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Region Cham
Samstag, 25. März 2017 13° 2

Geschichte

Ein Gedenken ist kaum möglich

Die Erinnerungsstätten für ermordete KZ-Häftlinge auf dem Todesmarsch im Landkreis Cham liegen oft versteckt und geben wenige Erklärungen zum Geschehen.
Von Martin Hladik, MZ

  • Bei Wetterfeld wird an 600 Gräber von KZ-Opfern erinnert.Fotos: Hladik
  • In Cham gedenkt man über 400 ermordeter KZ-Häftlinge
  • Mit symbolischen Fußabdrücken erinnert das Denkmal in Stamsried an den Todesmarsch.
  • Auch nach 70 Jahren gibt es Menschen die an den Erinnerungstätten, hier bei Rettenbach, Kerzen entzünden.
  • Auf dem Rötzer Friedhof waren 141 Häftlinge bestattet.
  • Im kleinen Ort Bernried lagen 164 getötete Häftlinge
  • Der idyllische Blick in Richtung Stamsried von der Gedenkstätte Wetterfeld aus.

Landkreis.597 Tote auf elf Kilometern zwischen Diebersried und Pösing: Als „Killing Field“ beschreibt der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Jörg Skribeleit, diese heute kaum vorstellbare Situation nach den Todesmärschen aus dem KZ im April 1945 bei einem Vortrag in Roding. Als Killing Fields werden normalerweise die Orte von Massenmorden in Kambodscha oder in Bosnien bezeichnet.

Fast 70 Jahre später erinnert nur wenig an so ein Geschehen. Der Blick vom Hügel bei Wetterfeld in Richtung Stamsried zeigt eine idyllische oberpfälzische Herbstlandschaft. Das letzte, an das man denken würde, sind Massenmorde. Auf diesem Hügel oberhalb von Wetterfeld wurden die rund 600 Toten umgebettet, die entlang der Strecke nach Stamsried provisorisch verscharrt waren. Das war 1950. Schon sieben Jahre später – 1957 – wurden die Toten erneut exhumiert und zur letzten Ruhe nach Flossenbürg gebracht. Heute ist der Hügel überhalb von Wetterfeld eine von fünf Gedenkstätten im Landkreis Cham, die von staatlicher Seite an die Todesmärsche erinnern.

Im April dieses Jahres hat sich allerdings die Zuständigkeit verändert. Die fünf Gedenkstätten in Wetterfeld, auf dem Chamer Friedhof, dem Chamer Judenfriedhof und auf den Friedhöfen in Bernried und Rötz waren bis dahin in der Betreuung der Bayerischen Schlösserverwaltung. Die hatte sich gut um den äußerlichen Zustand der Denkmäler gekümmert, allerdings war ihr immer wieder zum Vorwurf gemacht worden, sie beschäftige sich wenig mit dem historischen Hintergrund.

Gedenkstätten unter neuer Leitung

Seit April dieses Jahres hat die Stiftung Bayerische Gedenkstätten, die zum Kultusministrium gehört, die Betreuung sämtlicher Erinnerungsorte für KZ-Opfer in Bayern übernommen. Bislang war die Stiftung ausschließlich für die Betreuung der Gedenkstätten des KZs Dachau und des KZs Flossenbürg zuständig. In der vergangenen Woche war Ulrich Fritz, als Vertreter der Stiftung, im Landkreis Cham unterwegs, um sich die fünf Gedenkstätten genauer anzusehen.

Der Historiker macht deutlich, dass es der Stiftung vorerst um eine Bestandsaufnahme gehe. Langfristig sei es aber ein Ziel, die Gedenkstätten nicht nur zu erhalten, sondern deutlich zu machen, warum es sie gibt. So errichtete die Stiftung vor wenigen Jahren in der großen Gedenkstätte bei Neunburg vorm Wald Schautafeln, die erklären, was die Todesmärsche waren. Man wolle zwar nicht an jeder Gedenkstätte eine Schautafel aufstellen, aber man wolle mehr als nur ein Denkmal. Zumal viele dieser Denkmäler einen Text aus den 50er Jahren tragen, der wenig erklärt.

Doch nicht nur von staatlicher Seite wird an die Todesmärsche erinnert. So gibt es seit Kriegsende bei Rettenbach einen Gedenkstein, der an eine Gräberstätte von 48 KZ-Toten erinnert, die erst nach Wetterfeld und später nach Flossenbürg umgebettet wurden. Altbürgermeister Alfons Piller berichtet, dass die Gemeinde 1985 eine Granittafel anbringen ließ, die erklärt, warum hier ein Gedenkstein ist. Mit einer hölzernen Hinweistafel und einem Parkplatz erleichtert der Gemeinde das Auffinden der Gedenkstätte. Bei vielen anderen Gedenkstätten ist schon das schwierig. Nur in Wetterfeld gibt es an der Straße ein Hinweis auf die Gedenkstätte. Die Gedenksteine in den Friedhöfen von Cham, Rötz und Bernried sind nur für Eingeweihte auf Anhieb zu finden. Auf dem Judenfriedhof in Cham ist keinerlei Hinweis auf die hier begrabenen vier KZ-Opfer zu finden.

Eines der wenigen gemeindlichen Denkmäler, die an der Todesmarsch erinnern, befindet sich in Stamsried. Es ist das einzige Denkmal, dass sich direkt an der Marschroute befindet und auch für Ortsfremde sofort zu sehen ist. Das Denkmal wurde 2005 zum 60.Jahrestag des Todesmarsches eingeweiht.

Stamsried erinnert sich

Bürgermeister Herbert Bauer ist froh, dass sein Amtsvorgänger und der Heimkreis den Entschluss zu diesem Denkmal fanden. Der Erinnerungsort würde auch von Überlebenden der Todesmärsche gewürdigt, sagt Bauer. Mit Hilfe ihrer Erinnerung und durch so ein Denkmal könne man deutlich machen, „dass das bei uns geschehen ist“. Daran zu erinnern liege in der Verantwortung der heutigen Generation. So sieht das Franz Probst aus Nittenau. Dort findet gerade die aktuellste Aufarbeitung der Todesmärsche statt. Der Stadtrat berichtet, das eine Schulklasse Teilstücke der Marschstrecke abgegangen sei, um daran zu erinnern. Er selbst sei bestrebt einen Gedenkort für die Opfer der Todesmärsche zu schaffen, ähnlich wie es für einen von den Nazis hingerichteten Zwangsarbeiter bereits geschehen sei. Der Mann wurde gehängt, weil er angeblich ein Liebesverhältnis mit einem deutschen Mädchen hatte.

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