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Region Cham
Montag, 11. Dezember 2017 5

Wissen

Es ist wieder Zeit zum Gruseln

Toni Fischer erzählte von Truden, Teufeln, Geistern und weiteren Wesen, die im Herbst und Winter ihr Unwesen treiben.
Von Rainer N. Heinrich

Die Schauer-Gestalten gehen wieder um. Foto: Archiv/Tschannerl

Bad Kötzting.November. Die Tage werden kürzer, draußen wird es trüb. Der Nebel tut sein Übriges – kurzum, es ist die beste Zeit für „Weizgeschichten“. Scheichtsam wurde es damit am Dienstagabend beim Stammtisch der Wald-Vereinssektion im Januel-Saal. Toni Fischer aus Grasmannsdorf trug Gruselgeschichten aus der Region um Hohenbogen und Gibacht vor, machte aber auch einen Abstecher in den Böhmerwald nach Schüttenhofen, wo es einst auch kräftig „weirazte“.

Haymo Richter stellte den passionierten Laienschauspieler, der seit mehr als 20 Jahren dem Lichtenegger Bund in Rimbach angehört und bei den Drachenfestspielen in Furth nahezu eine Generation lang den Kardinal verkörperte, vor.

Diebe zahlten mit dem Leben

Ganz still war es im Saal, und die gut 30 Zuhörer waren gefangen von Fischers Erzählungen. Die akustisch-musikalische Untermalung der Geschichten durch die Geschwister Petra und Anita Sporer aus Furth im Wald setzte zusätzliche Akzente. Michaela Brunner moderierte die Geschichten an und machte auf diese Weise die Zuhörer neugierig auf das, was Toni Fischer von Irrlichtern, der Trud, „Hoimannern“ und anderen Gruselgestalten zu erzählen wusste.

Der Überlieferung nach kam es in den Voithenbergischen Wäldern immer wieder zu Holzdiebstählen, aber die Diebe ließen sich nicht erwischen. In seiner Not wandte sich der Förster vom Voithenberg um Mitternacht an die „Hoimannern“ und veranlasste diese, indem er einen Gulden zahlte, die Holzfrevler zu bestrafen. Als die Diebe wieder versuchten, Holz zu stehlen, fand man sie tot, und nur der Förster wusste, wer sie getötet hatte.

Davon sprachen die Teilnehmer

  • Hoimanner:

    Gehören zu den besonders wilden Geistern, die vor allem Holzdieben und Waldfrevlern nach dem Leben trachteten.

  • Drud (Trud):

    Ein übler Geist, der sich während der Nacht auf die Brust eines Schlafenden legt und diesen so stark drückt, dass dieser meint, er müsse ersticken.

  • Hexe:

    Bösgesinnte, meist hässlich aussehende, weibliche mystische Gestalt, die zauberische Kräfte besitzt.

  • Irrlicht:

    Seelen böser Menschen, die nicht ins Himmelreich dürfen, müssen als Irrlicht auf Erden wandeln, bis sie von jemanden für eine gute Tat ein Vergelt’s Gott erhalten. Wird ihnen der Dank verwehrt, wird der Mensch verflucht.

  • Lange Agnes:

    Ein in einem Baum verbannter Geist, der nur nachts tätig sein kann und dann Mensch und Tiere, die ihm begegnen, das Herz herausreißt, um anschließend vom Herzblut leben zu können. (kni)

Der Kolmer Schorsch von der Kolmer Sag in Schafberg hatte ein Auge auf die schöne Nandl vom Dieberg geworfen, aber sie war eine „Trud“. Nach einem Fensterlbesuch zeigte sie ihr wahres Gesicht, drückte den Georg, und beide stürzten aus dem Fenster in den Hof, wo sie am nächsten Morgen tot aufgefunden wurden. Das Geheimnis von der Trud hatten sie ins Grab mitgenommen. „Aber“ so Fischer „es müssen nicht alle schönen Mädchen, wenn sie einen Burschen drücken, nicht gleich eine „Trud“ sein.“

Als nächstes kam der Teufel mit dem Köpplbauer, einem bösen Mann von den Hohenbogen-Einöden, ins Spiel Als es mit seiner Wirtschaft immer mehr bergab ging, schloss er mit seinem eigenen Blut einen Pakt mit dem Teufel. Er verkaufte seine Seele für das Versprechen, dass er der reichste Bauer der Gegend werden. Als der Teufel den Vertrag einlösen wollte, versteckte sich der Bauer. Doch alle Tricks nutzten nichts. Der Gehörnte fand ihn und ließ ihn nicht mehr los.

Der schwarze Nebel

Der Bernreiter Hans ging nach einer missglückten Rauferei wütend vom Kirtatanz nach Hause. Auf dem Heimweg umschwirrten ihn bei einer Totenbrettergruppe Irrlichter, die um Erlösung baten. Er scherte sich nicht um ihre Bitte, worauf die Lichter ihn angriffen und verbrannten.

Bei Schüttenhofen verfluchte eine Hexe einen Schmied und später einen Müller. Der Schmied sollte im Feuer umkommen, der Müller ersticken. Und es dauerte nicht lange, da wurde der Fluch der Hexe Wirklichkeit. Der Schmied starb bei einer Explosion in seiner Schmiede, der Müller wurde beim Reparieren der Mühle von einem Transmissionsriemen stranguliert.

Eine unheimliche Gestalt, die „lange Agnes“ genannt, trieb zwischen Chamerau und Satzdorf ihr Unwesen. Als schwarzer Nebel kroch sie aus einem Baum und riss ihren Opfern, ob Hund, Pferd oder Mensch das Herz heraus und ernährte sich mit dessen Blut. „Wenn die schwarzen Nebel aus dem Chamb steigen, könnte es sein, dass die lange Agnes zurückkommt“, erzeugte Fischer am Ende seiner mystischen Erzählungen noch einmal ein Gänsehautgefühl.

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