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Region Cham
Donnerstag, 19. Oktober 2017 18° 2

Soziales

Ein Tag, der den Unterschied macht

Am Make A Difference Day erneuerten die Wirtschaftsjunioren mit jungen Flüchtlingen zwei Freizeit-Anlagen in Stamsried.
Von Jakob Moro

In der Kirchbachaue in Stamsried hielten die Jugendlichen in ihrer Mittagspause stolz das Banner der Wirtschaftsjunioren Bayern in die Kamera. Kreisverbände im ganzen Freistaat stellten sich am 9. Juli in den Dienst der guten Sache. Für Cham hatte Vorstandsmitglied Frank Betthausen (oben rechts) den Aktionstag organisiert – mit großer Unterstützung durch den Markt Stamsried und Richard Kerscher (links) mit seiner Bauhof-Truppe. Foto: Florian Werner

Stamsried.Kioskbetreiberin Barbara Bauer, die am Samstagmorgen auf dem Weg an ihren Arbeitsplatz im Stamsrieder Naturbad war, traute ihren Augen kaum. „I werd’ narrisch“, sagte sie zu Bürgermeister Herbert Bauer, als sie realisierte, was da im gegenüberliegenden Schlosspark passierte. Zwei Gruppen unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge aus dem Glocknerhof werkelten dort mit Schaufeln, Harken und Schubkarren in der Sommerhitze, um die Anlage von Unkraut zu befreien und in mühevoller Handarbeit wieder herzurichten – gemeinsam mit Bauer, seinen Bauhof-Beschäftigten und Frank Betthausen, Vorstandsmitglied der Chamer Wirtschaftsjunioren.

Die Organisation junger Führungskräfte und Unternehmer hatte den Arbeitseinsatz an einem bayernweiten Aktionstag, dem Make A Difference Day, mit dem Markt organisiert. Neben dem Schlosspark gab es am Samstag, den Wirtschaftsjunioren aus ganz Bayern nutzten, um sich gesellschaftlich zu engagieren, eine weitere Baustelle in Stamsried.

Arbeiten mit großer Symbolkraft

In der Kirchbachaue legte eine Gruppe Jugendlicher den verwitterten, in die Jahre gekommenen Barfußpfad mit seinen sieben Stationen neu an und strich den Pavillon am Kneipp-Becken beziehungsweise Kinderspielplatz frisch. Den Jungs standen dort weitere Bauhof-Mitarbeiter sowie IHK-Geschäftsführer Richard Brunner und Florian Werner von den Wirtschaftsjunioren zur Seite.

Nicht zuletzt die Arbeiten im Schlosspark hatten enorme Symbolkraft. Vor fast genau zehn Jahren war der Stamsrieder Kraftweg, der geomantische Pfad zur Selbsterfahrung, durch eine Jugendgruppe mit Teilnehmern unter anderem aus Rom, Warschau, Ankara, Tallinn, Kiew, Paris und Belgrad errichtet worden. Sie waren vom 29. Juli bis 19. August 2006 in den Übergangswohnheimen in der Neunburger Straße untergebracht. Jetzt, ein Jahrzehnt später, fanden sich wieder junge Menschen im Ort ein. Diesmal allerdings aufgrund ganz anderer Umstände. Die etwa 25 Jugendlichen, die sich am Samstag in der sengenden Sonne ins Zeug legten, wohnen oder wohnten im Glocknerhof und werden von Mitarbeitern des Kolpingbildungswerk betreut.

Einige von ihnen sind mittlerweile 18 geworden und in andere Unterkünfte, etwa in Cham, umgezogen. Sie flüchteten aus Afghanistan, Syrien, Äthiopien, Ghana oder Eritrea. Die jungen Menschen kamen zwar aus ganz anderen Beweggründen als die Jugendlichen vor zehn Jahren in die Oberpfalz – aber sie brachten sich am Samstag nicht weniger engagiert ein, um der einheimischen Bevölkerung zu zeigen, dass sie bereit sind, hier anzupacken und sich zu integrieren.

