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Montag, 11. Dezember 2017 4

Beruf

„Drei Paulas – und alles wäre gut“

Paula Babl arbeitet seit vier Jahrzehnten als Friseurin. Ihre Waldmünchner Chefin Sabine Schneider ehrte sie hoch emotional.
Von Johanna Fenzl

Freude bei der Urkunden-Übergabe (von links): Theo Pregler, Sabine Schneider, Paula Babl, Christina Wachter und Jacqueline Gabriel Foto: Fenzl

Waldmünchen.„Paula, Du bist Spitze, herzlichen Glückwunsch und bleib’, wie Du bist“, so freute sich Sabine Schneider, Besitzerin des Friseursalon „D’ Haarschneider“ und Obermeisterin der Friseurinnung, über ihre langjährige Mitarbeiterin Paula Babl. Diese ist seit 40 Jahren ihrem Beruf treu geblieben. Dies wurde in Anwesenheit der Eltern Sabine Schneiders, der Auszubildenden und des Hausbesitzer-Ehepaars Ulschmid bei einer Feierstunde gewürdigt. Dabei wurde deutlich, dass das Klima im Salon in der Waldmünchner Bahnhofstraße nicht nur stimmt, sondern fast schon familiär zu nennen ist.

„Eine wichtige Sache“

  • Anerkennung:

    Auch Obermeisterin Sabine Schneider sprach Theo Pregler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, seine Anerkennung aus.

  • Lehrlinge:

    Sie hat inzwischen 18 Lehrlinge in ihrem Betrieb ausgebildet „und damit eine wichtige Aufgabe für die Region und die Gesellschaft übernommen“, wie Pregler befand.

  • Praktikanten:

    Von jeher zeige Sabine Schneider bei der Ausbildung besonderes Engagement. Auch Praktikanten bekommen bei ihr die Möglichkeit, in das Friseurhandwerk hineinzuschnuppern. „Eine ganz wichtige Sache“, bemerkte Pregler in seiner Rede. (wzl)

Chefin Sabine Schneider gab einen kurzen Rückblick auf Paula Babls Werdegang. Ihre Lehre begann sie im August 1977 im selben Salon bei der vorherigen Besitzerin Hildegard Stoffl. Es war schon damals nicht einfach, das Friseur-Handwerk zu erlernen und heute ist es noch schwieriger geworden. Längst nicht jeder ist für diesen kreativen, abwechslungsreichen und kommunikativen Beruf geeignet.

Das Friseurhandwerk hat sich in den 40 Jahren, in denen Paula Babl in diesem Beruf tätig ist, deutlich gewandelt. Schneider, die sieben Jahre nach Paula Babl ihre Ausbildung ebenfalls im Salon Stoffl begann, erinnert sich noch gut an diese frühe Zeit. An erster Stelle, berichtet sie, stand damals die Dauerwelle. Morgens warteten bereits um sieben oder acht Uhr die ersten Kunden vor der Tür. Sie wurden der Reihe nach bedient, während heute fast ausschließlich mit Terminvergabe gearbeitet wird.

Die damaligen Kunden verbrachten oft einen ganzen Vormittag auf dem Friseurstuhl. Die Hauptaufgaben der Lehrlinge waren dabei Fixieren, Waschen und Kontrollieren, ob die Haare schon trocken sind. Für das Frisieren waren Gesellen oder die Chefin persönlich zuständig. Absolute Chefsache war das Anmischen der Haarfarben. Diese waren in einem verschlossenen Schrank untergebracht. Heute ist das Haarefärben die stärkste Dienstleistung in der Friseurbranche.

Die Übungsköpfe

Das Schneiden der Haare an den Männern lernten die Auszubildenden schnell; sie schmissen den Herrensalon nahezu alleine. Damals waren die Herrenschnitte noch längst nicht so facettenreich wie heute, wo die Übungsköpfe Isolde und Fridolin für die ersten Kontakte mit Haaren herhalten müssen.

Paula Babl lernte auch noch das Rasieren mit offenem Messer, das mittlerweile in den sogenannten Barbershops wieder angeboten wird. Im Laufe der 40 Jahre hatte „unsere Paula“, wie Sabine Schneider weiter erzählte, allerlei neue Techniken und Varianten gelernt. Sie beherrsche ihr Handwerk und habe Mut, Neues auszuprobieren.

„Beachtenswert ist auch ihre Geduld, ob mit Auszubildenden oder der oft temperamentvollen Chefin.“

Sabine Schneider

Dies mache sie in Verbindung mit ihrer Persönlichkeit zu etwas Besonderem. Zu den Stammkunden der erfolgreichen und beliebten Friseurin gehören sowohl 87 Jahre alte Damen als auch junge Mädchen und Herren jeglichen Alters.

Gegen Ende ihrer Rede, die sie mehrmals unterbrechen musste, weil die Emotionen sie überwältigten, zitierte Sabine Schneider die frühere gemeinsame Chefin Hildegard Stoffl: „Drei Paulas – und alles wäre gut“. Heute, 25 Jahre nachdem Schneider den Salon von Hildegard Stoffl übernommen hatte, weiß sie genau, was diese damals mit diesem Satz meinte.

Die Chefin ehrte ihre Mitarbeiterin mit vielen lobenden Worten und einer Anstecknadel. Foto: Fenzl

Sie lobte ihre langjährige Mitarbeiterin als humorvoll, zuvorkommend und modebewusst. Beachtenswert sei auch ihre Geduld, ob mit Auszubildenden oder der oft temperamentvollen Chefin, bekannte Schneider schmunzelnd. Sehr zu schätzen weiß sie auch die ehrliche Meinung „ihrer Paula“, auch wenn diese nicht immer der ihrigen entspricht. „Genau diese Mischung“, sagte Sabine Schneider, „macht uns zu einem super Team!“

Für Theo Pregler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, war es eine besondere Freude, Paula Babl mit einer Urkunde, einer Anstecknadel und einem Blumenstrauß zu gratulieren. Beide sind waschechte Perlhütter und teilten in ihrer Kindheit so manche lustige Begebenheiten miteinander.

40 Jahre in einem Betrieb, ohne Unterbrechung, das verdiene außerordentliche Anerkennung und Würdigung. „Paula hat in den vergangenen vier Jahrzehnten Leistung gezeigt und mit Fleiß, Zuverlässigkeit und fachlichem Können zum guten Ruf des Salons beigetragen“, zollte Pregler der Jubilarin höchsten Respekt.

Zufriedenheit hat Priorität

Die Arbeit am Kunden verlange ein hohes Niveau an fachlichem Können, und der Beruf des Friseurs sei ein anspruchsvoller und vielseitiger Beruf. Auch die kundenorientierte Beratung gehöre dazu, denn die Zufriedenheit der Kunden habe oberste Priorität. Hierzu seien jährliche Fortbildungen über aktuelle Trends und neueste Haarmode unerlässlich.

Pregler beglückwünschte in seiner Rede auch Sabine Schneider zu ihrem qualifizierten Personal, das er „als wichtigstes Kapital“ bezeichnete. Gegenseitiges Verständnis und Vertrauen seien die Grundlage für ein gutes Betriebsklima, das im Salon in der Bahnhofstraße deutlich spürbar sei.

Hierfür dankte Pregler allen Mitarbeiterinnen, vor allem natürlich der Jubilarin. Mit einem Glas Sekt wurde schließlich auf Paula Babl, die sich herzlich bedankte, angestoßen. Bei lebhafter Unterhaltung wandten sich die Ehrengäste den appetitlich angerichteten Delikatessen zu.

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