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Montag, 22. Januar 2018 7

Trend

Der Gärtnermeister in Korksandale

Die Öko-Schlappe erobert die Metropolen von Paris bis New York. In Roding setzt Alfred Stuiber seit Jahren auf Birkenstock.
Von Bastian Schreiner

Birkenstock sind seit Jahren Alfred Stuibers Markenzeichen. Fotos: Schreiner

Roding.Rodings prominentester Birkenstock-Träger ist Gärtnermeister und Stadtrat Alfred Stuiber. „Sie sind bequem und man kann sehr schnell raus- und reinschlüpfen“, sagt er. Birkenstock sind zweifellos bequem – und populär wie nie. Statt High Heels tragen stilbewusste Großstädter vermehrt flache Korksandalen mit coolen Printmustern, knalligen Farben oder Schmucksteinchen. Für den Image-Wandel von der Ökolatsche zur Trendsandale haben auch Stars wie Heidi Klum oder Jessica Alba gesorgt, die den Schuhen mit eigenem Design modische Relevanz verpassten.

Schon als Kind hat Stuiber gerne Birkenstock getragen. Der große Vorteil liegt für ihn damals wie heute auf der Hand: „Man muss keine Schnürsenkel binden.“ Als erstes Modell hat Stuiber „Roma“ getragen. Inzwischen hat er sich auf „Milano“ eingeschossen. Ein Klassiker, sagt Bernhard Kleas vom gleichnamigen Rodinger Schuhgeschäft. Auch „Arizona“ und „Florida“ seien sehr beliebt bei den Kunden.

Lange Haltbarkeit

Apropos: Kunden, die sich für einen Birkenstock entscheiden, bleiben laut Kleas meistens bei der Marke. Grund dafür ist seiner Meinung nach die außerordentliche Qualität, die auch eine lange Haltbarkeit garantiert. Kleas hat die Produkte des traditionsreichen Familienunternehmens aus Rheinland-Pfalz seit den 70er-Jahren im Sortiment. „Früher war die Nachfrage noch größer, seit dem Internetzeitalter sind die Schuhe quasi überall erhältlich“, berichtet Kleas. Generell würden alle Generationen Birkenstock kaufen, Krankenschwestern seien zum Beispiel Stammkunden. Dazu zählt auch Alfred Stuiber, der viel Wert auf den Fersenriemen legt. Dadurch würden sich die Birkenstock auch zum Autofahren eignen.

Stuiber trägt seine Birkenstock zu jeder Jahreszeit. Im Sommer auch barfuß. „Im Winter sind die Sandalen auch nicht kälter als andere Schuhe“, behauptet er. Die Korksohle schütze gegen die Kälte von unten. Zwei paar Socken braucht er dann trotzdem, um sich einige Zeit bei Minusgraden am Christkindlmarkt zu halten.

Anatomisch geformtes Fußbett

Glosse

Freiheit für die Zehen

Fußpilz, Staubflusen, Schneematsch, Kiesel, Glasscherben und viele fremde Länder – zusammen haben wir schon „allerfuß“ er- und überlebt. Jenes Wohlgefühl...

In Roding ist der Gärtnermeister eher die Ausnahme, wenn es darum geht, die Birkenstock fernab der eigenen vier Wände „auszuführen“. Auch, und gerade weil man die Sandale bis vor kurzem nur mit Ökoaktivisten, Biolehrern oder Gesundheitsfreaks in Verbindung brachte. Alle anderen Freunde des anatomisch geformten Fußbetts benutzten sie nur im trauten Heim als Hausschuhe. Wie auf der Webseite zu erfahren ist, reichen die Wurzeln des Unternehmens bis ins Jahr 1774 zurück. Birkenstock gilt nicht nur als Erfinder des Fußbetts, der Global Player rühmt sich auch damit, die Bedeutung des Wortes geprägt zu haben. Mehr als 80 Prozent der Deutschen kennen den Namen des Schuhherstellers, der derzeit rund 3500 Mitarbeiter beschäftigt. Die in Deutschland produzierten Sandalen werden in circa 90 Ländern der Welt auf allen fünf Kontinenten verkauft. Der Hype kann aber auch Nachteile haben, wie man aktuell bei Amazon sieht. Trotz Lieferengpässen, die auch das Schuhgeschäft Kleas in Roding in den vergangenen zwei Jahren betroffen haben, wird man beim Onlinehändler immer fündig – erhält aber nur billige Kopien. Deshalb stellt Birkenstock die direkte Belieferung von Amazon in Europa zum 1. Januar 2018 ein.

Wiederholt seien auf der Plattform minderwertige Produktfälschungen angeboten worden. Bereits im Januar dieses Jahres habe der Schuhersteller die Belieferung von Amazon USA gestoppt.

Mindestens zwei Paar pro Jahr

Einige „ausgelatschte“ Paare hat Stuiber aufbewahrt. Foto: Schreiner

Dass sich Birkenstock seit Jahrzehnten auf die Grundidee der bequemen Gesundheitssandale konzentriert, hat sich ausgezahlt. Da sind sich Kleas und Stuiber einig. Die Entwicklung von den altmodischen Latschen zur modernen Sandale haben sie ebenso verfolgt wie die Karriere der Schuhe auf den Laufstegs der Metropolen. „Heidi Klum hat mit ihrem Design für Aufsehen gesorgt“, sagt Kleas. Ohnehin würden regelmäßig neue Modelle auf den Markt kommen. „Papillio“ ist feminin und bequem, „Gizeh“ zeitlos und formschön. „Boston“, „Rio“, „Sidney – die Liste ist endlos. „Die Klassiker kosten um die 60 Euro, bei den extravaganten Ausführungen wird es schnell dreistellig“, weiß Bernhard Kleas.

Alfred Stuiber bleibt bei „Milano“, der sportlich robusten Allzweckwaffe. Davon braucht er mindestens zwei neue Paare im Jahr. Einige „ausgelatschte“ Modelle hat er in einem Karton aufbewahrt. Egal, ob Stadtratssitzung, Geburtstagsfeier oder am Arbeitsplatz – Stuiber trifft man immer in Korksandalen an. Dazu passt auch diese Anekdote: „Bei meiner Hochzeit habe ich nur eine Stunde lang andere Schuhe getragen, danach habe ich sofort wieder gewechselt“, erzählt er. Nicht nur deshalb sind die Birkenstock mittlerweile zu seinem Markenzeichen geworden.

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