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Montag, 11. Dezember 2017 3

MZ-Serie

Der Mord im Schuhgeschäft

Die großen Schlagzeilen Ostbayerns: Im Februar 1993 wurde Karl Perlinger aus Furth im Wald am helllichten Tag getötet. Ein Täter wurde nie gefunden.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

  • Die Leiche von Karl Perlinger wird aus dem Schuhgeschäft abtransportiert. Bis heute konnte die Kripo nicht klären, warum der 41-jährige Schuhhändler sterben musste.Foto: MZ-Archiv
  • Aufgrund von Zeugenaussagen wurden Phantombilder von zwei unbekannten Männern angefertigt. Foto: MZ-Archiv
  • Karl Perlinger führte in der Grenzstadt ein gutbürgerliches Leben. Er galt als bodenständig und fleißig. Foto: MZ-Archiv
  • Dieser Mann ist am Tattag 1993 gegen 9.30 Uhr aus dem Laden von Karl Perlinger gekommen. Foto: MZ-Archiv

Furth im Wald. „Zugreifen!“, steht auf dem Schild vor dem Schuhladen von Karl Perlinger. An jenem 8. Februar 1993, einem Montag, stöbert eine Frau gegen 9.30 Uhr in dieser Auslage mit reduzierten Winterstiefeln, als ihr ein junger Mann auffällt, der das Geschäft verlässt. An seinem halbhohen Winterstiefel ist ein Stück Fellbesatz abgerissen. Der Unbekannte überquert die Straße in der Nähe des Bahnhofs in Furth im Wald und dreht sich immer wieder nach der Frau um. Als sie weitergeht, verschwindet auch er. Eine seltsame Begegnung, der die Frau erst später Bedeutung beimisst. Als sie erfährt, dass der Inhaber des Schuhladens, der 41-jährige Karl Perlinger, umgebracht worden ist.

Bodenständig und fleißig

Der Perlinger Charly, wie der Schuhhändler genannt wurde, war ein ruhiger Mitbürger. Verheiratet, zwei Kinder. Bodenständig und fleißig. Das Geschäft hatte er von seinen Eltern übernommen. Alles lief gut. Zumindest deutete nichts darauf hin, dass der 41-Jährige Feinde hatte. Und erst recht nicht, dass jemand die Absicht hatte, ihn zu töten. An jenem 8. Februar 1993 erledigte Karl Perlinger wie üblich seine Geschäfte. Der Weg führt ihn zur Post, dann zur Bank. Gegen 9 Uhr schloss er seinen kleinen Laden an der belebten Bahnhofstraße auf. Als um 10.20 Uhr eine Kundin das Schuhgeschäft betrat, fand sie den Schuhhändler in einer Blutlache liegend. Tot. Die Ermittler stellten fest, dass Perlinger mit einem Messer oder einem anderen spitzen Gegenstand die Kehle durchgeschnitten wurde. Die Verletzung durch die riesige Wunde am Hals sowie die Stiche im Brustbereich hatten ihn so schwer verletzt, dass er verblutete. Neben der Leiche lagen ein Kinderturnschuh und ein Herrenstiefel, dazwischen verstreut ein paar Münzen: tschechische Kronen.

Bis heute konnte die Polizei nicht klären, warum der Oberpfälzer sterben musste. 50 Mark fehlten in der Kasse – aber ob es sich tatsächlich um einen Raubmord handelte? „Die Spuren vom Tatort haben uns nicht weitergeführt“, so Pressesprecher Albert Brück über den lange zurückliegenden Fall.

Unbekannter fragte Grenzbeamten

Es gibt Indizien, die den Verdacht der Ermittler erhärten, dass das Motiv für die Tat nicht in Furth im Wald, sondern in Tschechien zu finden ist. So fragte eine Woche nach dem Mord ein Unbekannter einen Zollbeamten am Grenzübergang Eschlkam, ob der Fall schon aufgeklärt sei. Als dieser verneinte, meinte der Unbekannte. „Dann sollte die Polizei mal bei den Krankenschwestern im Krankenhaus in Domazlice nachforschen, da wird sie bestimmt fündig.

In der beschaulichen Grenzstadt tauchte zwischenzeitlich auch das Gerücht auf, dass Karl Perlinger mit seinem auffälligen Mercedes 450 SLC zu einer Frau nach Domazlice gefahren sei. Sein Wagen sei mehrfach dort gesehen worden. Gerüchte, die die Polizei nicht verifizieren konnte. Zwei Jahre war Karl Perlinger schon tot, als zudem ein mysteriöser Brief bei der Polizei eintraf. Ohne Absender. Der Inhalt befasste sich mit der familiären Situation des Opfers. Doch die darin enthaltenen Behauptungen brachten die Polizei in ihren Ermittlungen auch nicht weiter.

Anhand von Zeugenaussagen erstellte die Polizei zwei Phantombilder. Der Mann, den die Zeugin um 9.30 Uhr aus dem Geschäft laufen sah, war damals Mitte 40, etwa 1,70 Meter groß und von kräfitger Statur. Eine weitere Zeugin sah in der Nähe des Tatortes einen schlacksigen jungen Mann, etwa 18 bis 25 Jahre alt, nur 1,65 Meter groß, schmächtig und auffallend bleich im Gesicht. Ihr fielen dunkle Spritzer in seinem Gesicht auf. Sie glaubte, dass es sich um Blut gehandelt haben könnte. Niemand erkannte die beiden Männer auf den Bildern.

Einen bislang letzten Versuch unternahm die Kripo im Jahr 2o10, als sie den Fall in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen xy“ noch einmal aufrollte. 35 Hinweise gingen ein. Für einen so lange zurückliegenden Fall ungewöhnlich viele, wie Polizeisprecher Michael Rebele sich damals freute.

Briefschreiber schweigt

Doch auch diesmal war keine heiße Spur dabei. „Der Hinweis auf das Krankenhaus in Domaslizce brachte letztlich keine Erkenntnisse“, so Pressesprecher Brück über den aktuellen Ermittlungsstand. „Der Unbekannte hat sich auch nach dem Aufruf bei Aktenzeichen xy nicht gemeldet.“ Auch der Absender des Briefes, der sich mit der familiären Situation von Karl Perlinger befasste, konnte trotz des Aufrufes bei Aktenzeichen xy nicht gefunden werden. „Letztlich sind wir nicht weitergekommen“, resümmiert Brück. Die Polizei, die in dem Fall nach wie vor eng mit der Tschechischen Republik über das „Gemeinsame Zentrum der deutsch-tschechischen Polizei- und Zollzusammenarbeit“ in Schwandorf zusammenarbeitet, will dennoch die Hoffnung nicht aufgeben, den oder die Mörder von Karl Perlinger auch 21 Jahre nach der Tat noch zu finden.

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