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Freitag, 15. Dezember 2017 11

Kultur

Die beste Werbung für ein herausragendes Buch

Bernhard Setzwein liest in Furth im Wald aus seinem Buch „Der böhmische Samurai“ und trifft genau den Nerv des Publikums der Grenzstadt.
Von Johann Reitmeier

Autor Bernhard Setzwein und Fotodokumentar Hans BeerFoto: cjr

Furth im Wald.Bernhard Setzwein einen „Geschichtenerzähler“ zu nennen (als Kompliment gemeint) stimmt zwar in vielerlei Hinsicht. Ein Aspekt dabei ist aber auch, dass er „große Geschichte“ auf den Punkt zu bringen weiß. So einmal mehr in seinem Roman „Der böhmische Samurai“, den er in einer Lesung am Freitag in Furth im Wald in Auszügen einem hingerissenen Publikum vorstellte.

Nachdem die erste Lesung – an originalen Schauplätzen der Handlung in der böhmischen Nachbarschaft nur einem recht begrenzten Personenkreis vorbehalten war, entschloss er sich, eine Einladung des Kulturvereins Bayerischer Wald und des Kulturamtes der Stadt Furth im Wald in den Georgssaal anzunehmen. Karin Stelzer, die Kulturamtsleiterin begrüßte dazu im stimmungsvollen Ambiente eine belesene Zuhörerschar, den Autor selbst, Hans Reitmeier als Vertreter des Kulturvereines und die Mitgestalter dieses Abends – das Gitarrenduo Josef und Thomas Fischer und Hans Beer, den regionalen Fotodokumentar und Böhmenkenner aus Waldmünchen, der einige historische, großformatige Aufnahmen des Schlosses Ronsberg zur „Illustration“ präsentierte. Im Landestormuseum gibt es ja eine informative Ausstellung über die Further Partnerstadt Bischofteinitz, und damit auch über die Familie der Grafen Coudenhove-Kalergi, um die sich die Handlung des Romanes „Der böhmische Samurai“ dreht.

Kurz zum Inhalt des Buches, in desen Vortext es heißt: „1896 kehrt Heinrich Graf Coudenhove-Kalergi mit seiner japanischen Ehefrau Mitsuko und den beiden Söhnen Richard und Johannes aus dem diplomatischen Dienst in Japan zurück. Jahre später findet sich Johannes in einem tschechischen Internierungslager wieder, durch die „Benes-Dekrete“ hat die Familie alles verloren – nur nicht ihre große Geschichte. Und so beginnt „Graf Hansi“ zu erzählen – von seiner kompromisslosen Art, sein Leben als spleeniger „böhmischer Landadeliger mit japanischen Wurzeln“ zu leben. Im Schicksal der Familie Coudenhove-Kalergi begegnen einander kosmopolitisches Denken und provinzieller Nationalismus, fernöstliche und mitteleuropäische Kultur, und die glamouröse Ära der Jahrhundertwende-Aristokratie trifft auf die neuen Zeiten von Technik und Fortschritt. Mit leichter Hand erzählt Bernhard Setzwein die Geschichte dieser ungewöhnlichen Familie an der Schwelle vom alten zum neuen Europa – kenntnisreich, lebendig und höchst unterhaltsam.“

Die Sprache Setzweins „fließt“, sie ist plakativ und wirkt sehr glaubhaft und eingängig. Durch die Erzählweise in mehreren Zeitebenen schafft der Autor es, den Lauf der Geschichte komprimiert und trotzdem präzise anhand zu beschreiben. Setzwein beherrscht die Kunst, in seinem Stil zu Wichtigem so hinzuführen, dass ein spannender flüssiger Erzählstrang den Leser gefangen hält. Ein kaum zu missender Effekt: Man würde dieses 450 Seiten starke Buch am liebsten auf einen Zug auslesen, und erst dann, nach einer gewissen Weile, sich Schlüsselszenen noch einmal vornehmen, um tiefer einzutauchen

Wie bei Setzwein gewohnt, baut er auf die historischen Fakten, die er sorgfältig und gründlich recherchiert. Daneben, was den Romancier ausmacht, vervollkommnet er die handelnden Figuren mit bewundernswerter Kreativität zu Menschen aus Fleisch und Blut und bringt sie uns in all der Skurrilität nahe. Er entwickelt dabei eine faszinierende Sprachgewalt, die mannigfache Bilder in den Köpfen der Leser entstehen lässt. Und so ganz nebenbei gibt er dem Leser eine Lehrstunde in europäischer Geschichte des 20. Jahrhunderts. Er erzählt über weite Strecken amüsant und mit leisem Humor.

Die Geschichte vom „Böhmischen Samurai“ ist vielfältig. Im Fall der Titelfigur reicht sie von der frühen Kindheit über die Jugendzeit und die versnobten Wiener Tage bis zur Internierung im schrecklichen Gefangenenlager Chrastavice und schließlich bis zu den letzten Jahren als Original in Regensburg, wo er Zuflucht gefunden hatte.

So eine Lesung kann naturgemäß das Buch nicht ersetzen. Auch wenn man als Zuhörer zutiefst bedauern mag, dieser wunderbar weichen und doch sonoren Sprechstimme von Setzwein nicht weiter lauschen zu können. Aber: Diese auszugsweise Lesung macht Lust aufs Schmökern. Schon deshalb, weil er geschickt einige Schlüsselszenen in diese gute Stunde spannenden Erlebens gepackt hat.

Bereits mehrfach bewährt hat sich das Zusammenwirken in Lesungen von Setzwein mit dem Gitarristenduo Josef Fischer und seinem Sohn Thomas. Ein paar Eigenkompositionen waren da ebenfalls zu finden: „Eine Japanerin im Böhmerwald“ hatte „Chef“ Josef mit liebenswertem Humor speziell für diesen Anlass komponiert: Seine „japanischen“ Harmonien auf das Böhmerwaldlied „Mir san vom Wold dahoam“ zauberten den Zuhörern ein feines Lächeln ins Gesicht. Die Bilder von Hans Beer erleichterten mit seiner Einführung dazu, sich die Umstände im Schloss Ronsperg vorstellen zu können. Etliche waren vom Gehörten so begeistert, dass sie ein oder gleich mehrere Ausgaben käuflich erwarben und signieren ließen.

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