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Samstag, 21. Oktober 2017 18° 4

Projekt

Ein neues Gesicht für den Weißen Regen

Im Bereich Lohberg-Lam wird der Bayerwald-Fluss in den Zustand versetzt, in dem er früher war. Die Natur wird profitieren.
Von Fred Wutz

  • Sie sind mit dem bis jetzt erreichten Ergebnis zufrieden und überzeugt, dass der Weiße Regen im Bereich Lohberg-Lam nach Abschluss der Arbeiten ein sehenswertes Gewässer wird (v. r.): Bauaufseher Josef Stelzl, Fischrechtsinhaber Herrmann Leipold, Baggerführer Franz Weber und der Sachgebietsleiter für Wasserbau, Helmut Holzer.Foto: Fred Wutz
  • Buhnen sind eine Art kleiner Landzungen, die vom Ufer in den Lauf des Gewässers ragen. Sie können gegen die Strömung oder an ihr entlang ausgerichtet sein. Sie verwirbeln das Wasser und ändern seine Fließrichtung. Foto: Fred Wutz
  • Störsteine sind einzelne oder in Gruppen platzierte große Felsblöcke im Wasserlauf. Sie lenken die Strömung ab, hinter ihnen bilden sich Strömungsschatten, ihre Masse schützt nötigenfalls auch das Ufer. Foto: Fred Wutz

Lohberg.„Da ist schon mehr passiert, als ein paar Felsen und Steine in das Flussbett zu setzen!“ – Helmut Holzer und Josef Stelzl erklären bereitwillig, was am Oberlauf des Weißen Regens im Bereich Lam-Lohberg passiert: Dort wird das markante Gewässer wieder in einen Zustand versetzt, welcher der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union entspricht. Die beiden Experten sind für das Wasserwirtschaftsamt Regensburg wegen dieser Arbeiten vor Ort.

Ein schwerer Raupenbagger steht im Flussbett. Franz Weber vom Bauunternehmen Schönberger aus Chamerau ist nicht zum ersten Mal am Werk, wenn es darum geht, ein Gewässer in einen guten Zustand zu versetzen. „Wir arbeiten mit der Firma und speziell mit diesem Mann seit Jahren, der ist ein Profi und weiß, was zu tun ist“, lobt Bauaufseher Stelzl den Baggerfahrer. Der greift mit der Schaufel des Baugeräts in das Fließgewässer, holt Steine, Kies und Erdreich aus dem Untergrund, die er dann neu verteilt. Sogenannte Buhnen werden angelegt, die in die Strömung ragen. Großformatige, tonnenschwere Felsen werden als „Störsteine“ im Wasser platziert. Und schließlich werden die Uferbereiche neu modelliert.

Vor Jahren stark begradigt

Steinanhäufungen im Flussbett, die eine Überquerung des Gewässers ohne Brücke oder Steg erlauben, machen den neu gestalteten Verlauf reizvoll. Sie bieten sich auch zur Nutzung durch Touristen und Wanderer an. Foto: Fred Wutz

Das Ergebnis der Wasserbauarbeiten ist ein Flusslauf, der komplett anders aussieht, als dies vorher der Fall war. „Der Weiße Regen war schon viele Jahre stark begradigt“, verrät Wasserbau-Sachgebietsleiter Holzer, „früher wurde hier Holz geflößt, darum haben die Leute für die Trift dem Fluss ein einheitliches Profil und Gerinne gegeben, alles die gleiche Tiefe.“

Die Folge war eine hohe Fließgeschwindigkeit des Wassers, und es gab keine Bereiche mehr, in denen sich Fische oder andere Lebewesen hätten aufhalten können. Bei Hochwasser wurde der Fluss geradezu ausgeschwemmt.

„Der Weiße Regen war schon viele Jahre stark begradigt. Früher wurde hier Holz geflößt, darum haben die Leute für die Trift dem Fluss ein einheitliches Profil und Gerinne gegeben, alles die gleiche Tiefe.“

Sachgebietsleiter Helmut Holzer

Das neue Bild des Weißen Regens wird dank der „Einbauten“ in das Flussbett kein glatt und schnell fließendes Gewässer sein, sondern ein sich windender und mit Wirbeln ausgestatteter Lauf. Es wird Gegenströmungen geben (sogenannte Kehrwässer) und Bereiche, in denen das Wasser fast zum Stillstand kommt. An nicht wenigen Stellen gibt es künftig „Gumpen“, also kesselartige Vertiefungen, in denen unten das Wasser steht, während im oberen Bereich durchaus eine Strömung darüber hinwegzieht. Dazu kommen Kiesbereiche mit flachem Wasser.

Bessere Verstecke

Schweres Gerät – in diesem Fall ein Raupenbagger – wird bei der Gestaltung des Flussbettes benötigt. Der Einsatz erfordert einen erfahrenen Mann im Cockpit, weil große Massen behutsam bewegt werden müssen. Foto: Fred Wutz

Nutznießer dieser Veränderungen werden in erster Linie Fische sein, die sich künftig besser verstecken und aufhalten können. Das Wasser selbst wird mehr verwirbelt und somit sauerstoffreicher, also besser. Und auch optisch wird der Weiße Regen in den jetzt bearbeiteten Bereichen – zwischen Lohberg und Lam – reizvoller. Die am Ufer entlang laufenden Spazier- und Wanderwege sowie die Umgebung gewinnen also.

„Seitens des Wasserwirtschaftsamtes sind wir froh, dass auch die Anlieger und Fischrechtsbesitzer sowie die Gemeinden unserer Maßnahme aufgeschlossen gegenüber stehen“, betonen Holzer und Stelzl. Sie hoffen, dass dies bei weiteren Bauabschnitten auch so bleibt. Einem Betroffenen konnten sie bei einer Ortstermin am Weißen Regen die erfolgreiche Arbeit zeigen. Herrmann Leipold äußerte sich sehr zufrieden und kommentierte das Resultat so: „Das sehe ich sehr positiv. Solche Maßnahmen muss man unterstützen. Für den Weißen Regen ist das von Nutzen.“

Kosten werden getragen

Die Kosten der Baumaßnahme trägt übrigens das Wasserwirtschaftsamt. Laut Helmut Holzer „ist das nicht dramatisch und insgesamt kaum teuerer als die ohnehin notwendigen Unterhaltungsmaßnahmen“. Forelle und Mühlkoppe als sogenannte Leitfische werden also wieder heimisch am Oberlauf des Weißen Regens. Und dann wird die Umweltbewertung des Flusses geradezu perfekt sein.

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