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Region Cham
Freitag, 24. November 2017 10° 5

Politik

Digital ist das Zauberwort für Gäste

Chams Kreisausschuss erhielt Kenntnis über Informationswelt, Zuschüsse für Sportvereine und die neue Welt des Urlaubsgastes.
Von Alois Dachs

Info-Terminals wie dieser sollen in Zukunft Gästen die Navigation bei der Auswahl des Urlaubsangebotes wesentlich erleichtern. Fotos: Dachs

Bad Kötzting.Digitalisierung ist seit Jahren das Zauberwort im internationalen Tourismus. Der Landkreis Cham spielt hier – zumindest was Ostbayern betrifft – „die erste Geige“, denn das digitale Angebot „aus einem Topf“, wie es Walter Wieland vom Landratsamt Cham bei der gestrigen Sitzung des Kreisausschusses für Tourismus und Sport formulierte, ist in vielen Punkten wegweisend. Der Fachmann für Digitalisierung sieht deshalb als größte Aufgabe der nahen Zukunft nicht die weitere Verbesserung des Angebotes, sondern eine verstärkte Werbung bei den Gemeinden für diese Form der Tourismusarbeit.

Petra Meindl vom Wirtschaftsreferat des Landratsamtes hatte in einem umfassenden Bericht über die aktuelle Situation des Tourismus bereits deutlich gemacht, welchen Stellenwert digitale Angebote für Gäste heute haben: Über 40 Prozent der Anfragen für einen Urlaub erfolgen per Computer, ebenso werden über 30 Prozent der Urlaubsaufenthalte per Computer, Tablet, oder Smartphone gebucht. Die Touristiker ermitteln dabei einen interessanten Trend: Die meisten Urlaubsbuchungen laufen am Sonntag und Montag ein. Das Wochenende wird also bevorzugt für die Urlaubsplanung genutzt.

Gesundheit ist ein Kernthema

Bürgermeister Markus Hofmann stellte zu Beginn der Sitzung im neu erbauten Sinocur die Initiativen der Stadt zur Verbindung von Tourismus und Gesundheit vor und nannte das Bad Kötztinger Lebensstilprogramm als zukunftsweisende Entwicklung, die noch der vollen Anerkennung durch die Kassen bedürfe. Bad Kötzting bemühe sich erfolgreich, sein eigenes Profil im Tourismus zu finden, lobte Landrat Franz Löffler die Stadt.

In der touristischen Entwicklung liege der Landkreis Cham mittlerweile „weit über dem Durchschnitt“ des Bayerischen Waldes, sagte der Landrat, Dazu habe sicher die „geopolitische Lage“ mit beigetragen, die neue Gäste in den Bayerwald brachte. Noch mehr aber sei der Erfolg der vor einigen Jahren eingeleiteten Qualifizierungsoffensive geschuldet, die dem Tourismus „ein neues Gesicht“ gegeben habe. Als Beispiele nannte er die Wellness-Hotels „Bayerwaldhof“ in Liebenstein und „Birkenhof am Elfenhain“ in Grafenwiesen sowie das Kleinkinder- und Familienresort „Ulrichshof“ in Zettisch.

Solche Hotels, die eine Auslastung bis zu 95 Prozent aufzuweisen hätten, seien Vorbilder für viele andere Häuser geworden, die ebenfalls massiv in Qualitätsverbesserung und Service investiert hätten, sagte der Landrat. Initiativen des Tourismusverbandes Ostbayern hätten auch dazu geführt, dass auch kleine Betriebe und Privatvermieter das Online-Marketing nutzen können. Neueste Errungenschaft sei ein computergestützter Roboter mit dem Namen „Pepper“, der den Gästen nicht nur Fragen zu touristischen Angeboten beantworten könne, sondern auch als „Unterhalter“ die Kinder der Gästebegeistere.

Im Jahr 2016 seien die Übernachtungszahlen im Landkreis um 4,3 Prozent gesteigert worden, für 2017 zeichne sich erneut ein leichtes Plus ab, informierte der Landrat den Ausschuss. Die Digitalisierung habe im Tourismusgeschäft einen hohen Stellenwert, „das ist kein Strohfeuer“, machte der Landrat deutlich.

„Es schaut sehr gut aus im Tourismus“. Mit diesen Worten eröffnete Petra Meindl ihren Vortrag, bei dem der „Vertrieb“ über Online-Buchungen ein zentrales Thema war. Besonders beeindruckend waren die Zahlen über die Wertschöpfung aus dem Tourismus. Wurden 2013 (Beginn einer Qualifizierungsinitiative) noch 1044 Buchungen im Landkreis mit 2624 Personen und einem Umsatz von 218632,80 Euro registriert, so waren es 2016 bereits 3798 Buchungen von 9335 Gästen mit einem Umsatz von 768845,24 Euro, und der Aufwärtstrend setzt sich fort. Allein bis Ende August 2017 wurden 3827 Buchungen von 10 185 Gästen registriert, die für einen Umsatz von 917053,67 Euro sorgten.

