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Politik

Der Kampf um die besten Plätze

Mit dem Aufstellen der Plakate hat die heiße Wahlkampfphase im Landkreis Cham begonnen. Doch welche Regeln gibt es dafür?
Von Martin Hladik

Heiß begehrt bei den Parteien sind die Plätze an den Bundesstraßen (hier B85 bei Roding). Wer dort, wo aufstellen darf, bestimmt das Landratsamt in Cham und das Straßenbauamt in Regensburg. Fotos: Hladik

Cham.Die Plakatschlacht zur Bundestagswahl ist im Anrollen. Derzeit ist aber noch sehr zurückhaltend plakatiert. Auch wenn in unserer Onlineumfrage eine Mehrheit Wahlplakate für unnötig hält, die Kandidaten selbst, sehen das anders.

„Für uns sind Plakate wichtiger als für große Parteien“, sagt Marius J. Brey von den Linken. So könne eine Partei mit wenig Personal dennoch Präsenz zeigen. Eine Beschränkung des Plakatierens fände Frank Aumeier von den Freien Wählern prinzipiell gut, aber weil die „Konkurrenz auch nicht schläft“, plakatiert er ebenfalls.

Plakate sind Gesprächsthema

Marianne Schieder hält Wahlplakate weiterhin für notwendig, besonders um die eigenen Wähler zu motivieren. Fotos: Hladik

Für Tina Winklmann von den Grünen sind Plakate immer noch wichtig, um den ersten Anreiz zu schaffen, sich als Wähler mit einer Person oder einem Thema zu befassen. Winklmann: „Ich werde auf Plakate angesprochen.“ Für Marianne Schieder von der SPD ist die „Motivation der eigenen Leute“ ein besonders wichtiger Faktor bei der Plakatwerbung. Plakatiere man nach Ansicht der Unterstützer zu wenig, sorge das für Diskussionen. Dasselbe Phänomen beschreibt auch Karl Holmeier von der CSU, wenn er sagt, die Leute würden sonst fragen, „hat der das nicht mehr nötig“. Seiner Meinung nach ist die Plakatwerbung weiterhin wichtig, nur übertrieben dürfe nicht werden.

Alle Artikel zur Bundestagswahl im Wahlkreis Cham/Schwandorf finden Sie hier.

Karl Holmeier wirbt an dem Gebäude seines Büros mit einem großflächigen Transparent. Fotos: Hladik

Beinahe jede Gemeinde hat andere Regeln, wo und wie Plakate aushängt werden dürfen. Beispiele dafür können Sie im Infostück lesen. Bei den Parteien gibt es zwei Arten, darauf zu reagieren. Den einen repräsentiert die mitgliederstarke CSU. Karl Holmeier verlässt sich in beiden Landkreisen – Schwandorf und Cham bilden gemeinsam den Bundestagswahlkreis – auf seine Ortverbände. In zwei Versammlungen wurden die Plakate verteilt und jetzt kümmern sich die Ortsverbände um das Aufstellen. Die sind natürlich bestens über ihre lokalen Regeln informiert. Den anderen Organisationspol stellt die Linke dar. Brey berichtet, das seine Gruppe alle Gemeinden angeschrieben hat und mit GoogleMaps die Fakten zu jedem Ort hinterlegt hat, so könnten die Plakataufsteller übers Internet die Infos jederzeit abrufen. Alle andern Parteien bewegen sich irgendwo zwischen diesen beiden Polen.

Wahlplakate der FDP sind im Landkreis noch eine Seltenheit. Die Kandidatin wartet noch auf die Druckerei. Fotos: Hladik

Können die Kandidaten Einfluss auf die Gestaltung ihrer persönlichen Plakate nehmen? Auch hier gibt es zwei Pole. Die Parteilinie und die völlig freie Gestaltung. Bei den Freien Demokraten, so Ines Tegtmeier, könne sich der Kandidat im Prinzip frei entscheiden. Dennoch werden ihre Plakate, die derzeit „noch in Arbeit“ seien, sich an der Gestaltung bei der FDP ausrichten. Ein einheitliches Layout bei den Plakaten gibt es bei der SPD, berichtet Schieder. Wer das nicht will, müsse seine Plakate ohne Unterstützung der Partei finanzieren. Schieder nimmt’s gelassen: Die Werber könnten einem sicher stundenlang erklären, warum diesmal Weiß statt Rot wichtig sei, aber sie wolle sich „da nicht so reinsteigern“.

Gegen die Parteilinie entschieden

Marius Brey und Deniz Yücel (T-Shirt) in der gleichen Pose, das brachte <a target="_blank" id="d8953624e389" href="http://www.focus.de/politik/tiermotive-und-missglueckte-wortspiele-das-sind-die-verruecktesten-wahlplakate-der-deutschen-parteie_id_7483934.html" title="">eine Erwähnung bei Focus Online.</a> Fotos: Die Linke/Brey

Klar gegen die Parteilinie hat sich Aumeier entschieden. Er berichtet, dass eine Vorgabe der Freien Wähler der Begriff „die anständige Alternative“ gewesen sei. Ein Fischen bei der Wählerschaft der AfD sei für ihn aber ein No-Go. Optisch bleibe er aber auf Parteilinie. Auch Holmeier weicht leicht von den Parteivorschlägen ab. Er hat ein anderes Blau gewählt und die Farben der deutschen Flagge in den Schriftzug integriert. Stolz auf die Kreativität seines Teams ist der Linke Brey. Das sein Anti-Erdogan-Plakat ihn in derselben Pose wie Deniz Yücel zeigt, hat ihm sogar eine Erwähnung bei Focus Online eingebracht.

Zum Wahlkampfbudget äußerst sich Holmeier am klarsten. 30 bis 40000 Euro habe er zur Verfügung. Das Geld komme aus Spenden, vom Kreisverband und aus privaten Mitteln. Rund ein Drittel fließe in die Plakatkampagne. Ein fünfstelliges Budget steht auch Schieder zur Verfügung. Das Geld komme von SPD-Gliederungen und aus privaten Mitteln. Dreistellig sei ihr Budget für den Wahlkampf, sagt Tegtmeier. Ums Gesamtbudget der Kreis-FDP für den Wahlkampf kümmerten sich aber andere. Von einem vierstelligen Budget spricht Winklmann. Es handle sich ausschließlich um Mittel des Kreisverbandes der Grünen. Von der gleichen Größenordnung spricht auch Aumeier. Der Freie Wähler finanziert seinen Wahlkampf durch „Gönner“ und aus Eigenmitteln. Eine kleine vierstellige Summe hat Brey zur Verfügung. Die Quelle: „Meine Ersparnisse als studentische Hilfskraft!“

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