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Region Cham
Montag, 25. September 2017 17° 4

Festspiel

Der Drachenstich war zu schnell vorbei

Furths Ritterpaar blickt auf die vergangenen Monate zurück und ist überzeugt: „Am wichtigsten ist, so zu sein, wie man ist.“
Von Stefan Weber

Mit einer gelungenen Premiere feierte das älteste deutsche Volksschauspiel am Freitag den Auftakt.

Furth im Wald.Jetzt ist nicht nur das Festspiel, sondern auch das Fest selbst vorbei. Das Ritterpaar Patricia Dums und Simon Fischer haben intensive Wochen und Monate hinter sich, als sie zum Gespräch mit unserem Medienhaus in die Redaktion kommen. Das ist anfangs schwierig, denn „in Worte fassen kann ich es nicht wirklich“, sagt die Ritterin. „Ich muss das alles erst noch richtig verarbeiten.“

Jeden Tag vor einer vollen Arena zu spielen, das sei jedes Mal „atemberaubend“ gewesen. „Erleben zu dürfen, dass jeder hinter dir steht – von Groß bis Klein –, dir Mut macht und hilft, dieser totale Zusammenhalt“, das ist das, was Patricia Dums besonders in Erinnerung bleiben wird. Ähnlich bei Simon Fischer. Einen seiner Schlüsselmomente hatte er am zweiten Sonntag beim Kinder-Drachenstich. „Ich hab hinter der Bühne auf die Kinder gewartet, und die haben mich fast zerfleischt“, sagt er und grinst. Jedes Kind wollte Ritter oder Ritterin sein, und das sei für ihn ein toller Moment gewesen, zu sehen, „dass der Nachwuchs schon bereitsteht“.

Zweifel? Fehlanzeige

Seit 16 Jahren spielt Simon Fischer im Drachenstich mit, und das will er auch weiterhin. Er bleibt ein Gefolgsmann des Sattelbogners – Sprechrolle in Zukunft nicht ausgeschlossen ... Foto: Benjamin Franz

Die beiden machen am zweiten Tag nach der letzten Aufführung einen völlig gelösten Eindruck. Sie sagen, dass das auch während der gesamten Vorbereitungs- und Spielzeit so gewesen sei. „Daran gedacht, dass es gar nix wird, hab ich nie“, sagt die Ritterin. Lediglich die letzte Probe in der Tennishalle, als auch alle Neuerungen des Jahres 2017 sitzen mussten, das sei aufregend gewesen. Dass die Ritterin in der aktuellen Fassung dem Chamerauer gegenüber aber weit weniger naiv erscheint als vorher, das habe ihr sehr gut gefallen. „Denn ich glaube, so bin ich nicht, und das hätte ich auch nicht spielen können.“. Wie sie sagt, sah das auch Regisseur Alexander Etzel-Ragusa so: „Wenn man eine Ritterin nur zweimal besetzen könnte ...“

Tag-Aufführung des Further Drachenstichs

Angst davor, daneben zu werfen? „Nein“, sagt Ritter Simon Fischer. Der Preis für diese Sicherheit – 150 bis 160 Reitstunden bei Reitlehrer Willi Späth. Foto: Benjamin Franz

Beim Ritter war es die erste Stichprobe, bei dem sich ein wenig Nervosität gemeldet habe – einfach, weil das vorher gar nicht geübt worden sei. Reitstunden hatte er seit Januar bei Willi Späth, der ja praktischerweise sein Nachbar ist. „Er wird schon gewusst haben, warum wir das vorher nicht üben mussten“, sagt Fischer und grinst. Eine gemeinsame Schrecksekunde hatten die beiden auch, als Simon Fischer gleich bei einer der ersten Aufführungen während des Drachenkampfes vom Pferd gefallen ist. Da habe er einfach „zu viel Gas gegeben“, erklärt der Ritter – und plötzlich zog es dem Pferd die Hinterbeine weg. Passiert ist weder Pferd noch Reiter etwas (hier klopft die Ritterin auf die Tischplatte). Der Kampf ging zu Fuß weiter, und später wurde Fischer sogar gefragt, ob das nicht doch zum Stück gehöre. „Wenn nichts passiert ist, dann haben wir das mit Humor genommen“, sagt er.

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Eine der wichtigsten Szenen für Patricia Dums ist die mit den Engeln des Todes. „Die kann jeder in Furth mitsprechen“, sagt sie, „und daran wird eine Ritterin schon auch gemessen“. Foto: Benjamin Franz

Überhaupt sei das Motto, das sie sich selbst bei der Vorstellung im Frühjahr gegeben hatten, aufgegangen: „Spaß wollen wir haben, gemütlich soll’s sein.“ Natürlich seien es viele Termine schon im Vorfeld gewesen, und bei dem einen oder anderen hätten sie schon gedacht, „muss man da jetzt hin?“ – „Aber danach war jeder Termin für sich immer schön“, versichern beide. „Angenehmer Stress“, wie sie sagen. Die zwei, drei Wochen währende des Festspieles seien da gar nicht mehr aufgefallen. Das liege aber auch daran, wie es jeder für sich selbst gestalte, sind sie überzeugt. Das gelte auch für das Thema Finanzen. Keine fünfstellige Summe, sondern ein dreiwöchiger USA-Trip sei am Ende herausgekommen – zuzüglich der Unterstützung durch die Stadt. Bezahlbar, wie beide versichern.

Cizeks Blick auf den Further Drachenstich

Es kehrt wieder Normalität ein

Seit 16 Jahren (davon ein Jahr Pause) spielt Patricia Dums im Spiel mit. Sie wird wieder bei den Hussiten dabei sein – beritten, natürlich! Aber wenn mal eine Sprechrolle frei wird... Foto: Benjamin Franz

Wahrscheinlich ist es diese offene Einstellung, die dem Ritterpaar viel Sympathie eingebracht hat. „Obwohl, den Ruf hab ich in zwei Sekunden wahrscheinlich zerstört“, sagt Simon Fischer. Er spielt damit auf seinen Einritt bei der letzten Vorstellung mit der Fahne seines Lieblings-Fußball-Vereines Borussia Dortmund an. Das sei eine Idee seines Cousins und seines Onkels gewesen, die ihn zu Grundschulzeiten auf den Verein aufmerksam gemacht hätten. Darum sei ihm das ein Anliegen gewesen, auch wenn er dafür vom Drachen mit „Dauer-Blutlauf“ bedacht wurde. Im Gegenzug habe er dem Untier nicht einen einzigen Zahn ausgeschlagen, wofür es Lob von seiner Ritterin gibt: „Sonst hätten wir bei Zollner wieder die Ersatzteile bestellen müssen“, meint sie scherzhaft.

Fünf Wochen hat sich die Ritterin unbezahlt, drei Wochen der Ritter „ganz normal“ freigenommen. Patricia Dums genießt diese Woche noch ganz beim Training mit den Pferden, das sie nur eingeschränkt in den vergangenen Wochen absolvieren konnte. Simon Fischer hatte am Dienstag sein erstes Fußball-Training seit Januar. Es kehrt wieder Normalität ein, „und das ist auch gut so“, sagen beide.

Hört sich an wie abgeschlossen? Keineswegs. „Nach dem letzten Spiel ist der Drachenstich vorbei, es ist wie abgeschnitten“, sagt Patricia Dums sichtlich wehmütig und erntet Zustimmung von Simon Fischer.

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