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Geschichte

Die Grenzsteine der „Kaiserin“

Vor 300 Jahren wurde Maria Theresia geboren. Karlheinz Schröpfer weiß, was in Waldmünchen heute noch an sie erinnert.
Von Petra Schoplocher

Die Grenzsteine sind eines der Relikte, die auch heute noch in und um Waldmünchen an Maria Theresia erinnern. Karlheinz Schröpfer weiß durch seine Trenckforschung genau über die Regentin Bescheid. Foto: Schoplocher

Waldmünchen. Einen Moment muss Karlheinz Schröpfer überlegen. Dann sagt er sehr bestimmt auf die Frage, was ihn am meisten an Maria Theresia beeindruckt: „Ihre 16 Kinder und dass sie sich nie hat unterkriegen lassen“. In diesem Jahr war und ist die österreichische Kaiserin, die gar keine war, für den 69-jährigen Waldmünchener präsenter denn je: Am 13. Mai hatte sich ihr Geburtstag zum 300. Mal gejährt, der Vorsitzende des Museumsvereins hat das zum Anlass für einen Artikel im Heimatboten genommen. Nicht nur für diesen hat er sich wieder einmal tief in Archiv und Forschung begeben.

„Erst war der Trenck da“, stellt Schröpfer unmissverständlich die Hierarchie dar. Im Kriegsarchiv in Wien sei bei Nachforschungen die Person Maria Theresias erstmals aufgetaucht. „Und sie wurde wichtiger und wichtiger“, berichtet Schröpfer. Nicht nur für seine Trenck-Forschung, deren 40-jähriges Bestehen er ebenso 2017 feiern kann, sondern auch für die Geschichte Waldmünchens. „Was erinnert hier heute noch an Maria Theresia“, fragte sich Karlheinz Schröpfer – Und liefert gleich die Antworten.

Das Nepomuk-Denkmal. Foto: Archiv Schröpfer

Natürlich das Freilichtfestspiel, das seit 1950 jeden Sommer auf die Bühne gebracht wird. Das Nepomuk-Denkmal am Marktplatz, das 1769 von den Brüdern Frank als Dank für die weitgehende Schonung der Stadt durch die Panduren errichtet wurde. Bedeutsamer, weil immer noch ihre Funktion ausübend, sind viele historische Grenzsteine aus den Jahren 1764 bis 1766, die teils sehr gut erhalten sind.

Vier Jahrzehnte erforscht Karlheinz Schröpfer nun schon das Leben des Trenck. Entsprechend umfangreich ist nicht nur sein Wissen, sondern sind auch seine Insiderinformationen. „Da müsste man weiter ausholen“, sagt er ein ums andere Mal, als er etwa von der Verurteilung des Freiherrn nach dem Auftreten falscher, gekaufter Zeugen, berichtet. Trenck sei sich sicher gewesen, dass Maria Theresia nicht nur die Todesstrafe gegen ihn aufhebe, sondern ihm auch die Freiheit schenken würde. „Das hat sie nicht mehr im Kreuz gehabt“, analysiert der Heimatforscher, dass die Falschaussagen zu schwer wogen und auch der Hofkriegsrat ein Machtwort gesprochen hatte.

Eine Zeichnung und ein Gerücht

Wie nahe sich die beiden standen und ob die Motivation des Pandurenoberst zuerst der Krone oder der Frau galt, wagt Schröpfer nicht zu beurteilen. Allerdings war Franz von der Trenck oft ihn Wien und ihr „sicher treu ergeben“. Von einem angeblichen Treffen in einem kroatischen Weinkeller existiert neben einer Zeichnung das ein oder andere Gerücht. Kennengelernt haben dürften sich beide über die Schiene Gutsbesitzer-Regentin. Trencks Heimat Slawonien gehörte zu besagter Zeit zum Königreich Ungarn, das Maria Theresia regierte. „Die Trencks hatten das Kriegerische im Blut“, weiß er hingegen und verweist auf Vetter Friedrich, der 1794 enthauptet wurde. Der Schlüssel, um Franz von der Trencks Handeln zu verstehen, ist laut Schröpfer die Tatsache, dass er seine Familie verloren habe, wohl ziemlich einsam war und infolgedessen ein wenig nach dem Motto „Ich habe nichts zu verlieren“ agiert habe. Ehe er sich Maria Theresia angeboten hatte, stand er bereits in russischen Diensten – und wurde auch da schon zum Tode verurteilt, weiß der Kenner. Keine inhaltliche Auseinandersetzung mit den beiden ohne „die Sache in Cham 1742“. Auch da weiß Karlheinz Schröpfer wieder Bemerkenswertes. „Es freut mich, dass sich Trenck von Cham bemeistert hat“, schreibt Maria Theresia. „Das bedeutet, dass sie nur nach außen so geschockt getan hat“, schlussfolgert er.

Fakten zu Maria Theresia

  • Jubiläum:

    2017 jährt sich der Geburtstag von Maria Theresia, der späteren Königin von Ungarn und Böhmen, zum 300. Mal. Ihr Vater war Kaiser Karl VI., ihr Ehemann wurde 1745 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt, sie selbst führte fortan den Titel „Römische Kaiserin“.

  • Ahnen:

    Nachdem ihre Eltern keinen männlichen Nachfolger hatten, machte ihr Vater ihr durch eine Pragmatische Sanktion den Weg auf den Thron frei. Diese Aussicht machte ihre Heirat zu einem politischen Thema in ganz Europa. Letztlich wählte aber sie selbst Franz Stephan von Lothringen.

  • Familie:

    Maria Theresia und Franz Stephan, die eine tiefe Zuneigung verbunden haben soll, bekamen 16 Kinder. Unter ihnen die späteren Kaiser Joseph II. und Leopold II. und Marie Antoinette, die Frau von König Ludwig XVI. Nach dem Tod ihres Mannes trug Marie Theresia nur noch schwarz.

  • Trenck:

    Im österreichischen Erbfolgekrieg (1840-1748), in dem sich Maria Theresia mit Beginn ihrer Regentschaft behaupten musste. Franziskus von der Trenck erhielt 1740 von Maria Theresia die Erlaubnis, auf eigene Kosten ein Korps auszurüsten. Sie trafen sich immer wieder, meist in Wien. (ps)

Kathi hatte nur drei Schwestern

Dass sie landläufig als Kaiserin bezeichnet wird – im übrigen auch von Österreichern, obwohl sie nur Gattin des Kaisers war und sich nicht hat krönen lassen – stört den Waldmünchener nicht. „Ich weiß es ja“, sagt er. Wie auch manch andere Unstimmigkeit im Festspiel, das er aber deswegen nicht kritisiert. Den Toni, Bruder der Katharina Schwab, etwa habe es nie gegeben. „Sie hatte nur drei ältere Schwestern“, sagt er – gleichwohl wissend, dass sich die Szenen dramaturgisch gut machen. Gleiches gelte für die Verhaftung Trencks durch General Khevenhüller. Dieser starb bereits zwei Jahre zuvor, auch wurde der Freiherr in Wien und nicht Waldmünchen gefangen genommen.

In seinem umfangreichen Artikel für den Heimatboten geht es nicht nur um kriegerische Auseinandersetzungen, sondern auch um die Staatsreformen, die Maria Theresia angestoßen hat und ihre Person. Am Ende steht als Fazit „Der Mythos lebt weiter“. Karlheinz Schröpfer weiß viele Gründe, warum das so ist.

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