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Region Cham
Montag, 19. Februar 2018 4

Kirche

Der Lamberg soll 2018 zur Ruhe kommen

Wie geht‘s weiter auf dem Chamer Wallfahrtsberg? 2017 brachte in vielerlei Hinsicht Aufklärung – nun soll der Streit enden.
Von Christoph Klöckner

Weit strahlt die Wallfahrtskirche über den Wald ins Umland. Für den Landkreis war und ist der Ort ein wichtiger Glaubensanker. Leserfoto: Heunisch

Cham.Die Signale auf dem Lamberg stehen für ihn wieder auf „grün“. So sieht es Pfarrer Josef Schemmerer: „Wir wollen wieder Ruhe auf den Berg bringen!“ Nach Jahren des Streits ums Wirtshaus soll sich die Lage beruhigen. Deshalb stehe die Pfarrei nicht im Weg für Lösungen, etwa beim Bau einer Wasserleitung oder von behindertengerechten, öffentlichen Toiletten auf dem Wallfahrtsberg bei Chammünster, der ein wichtiger Landkreis-Anker im Volksglauben war und bis heute bei vielen auch noch ist. Es gebe mittlerweile ein „gutes Einvernehmen“ mit dem dort engagierten Verein.

Der Wallfahrtsunterstützungsverein – im Bild das Führungsteam mit Bürgermeisterin Bucher – ist der Verein, der die Wirtschaft renoviert hat und sie verpachtet. Er hat das Gebäude in Erbbesitz für 99 Jahre von der Kirchenstiftung Chammünster übernommen. Foto: T. Platzer

Dieser Wallfahrtsunterstützungsverein – die Institution im Landkreis bei der Wiederbelebung des Ausflugsziels – steht nach Aussagen des Vorsitzenden Erich Babl auch vor einem Jahr der Stabilisierung – und damit einer eher ruhigen Phase. Vor allem die Wiederverpachtung der Gastwirtschaft habe den Verein 2017 vor der drohenden Insolenz bewahrt, sagte Babl. Das Wirtshaus, das nun auch länger geöffnet habe, werde gut angenommen. Es gehe nun darum, die für die Sanierung aufgenommenen Kredite zurückzuzahlen.

Investitionen für die Zukunft?

Möglichkeiten für Neuinvestitionen wie etwa dem Bau der Wasserleitung gebe es derzeit nicht, betont Babl. Selbst mit den 100.000 Euro der Stadt werde das bei rund 250.000 Euro Gesamtkosten zu teuer für den Verein und seine 170 Mitglieder. Erst müsse der Darlehensrest von 20.000 Euro zurückgezahlt sein. Er warb auch für mehr Spenden und mehr Mitglieder, um das Engagement des Vereins auf dem Lamberg langfristig sichern zu können. Denn Kosten gebe es auch so – wie etwa die Brandschutzversicherung, den Erbpachtzins oder eben die Darlehensrückzahlungen. Für mehr Mitglieder für den Verein warb auch Chams Bürgermeisterin Karin Bucher. Die 100.000 Euro ständen jederzeit bereit, falls der Verein die Wasserleitung bauen wolle.

Die Wallfahrtskirche auf dem Lamberg ist auch heute noch immer Ziel von Wallfahrten. Der Lamberg stehe und falle mit dem Verein, sagt Erich Babl. Woran es mangele, sei eine größere finanzielle Unterstützung durch mehr Mitglieder oder Spenden, um ein Polster zu bilden. Foto: che

Pfarrer Schemmerer sagte, dass die Kirchenverwaltung sich anschließe, wenn gebaut werde. Doch entscheidend sei der Verein, denn der müsse nach den Besitzverhältnissen 70 Prozent der Kosten tragen – den Rest zahle die Kirchenstiftung. Das habe der Verein bisher wohl anders gesehen, so der Pfarrer. Zahlen sollte alles die Kirche, obwohl sich von den Besitzverhältnisse eben anderes ergebe. Dafür sei ihr immer der Schwarze Peter zugewiesen worden. Die Wohnung darüber sei im Besitz der Kirchenstiftung – dort wohne ein Vertreter des Gasthaus-Pächters. So habe es die Kirchenverwaltung auch gewollt – damit der Lamberg nicht unbeaufsichtigt sei. Er hoffe für 2018 auf Lösungen, etwa für Toiletten, die ins denkmalgeschützte Ensemble passen müssten und für die man auch mit dem Gastwirt verhandeln müsse. Die Kosten müssten dabei jedoch „überschaubar“ bleiben, so Schemmerer.

Dass nun die Gaststätte, die seit Oktober 2017 endlich wieder neu verpachtet ist – im Bild die neuen Pächter mit Erich Babl (li.) und Pfarrer Josef Schemmerer (re.) – auch abends geöffnet habe, sei sicher ein Pluspunkt, so Erich Babl vom Verein. Foto: chi

Über Jahre gab es Streit auf dem Berg, nachdem sich die damalige Kirchenverwaltung entschlossen hatte, das jahrelang leerstehende Gasthaus wiederzubeleben und dafür zu sanieren. Ziel war es, den Berg in seiner Bedeutung nicht ins Vergessen geraten zu lassen und auch den letzten Willen des ehemaligen Chammünsterer Pfarrers Franz Xaver Hebauer zu verwirklichen. Die kircheneigene Wirtshausimmobilie wurde saniert. Das passierte jedoch gegen den ausdrücklichen Willen der Diözese, die kein Geld für die Renovierung einer Gaststätte ausgeben wollte. Das brachte den Zwist auf den Wallfahrtsberg, auf dem es bis heute aus diesem Grund rumort. Es entstand der Wallfahrtsunterstützungsverein, der die Wirtschaft als Eigentümer von der Kirchenstiftung per Erbkaufvertrag übernahm. Das sei ein „Goldener Weg“ gewesen, den das Bistum den Verantwortlichen für die Sanierung angeboten habe, so Pfarrer Schemmerer. Er sei damals 2013 noch nicht in der Verantwortung in Chammünster gewesen, betonte er. Den Sanierern war vom Bistum eine Klage mit Regressforderung für Gelder, die vom Konto der Kirchenstiftung geflossen waren, angedroht worden.

Gericht gibt Erich Piendl recht

Derweil ist ein anderer Konflikt per Gerichtsurteil Mitte 2017 beendet worden, dessen Ausgang sich aber vor Ort noch nicht überall rumgesprochen hat. So ist jedenfalls der Eindruck von Erich Piendl. Er höre immer wieder anderslautende Gerüchte. Piendl war als Testamentsvollstrecker vom 2008 verstorbenen Pfarrer Franz Xaver Hebauer eingesetzt worden und hatte die Sanierung des Wirtshauses nach dessen Willen finanziell unterstützt.

Etwa 60.000 Euro standen dafür aus dem Erbe zur Verfügung. Die Diözese sah darin eine Unterschlagung von Geldern, die in ihren Augen der Kirchenstiftung gehörten und verklagte Piendl auf Rückzahlung. Wie jetzt Bistums-Sprecher Clemens Neck auf Nachfrage bestätigte, gab das Gericht Piendl in vollem Umfang Recht zu seinem Tun und wies die Klage des Bistums zurück. Das Urteil sei rechtskräftig, der Rechtsstreit beendet, Piendl habe gewonnen, so Neck. Erich Piendl hat demnach das Erbe Hebauers nach dessen Willen eingesetzt, indem er die Handwerkerrechnungen für die Instandsetzung des Wirtshauses übernahm. Geld aus dem Erbe sei jetzt keines mehr übrig, so Erich Piendl.

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