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Region Cham
Mittwoch, 24. Januar 2018 7

Rollentausch

Ein Kinderhort und seine Probleme

Chams MdL Gerhard Hopp baute mit Kindern Flugzeuge – landete mit Birgit Frank aber letztlich auf dem Boden der Tatsachen.

Vor den Knirpsen im Rötzer Kindergarten ging Landtagsabgeordneter Gerhard Hopp schon mal in die Knie. Foto: whg

Rötz.Was macht ein Mitglied des Landtags im Kindergarten? – Es versucht, Magnettürme und Flugzeuge zu bauen, beim Kinderturnen mitzumachen und Geschichten vorzulesen. Aber er hört sich auch die Anliegen der Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen an. So geschehen im Rötzer Kindergarten.

Landtagsabgeordneter Gerhard Hopp (CSU) ließ sich wieder einmal auf einen Rollentausch ein und verbrachte einen Vormittag im Hort. Deren Leiterin Birgit Frank machte mit ihm zunächst einen Rundgang durch das Haus. Überall wirbelten die Kinder herum und man musste aufpassen, dass man nicht „unter die Räder“ kam. Der Landtagsabgeordnete sah auch andere Knirpse, wie sie zusammen in den Spielecken saßen oder lagen. Und genau diese Beobachtung sollte noch eine größere Rolle im Gespräch mit Birgit Frank spielen.

Ein Platz-Problem

Nach dem Rundgang ein Treffen im Besprechungsraum. Das war auch gleich ein Reklamationspunkt, weil in dem Zimmer gerade mal für acht Erwachsene Platz ist. Und bei 16 Angestellten muss man bei einer Versammlung auf die kleinen Stühle der Kinder ausweichen. Birgit Frank sprach als erstes das Thema „Vorkurs Deutsch 240“ an. Dieser muss angeboten werden, sobald bei einem Kind sprachliche Probleme auftauchen. Maximal acht Kinder werden dann zweimal in der Woche eine dreiviertel Stunde von der Gruppe abgezogen und in den Vorkurs gesteckt.

Dazu muss man eine Arbeitskraft abziehen; die Kollegin ist dann mit 24 Kindern allein. Dabei bräuchte es eigentlich diesen Kurs nicht, so Frank. Alles, was da gelernt werden soll, passiere den ganzen Tag über. Bei den Spielen werde gezählt, zum Beispiel bei einem Würfel, die Farbenlehre sei mit dabei und vor allem auch die Kommunikation in der Gruppe.

Birgit Frank erklärt Hopp die umfassenden Dokumentationen. Foto: whg

„Spielerisch lernen, lautet das Motto“, so Frank. Sie monierte auch, dass man durch viele Vorgaben eingeschränkt werde und die Flexibilität auf der Strecke bleibe.

Über Nachwuchs brauchen sich Kindergarten und Kindertagesstätte laut Frank nicht zu sorgen. Allein dieses Jahr gab es 30 neue Kinder. Aber das Problem ist auch hier der Nachwuchs der Fachkräfte. Der Schlüssel für die Betreuung ist hart an der Grenze – in Rötz derzeit bei 1 : 10,98, also ziemlich am Limit, so Frank. Auf eine Arbeitskraft kommen elf Kinder. Bei nur einem Krankheitsfall gebe es schon Probleme. Eine Forderung an Hopp: Der Schlüssel muss sich ändern.

Dr. Gerhard Hopp sagte, dass er mindestens einmal im Monat einen Rollentausch vornimmt, und zwar zu Themen, für die der Landtag zuständig ist. Er will erfahren, wie es den Fachkräften geht. Die Verbindung zum Rötzer Kindergarten kam über den Ehemann der Leiterin, Martin Frank, zustande. Immer wieder muss er sich die Sorgen seiner Frau in Bezug auf den Kindergarten anhören. Und so kam es, dass Hopp nun Kinderpfleger sein durfte.

Zur Sache

  • Der Besprechungsraum

    im Rötzer Hort ist laut Leiterin Birgit Frank viel zu klein.

  • Der Vorkurs „Deutsch 240“

    ist nach ihren Worten inhaltlich zweifelhaft und ziehe Personal ab.

  • Der Nachwuchs

    an Fachkräften zur Kinder-Betreuung ist laut Birgit Frank bei einem Betreuungsschlüssel von 1:10,98 „hart an der Grenze“ und damit im Vertretungsfall ein Problem.

Er stellte aber auch fest, dass für die Qualität der Kindergärten viel gemacht wurde. Dennoch zeigte er ein offenes Ohr für die Anliegen von Birgit Frank. Er ließ sich auch die täglichen Dokumentationen zeigen.

Auf die Frage Hopps, wie der Umgang mit den Kindern in Rötz sei, meinte Frank, „wir schweben schon noch auf einer rosa Wolke, wir haben sehr soziale Kinder“. Deshalb sei Freiraum wichtig. Im Spiel sei alles enthalten undein Vorkurs zweifelhaft.

Fazit der Leiterin

Die Leute in den Ministerien, die immer wieder neue Vorgaben bringen, sollten mit den Kräften aus der Praxis reden und nicht so viel von oben diktieren. „Wo man mit Leuten und Kindern zu tun hat, funktioniert das nicht so einfach, alles zu regulieren“, so das Fazit Franks.

Hopp fand es „toll“, wie die Kinder auf das Leben vorbereitet werden: „Wir versuchen, euch zu unterstützen.“ Er wisse, dass man sich um den Fachkräftenachwuchs kümmern muss; die Bezahlung müsse besser werden. Und das in Bezug auf die Bildung die Kooperation zwischen Sozial- und Kultusministerium besser klappen sollte.

Nach diesen eindringlichen Gesprächen wurde Dr. Hopp von den Kindern in Beschlag genommen und er durfte noch bauen, lesen und sonst noch alles, was halt in einem Kindergarten so anfällt. (whg)

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