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Region Cham
Sonntag, 19. November 2017 11

Messe

Der Landkreis Cham lernt mit Pepper

Künstliche Intelligenz war das Thema des IT-Forums. Experten diskutierten die Chancen und Risiken der digitalen Revolution.
Von Hans Schmelber

Hubermedia-Chef Stefan Huber und Roboter-Verkäufer Tim Schuster mit dem mobilen Roboter Pepper, von dem weltweit bereits über 20 000 Exemplare als Berater in Geschäften und Empfangshallen im Einsatz sind. Fotos: Schmelber

Cham.„Sag hallo zu Pepper, dem fortschrittlichsten humanoiden Roboter“, hieß es am Donnerstag in der Aula des Technologie-Campus-Cham. Das kindergroße, rollende Maschinchen begrüßte und beeindruckte die Besucher mit seiner Kommunikation, Flexibilität, fließenden Bewegungen und, ja, fast einer Art Charme.

Parallelen von Pepper zur Veranstaltung waren dabei sicher gewünscht: „Das Chamer IT-Forum entwickelt sich langsam, aber sicher zur Marke“, stellte IHK-Vizepräsident Dr. Alois Plößl bei der Begrüßung fest. Das gefiel auch Landrat Franz Löffler. Der Landkreis befinde sich mitten im Digitalisierungsprozess, sagte er.

Serviceroboter „Pepper“ präsentiert sich in Cham

Mehr als 58Millionen Euro wurden bereits in den Breitbandausbau investiert. Unzufrieden zeigte sich Löffler über die Zahl und Größe der Löcher im Mobilfunk. „Der Ausbau muss intensiviert werden“, forderte er. Löffler verwies auf Unternehmensgründungen in den Bereichen Digitaler Tourismus, E-Production und E-Commerce. „Wir müssen bei der Digitalisierung aber auch die Gesellschaft mitnehmen“, sagte Löffler.

Was Pepper kann und was nicht

Dr. Alois Plößl freute sich als Gastgeber über eine Rekord-Resonanz: 140 Unternehmen haben Vertreter zum Chamer IT-Forum geschickt.

Pepper, der laut IHK-Geschäftsführer Richard Brunner, bereits in „Seppi“ umgetauft wurde, kann begrüßen, Empfehlungen aussprechen und seine Zuschauer in gewisser Weise auch unterhalten. Tim Schuster, Geschäftsführer von Humanizing Technologies, der deutschen Partnerfirma der Pepper-Hersteller aus Frankreich und Japan, veranschaulichte, was humanoide Robotik heute und in Zukunft im privaten Alltag und in Unternehmen wird leisten können. Der kleine Charmeur werkelt in mehr als 140 japanischen Stores der Herstellerfirma SoftBank, bei Renault in Frankreich bemühen sich 130 Pepper, Leben in die schwach frequentierten Autohäuser zu bekommen.

Tim Schuster (r.) verkauft den mobilen Roboter Pepper, von dem weltweit über 20 000 Exemplare durch Geschäfte und Empfangshallen wuseln.

Wie können Pepper & Co. die Automatisierung des Marketings vorantreiben? Welche Vorteile ergeben sich daraus für werbetreibende Unternehmen? Und was macht der Endverbraucher? Treffen Sprachassistenten wie Alexa von Amazon bald unsere Kaufentscheidungen – auf der Basis automatisierter Empfehlungen? Fest steht für Roboterverkäufer Schuster, dass künstliche Intelligenz die Kommunikationsbranche revolutionieren wird, die Logistikbranche, den Handel und das Gesundheitswesen. „Wir erwarten in den nächsten drei Jahren weitere gute und erfolgreiche Entwicklungen“, so Tim Schuster.

Die Podiumsdiskussion nannte als Herausforderung der digitalen Zukunft, Chancen und Mehrwert von Spielereien unterscheiden zu können.

Wo die Digitalisierung heute steht, sollte bei einer Podiumsdiskussion unter Moderation von Chams MZ-Redaktionsleiter Frank Betthausen eruiert werden. Helmut Hagner vom Kaufhaus Frey, Alfons Weiß vom Hotel Bayerwaldhof Liebenstein-Bad Kötzting, Thomas Ostfalk von doo.events Regensburg, Heiner Reitmeier von Sense4business-Waldmünchen und Stefan Huber von hubermedia in Lam diskutierten über die Frage: „Verschlafen wir die gerade die Chancen der digitalen Zukunft?“

Der Burglengenfelder Unternehmer Thomas Ostfalk, Inhaber einer Event- und DJ-Agentur, hat Software entworfen und entwickeln lassen, die ihm ermöglichen, seine 90-Stunden-Arbeitswoche zu reduzieren und mehr Zeit für seine Familie zu haben. „Ich baue seit Jahren auf und entwickle digital und mich ständig weiter“, sagte der 41-Jährige.

„Entscheider haben oft Angst vor Digitalisierung“, bemerkte der Unternehmensberater Heiner Reitmeier. „Deshalb müssen wir ihm helfen.“ Frey-Geschäftsführer Helmut Hagner berichtete von Problemen mit Warenwirtschaftssystemen und Schnittstellen, weil bei Handelspartnern unterschiedliche Systeme eingesetzt sind.

Steven Morell, Mitarbeiter von AX Semantics in Stuttgart, sagte, dass auch im Journalismus Maschinen mehr und mehr Menschen ersetzen.

Steven Morell, Mitarbeiter von AX Semantics in Stuttgart, hatte in seinem Vortrag am Vormittag davon gesprochen, dass auch im Journalismus Maschinen mehr und mehr Menschen ersetzen. Seit 2009 arbeitet AX Semantics daran, journalistische Texte automatisch zu generieren. Anhand von jeweils zwei Texten ließ Morell die Teilnehmer entscheiden, welcher Text vom Menschen und welcher vom Roboter geschrieben wurde.

Stärken stärken, Spielerei erkennen

Auf die Frage „Wie digital ist der Bayerwald?“ antwortete Stefan Huber in der Diskussionsrunde, dass jede Region ihre Spezialitäten hat. Als Beispiel nannte er das Geoinformationssystem (GIS). Mithilfe eines GIS sei es beispielsweise Katastrophenschutzbeauftragten möglich, Informationen für Evakuierungspläne zusammenzustellen. Marketingabteilungen können mit GIS herausfinden, in welchen Gebieten neue Kunden gewonnen werden können.

„Verschlafen wir gerade die Chancen der digitalen Zukunft?“: Heiner Reitmeier formulierte die Antwort als Gegenfrage: Wie offen und bereit sind wir für Veränderungen?“ Entscheidend sei, Spielereien von Chancen auf Mehrwert unterscheiden zu können. Sicher sei auch eins: „Alexa ist nicht mehr wegzudenken, genauso wie das Internet“. Und Landrat Franz Löffler versprach am Donnerstagvormittag Tim Schuster, ihm zwei Pepper abzukaufen. Für den Landkreis Cham – als charmante Marketingunterstützung.

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