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Geburtstag

Er war die „Speerspitze der Ökologie“

Der Kämpfer für eine „wilde Natur“, Horst Stern, feiert seinen 95.. Der Nationalpark Bayerischer Wald war ihm ein Anliegen.
Von Alois Dachs

„Wilde Natur“ war das Credo von Horst Stern. Im Nationalpark Bayerischer Wald wächst sie in der Kernzone am Lusen heran. Foto: Dachs

Cham.Es ist still geworden um den Kämpfer für die Natur. So still, wie die Natur im Spätherbst wird, ehe der Winter sein weißes Kleid über den Bayerischen Wald legt. Aber so, wie unter einer Schneedecke die Vorbereitungen für einen neuen Frühling in der Natur laufen, so hat der Journalist und Fernsehautor Horst Stern sicher auch an seinem 95. Geburtstag, den er heute in Passau feiert, wohl noch manche Idee, wie er die Natur fördern und den sorglosen Umgang der Menschen mit ihr künftig bremsen könnte.

In einem Interview, das er Mitte der 90er Jahre gegeben hatte, beklagte Horst Stern, der neben Prof. Dr. Bernhard Grzimek („Serengeti darf nicht sterben!“) Zu den Gründern des Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) gehörte, dass er seine hochgesteckten Ziele nicht erreicht habe. Ohne Zweifel war Horst Stern jedoch sowohl als Umweltschützer und Kämpfer für die Natur, als auch in seinem Engagement für die Erhaltung der Arten und ihres natürlichen Umfeldes ein Vorbild für Tausende. Dass aus seinem Umweltverständnis heraus letztlich auch erfolgreich Politik bei den „Grünen“ gemacht wurde, war vielleicht nicht sein Hauptziel. Aber als „Spiritus Rector“ der Umweltpartei darf Horst Stern sicherlich gelten.

Nationalparkidee verbreitet

„Er war zweifellos einer der Wegbereiter des Nationalparks Bayerischer Wald“, bescheinigt dessen heutiger Leiter, Dr. Franz Leibl, dem Journalisten Horst Stern, der erst nach einer Banklehre zu diesem Beruf gefunden hatte. Zusammen mit dem ersten Leiter des Nationalparks, Hans Bibelriether, der die These ausgegeben hatte: „Natur Natur sein lassen!“ sowie dem Förster und Naturwissenschaftler Dr. Georg Sperber schmiedete Stern das Konzept für den ersten deutschen Nationalpark.

Die „wilde Natur“ stand für Horst Stern im Mittelpunkt der Nationalparkidee. Deshalb war es aus seiner Sicht nur logisch, die wirtschaftliche Nutzung der Nationalparkflächen einzuschränken. Gegen massive Widerstände setzte er schließlich durch, dass in einem erheblichen Teil des ersten Nationalpark-Kerngebietes der Holzeinschlag verboten wurde. Dr. Franz Leibl erinnert sich aus seiner Studienzeit auch noch an Horst Sterns Kampf gegen die überhöhten Schalenwildbestände in der Grenzregion zwischen dem Unteren BayerischenWald und dem angrenzenden Böhmerwald.Anfang der 70er Jahre, als Dr. Leibl selbst noch Forstwissenschaften studierte, erwarb er das Buch „Mut zum Widerspruch“, das Horst Stern verfasst hatte.

Menschen für Natur sensibilisiert

„Ich war als Student fasziniert davon, wie er den Naturschutzgedanken verbreitete“, gesteht der Chef des Nationalparks. Ohne Zweifel habe Stern die Menschen für die Natur sensibilisiert und allen Anfeindungen widerstanden, die es damals in erheblichem Ausmaß gegen alle ökologischen Bestrebungen gab. Forstdirektor a. D. Hubert Demmelbauer, der bis zur Erweiterung des Nationalparks Bayerischer Wald das Forstamt Zwiesel leitete und bis zu dessen Auflösung dem Forstamt in Kötzting vorstand, hat zwar persönlich wenig mit Horst Stern zu tun gehabt, sieht ihn aber als „Speerspitze der ökologischen Bewegung“, die in den 70er Jahren ihren Anfang nahm. Die Umweltpolitik der heutigen Zeit basiere zum Teil auf den Thesen, die Horst Stern mit seiner Zeitschrift „Natur“ und der ab 1970 über neun Jahre erfolgreich laufenden Fernsehreihe „Sterns Stunde“ verbreitete.

Als informativ, lehrreich, aber auch stets kritisch und mahnend wurden die Beiträge zu den verschiedenen Tierarten eingestuft. Sie waren ebenso wie „Ein Platz für Tiere“ von Prof. Bernhard Grzimek und „Expeditionen ins Tierreich“ von Heinz Sielmann das, was heute als „Quotenrenner“ bezeichnet wird.

Auch Irrtümer hingenommen

Rundweg begeistert war der Forstmann Hubert Demmelbauer von den revolutionären Ideen des Horst Stern aber keineswegs. Vor allem als 1983 der Holzeinschlag in weiten Teilen des Nationalparks auf Grund einer „ökologischen Wertanalyse“ eingestellt wurde, mit der Horst Stern und Hans Bibelriether den „wilden Wald“ propagierten, habe sich schnell gezeigt, dass hier der Grundstein für die späteren Käferkalamitäten gelegt war. Nur wenige Monate später wurden nämlich 35 000 Festmeter Hochlagenwald vom Sturm geworfen und blieben unaufgearbeitet liegen.

Ebenso sieht Demmelbauer die Einschätzung kritisch, wonach der Hochlagenwald im Nationalpark durch die Klimaveränderung und die in den 70er Jahren noch herrschende Umweltverschmutzung gefährdet gewesen sei. Tatsächlich hätten sich die Fichten und Tannen wieder erholt. Vor allem die Fichten seien aber nicht stark genug gewesen, um dem später in Massen auftretenden Borkenkäfer zu trotzen. Er ist nun ein Mitbewohner der „wilden Natur“.

Der Journalist und Autor Horst Stern, das Bild wurde 1997 aufgenommen in Hamburg. Foto: Markus Beck/dpa

Zur Person: Horst Stern

Als Gründer des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) geht Horst Stern in die Geschichte ein. Zusammen mit dem legendären Tierfilmer Dr. Bernhard Grzimek hob der Fernsehjournalist 1984 die Umweltorganisation aus der Taufe, die heute rund 2000 Orts- und Kreisverbände zählt.

„Sterns Stunde“ lautete der Titel einer Fernsehserie, in der Horst Stern von den frühen 70er Jahren bis ins Jahr 1984 nicht nur Missstände in der Massentierhaltung und beim Umgang mit der Natur anprangerte. Sein Kampf für die Umwelt machte ihn auch zum geistigen Vater der Umweltbewegung, aus der schließlich die Grünen als Partei hervorgingen.

Das Verhalten von Tieren in ihrem natürlichen Umfeld zu zeigen, war Horst Stern stets ein Anliegen. Einen fulminanten Start erlebte die Serie am Hl. Abend 1971 zur besten Sendezeit mit dem Beitrag „Bemerkungen über den Rothirsch“, der in den Folgejahren dazu führte, dass die Rotwildgebiete in Deutschland stark eingeschränkt wurden.

Als Kronzeuge der ökologischen Bewegung wurde Stern unter anderem wegen seines Einsatzes gegen die Umweltzerstörung durch den Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals eingestuft.

Trotz seines Erfolges mit der Zeitschrift „Natur“, deren Herausgeber er war, und seiner Fernsehbeiträge sah Horst Stern Mitte der 90er Jahre seine angestrebten Ziele nicht erreicht.

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