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Region Cham
Sonntag, 17. Dezember 2017 9

Freizeit

Die Liebe zu den zwölf Tausendern

400 Wanderer nahmen am Sonntag an der von Bauunternehmer Ludwig Schierer seit 57 Jahren organisierten Tour teil.
Von Stefan Weber

Sonnenaufgang zwischen Kötztinger Hütte und Rauchröhren, der Lohn für den frühen Start von über 100 Teilnehmern an der Schierer-Wanderung – insgesamt nahmen etwa 400 Wanderer am Sonntag daran teil. Fotos: S. Weber

Bad Kötzting.Es hat in den vergangenen 57 Jahren, seit es die „Schierer-Wanderung“ gibt, schon alle möglichen Wetterkapriolen gegeben: Kälte, Regen, Schnee und Eis. Der dritte Oktober-Sonntag in diesem Jahr – traditioneller Termin für die Tour über die zwölf Tausender, zu der Bauunternehmer Ludwig Schierer einlädt – verspricht allerdings Kaiser-Wander-Wetter.

Für die „Eingefleischten“ geht es dabei von Reitenstein aus los. Dafür braucht es oft eine Stirnlampe, denn wer die rund 24 Kilometer bis zum Arber-Gipfel zeitig erreichen, dabei die Wanderung aber noch genießen will, der muss früh loslegen. Schon kurz vor 6 Uhr morgens treffen die ersten Fahrzeuge am Fuße des Kaitersbergs ein. Mit der ersten Etappe ist auch gleich einer der größten Höhenunterschiede zu überwinden: Aus etwa 450 Metern über dem Meeresspielgel steigt der Weg stetig auf 999 Meter an – dem Gipfel des Kreuzfelsens.

Nicht mehr unter den ersten 100

Manche gehen in Gruppen, alleine oder – wie mein Vater und ich – zu zweit. Jeder geht zu seiner Zeit, einen Massenstart gibt es nicht. Darum geht an diesem Tag im Prinzip dann doch jeder seine eigene Tour.

Auf dem Weg zur Kötztinger Hütte schiebt sich die Sonne immer weiter über die Baumwipfel. Bei der kurzen Pause im Gasthaus gegen 7.30 Uhr erzählt uns Hütten-Wirt Michael Silberbauer, dass wir „schon nicht mehr unter den ersten 100“ seien. Die Wetter-Aussichten versprechen eine starke Beteiligung. Im weiteren Verlauf, während es hinauf zu den Rauchröhren geht, bietet sich ein Sonnenaufgang von atemberaubender Schönheit und entschädigt für den frühen Aufbruch. Noch sind die Schierer-Wanderer unter sich, doch das ändert sich bald. Ab der Abzweigung hinunter zum Berggasthof Eck strömen ihnen die unzähligen Wanderer entgegen, die diesen wunderbaren Tag für eigene Touren nutzen. Wanderer, Jogger und Radfahrer werden den Teilnehmern an diesem Tag bis hinauf auf den Arber-Gipfel noch begegnen, wobei viele auch erst am Eck starten.

Dabei sind es nicht nur die vielen Kilometer Distanz oder die Höhenmeter, die bewältigt werden müssen, die diese Wanderung zu etwas ganz Besonderen machen. Es sind auch die vielen Gespräche, die während des Gehens oder bei den Pausen mit völlig Fremden geführt werden.

Begegnungen am Wegesrand

Da ist das Paar, das unsere Zweier-Gruppe gleich vier Mal an diesem Tag überholt, und mit dem wir letztlich gemeinsam das Ziel erreichen. Jeder macht individuell Pause, und so begegnet man sich immer wieder, aber eben nie allen Wanderern. Da ist auch die vierköpfige Gruppe junger Bad Kötztinger, auf die wir am Mühlriegel stoßen, gemeinsam einige Kilometer gehen und schließlich erst wieder zur Schluss-Rast auf dem Großen Arber treffen. Oder das Paar aus Landau, das uns während der Rast am Kleinen Arber davon erzählt, wie sie diese Tour vor 30 Jahren gemacht haben, und dass sie immer wieder gerne in den Bayerischen Wald zum Wandern kommen. 350 Teilnehmer sind an diesem Tag gemeldet, die tatsächliche Zahl wird auf über 400 geschätzt. Die Anmeldung ist nur nötig, weil die Firma Schierer die Busse bereitstellt, mit denen die Teilnehmer am Ende der Strecke vom Brennes wieder nach Hause gefahren werden, entweder aufs Eck, oder nach Reitenstein.

Da liegt ein langer Tag hinter jedem Teilnehmer, egal ob es etwa sechs Stunden waren oder zehn, die für die Strecke gebraucht wurden. Am Ende zählt das Erlebnis einer der schönsten Wanderungen im Bayerischen Wald hinauf auf den höchsten Gipfel, und das bei Wetter-Bedingungen, die nicht besser hätten sein können. – Die Liebe zur Tour über die zwölf Tausender.

Auf dem Weg

Der Weg im Profil. Foto: Sepp Altmann

Profil: Der Weg vom Kaitersberg auf den Arber ist zwar perfekt beschildert, besitzt seit vielen Jahren aber eine Besonderheit: Die Firma Ludwig Schierer hat an den Gipfeln Platten aus Metall anbringen lassen, auf denen das Höhenprofil und die Kilometerangaben speziell für diese Tour vermerkt sind.

Es gibt mehrere Einkehrmöglichkeiten. Foto: S. Weber

Einkehr: Auf der Kötztinger Hütte können sich die ersten Wanderer bereits mit einer Brotzeit stärken. Neben dem Berggasthof Eck, der Chamer Hütte (Kleiner Arber) und dem Schutzhaus auf dem Großen Arber bieten Waldwiesmarterl, Schwarzeck oder Heugstatt perfekte Brotzeitpausen-Plätze.

Am Ziel Foto: S. Weber

Ziel: Auch wenn es manchmal schwerfällt – auf dem Gipfel auf 1456 Metern Höhe angekommen, gehört das Gipfel-Foto einfach dazu. Egal, ob man dafür einen Mitwanderer fragt, oder einfach ein Selfi macht, so wie der Autor dieser Geschichte.

Ein Blick zurück über die gesamte Strecke.Foto: S. Weber

Ausblick: Bei schönem Wetter bietet sich der vielleicht schönste Blick kurz vor dem Ziel: Wer sich knapp unterhalb des Arber-Gipfels einmal umsieht, der kann fast die komplette Strecke überblicken. Nach mehreren Stunden und knapp 25Kilometern jedes Mal wieder ein schönes Gefühl. (wf)

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