Ein Vorbild für ganz Bayern

Die Online-Buchung Ostbayern wurde durch das Wirtschaftsministerium als „Best Practice“-Beispiel für ganz Bayern ausgezeichnet, informierte Petra Meindl den Ausschuss. Durch die Einbeziehung von Regensburg würden Gäste, die sich nach Hotels in Regensburg erkundigen, auch auf Häuser im Landkreis Cham mit aufmerksam gemacht. Momentan seien erst 152 von insgesamt 800 Vermietern mit Online-Buchungen aktiv, hier wäre noch viel Luft nach oben.

Ein Erfolgsmodell ist nach Aussage von Petra Meindl auch die VLC-Gästekarte, die Urlaubern freie Fahrt mit Bus und Bahn ermöglicht. Neben einer Neukartierung der Radwege im Landkreis komme in Zukunft der neu ausgewiesenen Mountainbike-Route „Transbayerwald“ große Bedeutung zu. Häufige Anfragen von Mountain-Bikern zeigten das große Interesse an den zwei Routenvorschlägen. Auch die Neumarkierung der Wanderwege werde Verbesserungen für die Orientierung bieten, ebenso verschiedene Aktionen zum Jubiläum „Zehn Jahre Goldsteig-Premiumwanderweg“, der künftig auch auf die tschechische Seite der Grenze ausgeweitet werden soll. Ein wichtiges Thema bei Gästeanfragen ist auch die „Barrierefreiheit“ am Urlaubsort. Hier gebe es im Landkreis Cham bereits fünf zertifizierte Einrichtungen. Die Gastgeber sollten im Internet möglichst genau beschreiben, was auf diesem Sektor geboten wird, um Interessenten die Auswahl zu erleichtern, sagte Petra Meindl. Die Arbeit des Vereins LandGenuss bringe im Gastronomiebereich Verbesserungen, ebenso die Qualifizierungsoffensive für Gastgeber, die immer mehr Zuspruch finde. Sie solle für mehr Umsatz mit besonderen Angeboten sorgen.

Ein weiteres Projekt ist die Revitalisierung sogenannter Landmarken in Tschechien und dem Bayerischen Wald. Dazu zählen zum Beispiel die Sanierung der Burgruine Hirschstein in Tschechien, die Bayernwarte bei Furth im Wald, der Klammerfels in Waldmünchen und der Drachenturm in Treffelstein. Touristisch sehr interessant könne auch das 500 Jahre alte Goldbergwerk am Bleschenberg bei Waldmünchen werden.

Qualität bringt den Erfolg

„Die Qualität ist im Landkreis Cham der Erfolgsfaktor Nr. 1!“, ist die erfahrene Touristikerin überzeugt. Inzwischen seien 19 Hotels und drei Gasthöfe zertifiziert. Diese Zertifizierung sei auch eine Art Garantieversprechen an die Gäste, dass sie alles so vorfinden, wie es in der Werbung dargestellt wird. Diese Werbung können Vermieter künftig problemlos selbst mitgestalten, informierte Walter Wieland. Es brauche keine Probeabzüge mehr, um im digitalen Katalog neue Einträge vorzunehmen. Ein großer Vorteil für Vermieter und Gäste sei, dass an einer zentralen Stelle im Landkreis Unmengen von Daten vorhanden und für jedermann nutzbar sind, so der Experte. Es gehe nun nur noch darum, dieses Angebot komplett zu nutzen.

Förderung für Jugendarbeit


Sportförderung 61 500 Euro stehen für die Jugendarbeit in Sport- und Schützenvereinen, für den Arbeitskreis Schulsport und die überörtliche Sportförderung beim Landkreis laut Kreiskämmerer Konrad Nagl zur Verfügung. Die jährliche Sportlerehrung wird mit 2500 Euro gefördert, ebenso die Landkreisolympiade (im vierjährigen Turnus). Für die Aus- und Fortbildung von Mitarbeitern im BLSV gibt es 3000 Euro, 1000 Euro für den gleichen Zweck erhält die Arbeitsgemeinschaft der Schützenvereine. Für die Förderung des Skigaues Bayerwald gibt es 1500 Euro, für das Landkreis-Jugendschießen 1000 Euro. Jährlich 66 000 Euro stehen für die Jugendarbeit der Sport- und Schützenvereine auf Antrag (zu stellen bis 31. Oktober 2017) zur Verfügung. Insgesamt 850 Euro werden 2017 an den FC Chamerau für eine Beregnungsanlage (450 Euro) und an den FC Untertraubenbach für einen Ballfangzaun (400 Euro) ausgezahlt. Insgesamt 11 757,45 Euro werden als Zuschuss für Jugendräume an die Feuerwehren Ziehring (2000), Höhhof (2500) und Diebersried (3000), die FFW Furth im Wald (3000) und an das Pfarramt Waldmünchen (1257,45 Euro) für die Renovierung des Jugendheims im Gaubaldhaus gegeben.

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