Genau diesen Ansatz verfolgen die Wirtschaftsjunioren mit ihrem neuesten Projekt „Heimat 2.0“: unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge – aktuell 16 an der Zahl – zu unterstützen, sie in Vereine und ihre Familien mitaufzunehmen und ihnen bei der Ausbildungsplatz-Suche zu helfen.

Durch die Kooperation mit dem Glocknerhof und dem Kolping-Bildungswerk entstand die Idee, in Stamsried den Make A Difference Day zu organisieren. Bürgermeister Herbert Bauer war begeistert von dem Gedanken – und mit dem Schlosspark und der Kirchbachaue waren schnell Orte für den freiwilligen Arbeitseinsatz gefunden. Sowohl für die Jugendlichen als auch für das Bauhof-Team war es eine besondere Erfahrung, die sie an diesem Tag machten.

Auch an schwerem Gerät versuchten sich die Jugendlichen unter Aufsicht von Bauhofleiter Richard Kerscher (r.) im Schlosspark. Dort holten die jungen Flüchtlinge unter anderem einen riesigen Berg an Unkraut aus den Pfaden des völlig verwachsenen Labyrinths. Foto: Jakob Moro

Alle miteinander waren nachmittags bei der von Bauer gesponserten Abschluss-Brotzeit überglücklich und zufrieden mit dem, was sie zwischen 8 und 15 Uhr geschafft hatten. „Heute war ein sehr schöner Tag. Wir wollen arbeiten“, sagte einer der Jugendlichen. Und: „Wir können hier eine gute Zukunft haben. Wir suchen eine Ausbildung als Maurer, Schweißer oder Schreiner – egal.“ Bauhof-Leiter Richard Kerscher und seine Mitarbeiter Harald Schlecht, Josef Meier, Rudolf Meier und Irina Goff, die ihren freien Samstag für den Make A Difference Day opferten, waren voll des Lobes über die junge Truppe.

Betreut wurden die Jugendlichen am Samstag von dem aus Ägypten stammenden pädagogischen Mitarbeiter am Glocknerhof, Emad Monem. Und: Das ehrenamtlich tätige Ehepaar Lankes-Baumer aus Stamsried packte ebenfalls mit an.

Die Wirtschaftsjunioren

  • Der Verband

    Die Wirtschaftsjunioren sind ein weltweit vernetzter Verband, in dem sich bundesweit mehr als 10 000 Unternehmer und Führungskräfte unter 40 Jahren engagieren.

  • Größe und Mitglieder

    In Deutschland gehören der Organisation rund 210 Kreise an. Den größten Landesverband stellt Bayern mit rund 4500 Mitgliedern.

  • Bedeutung

    Zusammen verantworten die Wirtschaftsjunioren Deutschland rund 300 000 Arbeitsplätze, 35 000 Ausbildungsplätze und mehr als 120 Milliarden Euro Umsatz.

Sprache als Schlüssel zum Erfolg

Dieses Projekt sei neben den sportlichen Aktivitäten, die die Jugendlichen beim Fußball- und Volleyballspielen betreiben, eine weitere Möglichkeit, einen menschlichen Bezug zwischen den Flüchtlingen und der Gemeinde herzustellen, freute sich Bürgermeister Bauer. Für ihn waren der Aktionstag und das Auftreten der Jungs ein Musterbeispiel an Integration. Er zeigte sich hocherfreut darüber, was die Gruppen im Schlosspark und in der Kirchbachaue geleistet hätten. „Ein großes Dankeschön! Hier hätten unsere Bauhof-Mitarbeiter viele Stunden und Tage aufwenden müssen, um all das in dieser Größenordnung durchzuführen“, sagte er.

Er appellierte an die Jugendlichen, so weiterzumachen und sich schnell zu integrieren. „Denn nur wer unsere Sprache spricht, unsere Kultur und unser Land versteht, wird sich schnell anpassen und einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz finden“, betonte er.

Frank Betthausen sagte in Richtung der Jugendlichen: „Das war Spitzenklasse! Was ihr heute geleistet und gearbeitet habt, davon kann sich mancher eine Scheibe abschneiden.“

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