss viel Verständnis für den Mann haben.“

  • Das Gedicht:

    Ein besonderes Anliegen war Sepp Stauber ein kleines Gedicht, das er abgedruckt haben wollte:

  • „Mal hoch, mal tief, mal Freud, mal Leid.

  • Für uns beide war es die schönste Zeit!“

„In einem Winter hatte ich 20 Schwäne im Keller zum Aufpäppeln. Das ganze Haus hat gestunken“, erinnert sich der Schwanenvater. Bis zu 1,5 Tonnen Brot hat er geschnitten, um die Tiere am Floßhafen über den Winter zu bringen. Die Tiere kannten seinen Jeep schon. „Oft kamen 200 auf mich zugeschwommen, wenn ich aus dem Auto stieg“, erzählt Stauber. Zum Glück verband ihn eine dicke Freundschaft mit dem damaligen Straubinger Tiergartendirektor Wiegand. Der nahm ihm immer wieder Schwäne ab.

Dann kamen die milden Winter. Einen Eisstoß hat es schon seit vielen Jahren nicht mehr gegeben und der Schwanenvater konnte seinen Job an den Nagel hängen.

Nun wird erst mal im kleinsten Kreise die Eiserne Hochzeit gefeiert. 2018 werden die beiden Staubers 90. So Gott will auch das wieder so gemeinsam wie sie all die Jahre zuvor alles geteilt haben. Das wünscht den beiden auch das Bayerwald-Echo“ und dazu die notwendige Gesundheit und Zufriedenheit.

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