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Region Cham
Samstag, 17. Februar 2018 11

Abfall

Die Jäger der verlorenen Abfall-Schätze

Die Kreiswerke Cham wollen Bürger zu mehr Mülltrennung bewegen. Ein Weg ist Mülltonnenkontrolle – verbunden mit Bußgeldern.
Christoph Klöckner

Unterwegs im Landkreis: Übervolle Mülltonnen mit vielen Wertstoffen darin sind an vielen Ecken zu sehen. Foto: Kreiswerke

Cham. Warum fotografiert die Frau dort meine Mülltonne? – eine Frage, die sich mancher im Landkreis demnächst öfter stellen wird. Denn die Kreiswerke wollen 2018 wieder mehr Zeit darauf verwenden, den Restmüll in den schwarzen Tonnen unter die Lupe zu nehmen.

Denn der Restmüll ist immer öfter keiner, hat Heinrich Helmberger von den Kreiswerken festgestellt. „Es werden Dinge weggeworfen, die da nicht reingehören“, sagt er. Gewisse „Schätze“, wie Glas, Elektrogeräte oder Metalle, die noch verwertbar wären, aber jetzt die Tonne zum Überquellen bringen.

Auf Tonnenjagd

An diese Wertstoffe verstärkt heranzukommen, das ist Ziel einer neuen Offensive der Kreiswerke für 2018. Die Tonnenkontrolle durch eine Mitarbeiterin soll ausgeweitet werden. Dabei ist sie mit der Handykamera auf der Jagd nach den übervollen Tonnen mit den Reststoffschätzen darin. Hat sie welche ausgemacht, wird das per Foto dokumentiert, der Besitzer festgestellt und per Bußgeld verwarnt.

Denn eigentlich sind die Chamer Bürger verpflichtet, diverse Wertstoffe wie Glas, Metall oder auch Kunststoffe zu sammeln und bei den Wertstoffhöfen abzugeben, statt sie über den Restmüll zu entsorgen. Hier hat Helmberger als oberster Abfall-Fachmann des Landkreises zuletzt augenscheinlich mehr Verstöße festgestellt.

Ein anderes Problem wächst für Heinrich Helmberger bei der UWC heran: Tonnenweise lagern Plastikabfälle in den Hallen der UWC, da der Markt dafür mit Chinas Rückzug zusammengebrochen ist. Foto: ck

Jährlich verhängen die Kreiswerke bisher über den Kontrollweg etwa 2000 Euro Bußgelder, was bei einem Verwarnungsgeld von etwa 25 Euro 80 solcher Bußgeldbescheide entspricht. Wird die Kontrolle nun verstärkt, dürfte mehr Bußgeld zusammenkommen. Zwar gibt es nur eine Mitarbeiterin, sagt Helmberger, die hier auf „Streife“ geht, die zudem auch woanders eingesetzt wird, doch soll sie ab sofort ein gutes Drittel Mülltonnen fotografieren. Für Heinrich Helmberger ist bei manchem Bürger die Disziplin zurückgegangen: „Nach meinem Empfinden schert sich der Bürger nicht in der Masse darum, was in der Tonne landet!“. Ein Beweis dafür ist die seit einigen Jahren wieder steigende Zahl an Restmüll. Derzeit liege der Landkreis pro Einwohner und Jahr bei etwa 93 Kilogramm, die nach Schwandorf in die Verbrennungsanlage geschickt würden. Das sei zwar die geringste Menge im Gebiet des Zweckverbandes Müllverwertung, in dem vier Landkreises zusammengeschlossen sind, doch sei man schon unter 90 Kilogramm Restmüll gewesen. „Seit 2010 geht die Zahl wieder hoch!“, sagt Helmberger.

Wunschziel 80 Kilogramm

Seine Wunschzielmarke liege dabei bei 80 Kilogramm Restmüll. Es sei schon ein wichtiges Ziel, dass das Müllkraftwerk in Schwandorf keinen Restmüll mehr weiterfahren müsse in andere Verbrennungsanlagen, wie es derzeit noch geschehe. Etwa 30000 Tonnen müssten weitertransportiert werden, da die Maximalkapazität der Verbrennungsöfen mit 450000 Tonnen jährlich nicht reichen würde.

Marktlage und Gebührenschraube

  • Marktlage

    Die Marktlage für Wertstoffe sei schwieriger geworden, sagt Abfall-Experte Heinrich Helmberger. Alles, was derzeit gesammelt werde, bringe finanziell keinen oder nur so viel Ertrag, dass es ein Nullsummengeschäft sei. Nur bei Altpapier gebe es, dank eines guten Vertragsabschlusses des Landkreises, noch ein Plus.

  • Vermarktung

    Seit 2012 vermarktet der Landkreis seine Wertstoffe, die vor allem über die Wertstoffhöfe gesammelt werden, selbst. So konnten die Kreiswerke-Mitarbeiter Verluste reduzieren und eine Gebührenstabilität schaffen. Denn ein Minus in der Abfallwirtschaft muss über die Gebühren der Bürger abgedeckt werden.

  • Gebühr

    Über vier Jahre wird die Gebühr pro Haushalt kalkuliert. Helmberger setzt zwar weiter auf Stabilität, doch sei vieles fraglich, was früher sicherer war. Verschlechtere sich der Markt weiter, bleibe eine Gebührenerhöhung unvermeidlich – nach zuletzt dreimaliger Gebührensenkung. (ck)

Diese Menge könnte sich noch ausweiten, nachdem seit 1. Januar ein neues Problem entstanden ist: China will keinen Kunststoffmüll mehr aus der EU. 800 Tonnen Kunststoffabfall vor allem von Verpackungen und Styropor sammeln die Chamer davon jährlich. Derzeit lagern etwa 120 Tonnen in den Hallen der UWC, einem Unternehmen aus zwei privaten Abfallverwertern und dem Landkreis. „Die werden nicht abgeholt!“, kritisiert Helmberger. Der Landkreis sei dafür nicht zuständig – das sei Aufgabe der bundesweit dafür vorgesehenen Duale-System-Unternehmen, die dafür Geld von Verpackungsherstellern bekämen. Doch bislang bewegt sich keiner her, um die Tonnen an Kunststoff und Styropor wegzufahren.

Dieses wie auch der Abfallmarkt etwa mit Altkleidern, mit Konsumkunststoffen, Elektroschrott oder Metall seien schwierig geworden. Nur Altpapier bringe noch ein Plus in die Kasse – bei allem anderen lege man drauf.

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