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Region Cham
Mittwoch, 22. November 2017 7

Geschichte

FC: Ein Verein mit Herz – seit 90 Jahren

Der FC Chamerau blickt zurück und ehrt vereinsintern seine Mitglieder beim Ehrenabend im Bürgerhaus.
Von Hermann Schropp

Schon immer bildete der FC Chamerau guten Nachwuchs, wie hier aus dem Jahre 1958 für die Herrenmannschaften aus. (v.links) Willi Schuster, Karl Ellmann, Ludwig Koller, Alois Nachreiner, Alfred Rädlinger, Alois Kreutner, Adolf Scherzinger, Ludwig Heigl, Karl-Heinz Hintereder, Ferdinand Stubenhofer und Walter Holzer. Fotos: Repro che

Chamerau.Was ein Verein und seine Mitglieder zu leisten vermag, wenn viele an einem Strang ziehen, dafür ist der FC Chamerau ein leuchtendes Beispiel. Nicht nur die enormen Eigenleistungen für die Neugestaltung des Sportgeländes, die seit einigen Jahren laufen, sondern auch die intensiven Festvorbereitungen, die für das Sportfest anlässlich des 90-jährigen Jubiläums vonnöten waren, forderten die Vereinsmitglieder.

Zusammenhalt und Kameradschaft, das sind die Erfolgsgeheimnisse beim Sportverein, der dieses Jahr auf 90 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken kann, und der sich zum Ziel gesetzt hat, auch weiterhin ein Verein mit Herz für Alt und Jung zu bleiben. Und das nicht um jeden Preis oder gar zum Nachteil des Gesamtvereins. Stets ist auch Harmonie das Bestreben im Verein, die auf der Integration aller Abteilungen im Verein basiert, und wo sich aktive und passive Mitglieder mit den Vereinszielen identifizieren.

Aktuell fast 800 Mitglieder

In diesem Jahr konnte das 792. Mitglied im Verein aufgenommen werden. Das ist sicher ein Zeichen dafür, dass der Verein sich nicht nur einen guten Namen im Dorf gemacht hat, sondern auch von einer großen Mehrheit der Bevölkerung geschätzt und unterstützt wird.

Wenn es weiterhin gelingt, diese Ideale zu pflegen, dann dürfte der FCChamerau auch in Zukunft ein „Verein mit Herz“ bleiben, der Freude am Sport und Kameradschaft in der Vereinsgemeinschaft als Ziele hat. Wie sehr den FC Mitgliedern das Sportzentrum auf der Insel eine Herzensangelegenheit war und ist, und dass dafür auch finanzielle Opfer gebracht werden, ist daran zu erkennen, dass ein eigener Förderverein ins Leben gerufen wurde, mit dem Ziel, den Sportverein durch finanzielle Zuschüsse zu unterstützen. Mit diesem Förderverein wird es in Zukunft leichter sein, einen Finanzierungsplan für die anfallenden Projekte zu erstellen.

Die Gründungsmannschaft von 1947

In Chamerau standen die Männer, die sich um die Organisation des Spielbetriebes verdient gemacht haben, oder die auf dem Feld entsprechende Leistungen brachten, stets im Mittelpunkt der Dorfgemeinschaft. Der Ehrenabend im Oktober ist Anlass, jene Pioniere zu würdigen, und einen Rückblick auf die wechselvolle Geschichte des Vereins zu werfen. Immerhin musste der FC Chamerau seit seiner Gründung im Jahre 1927 zweimal „aus der Versenkung“ geholt werden.

Der heutige A-Klassist hat aber auch zahlreiche positive Schlagzeilen gemacht, und manche Anekdote lässt „die Alten“ noch heute schmunzeln ...

Schon in den frühen 1920er-Jahren gab es in Chamerau Bestrebungen, es den „Stoderern“ mit der Gründung einer Fußballmannschaft nachzumachen, deren Sport im Dorf aber fast völlig unbekannt war und allgemein noch als roh und gefährlich galt. Neben Anerkennung für die Sportart fehlte es zudem an einem geeigneten Platz und außerdem an der Bereitschaft, einen solchen zur Verfügung zu stellen.

Anfänge auf dem Gänsanger

Der „Gänsanger“, den sich die komischen „Kicker“ dort mit den Gänsen teilen mussten, war gerade einmal so groß, dass ein Tor aufgestellt werden konnte. Es folgten Umzüge auf die „Vituswiese“ hinter dem jetzigen Schmidanwesen und auf die „Daschnerwies“ in Nähe des Bahnhofs. Alle diese Schwierigkeiten konnten 1927 die Gründung eines Fußballvereins mit Vorsitzenden Xaver Fuchs nicht verhindern. Verstärkt und zunehmend wurde ein Auge auf die „Kuhwörth“, die Regeninsel, die im Eigentum von Rechtlern stand, geworfen. Es sollte aber noch Jahre – auch mit Nutzungsverboten – dauern, bis eine Einigung erreicht war. Ein leidiges Problem blieb das Übersetzen von Spielern und Zuschauern auf die Insel mit dem Fährbetrieb einer „Zilln“ von Max Cerweny, bis die Gemeinde einen Holzsteg über den Regenarm bauen ließ.

Vorstände der frühen Jahre

  • 1927 bis 1938:

    XaverFuchs

  • 1939 bis 1945:

    Spielruhe

  • 1946 bis 1947:

    Michael Wieser

  • 1947 bis 1948:

    Karl Schunath

  • 1948 bis 1952:

    Ferdinand Weber

  • 1952 bis 1955:

    Fritz Stiehler

  • 1955 bis 1957:

    Bruno Barth

  • 1957 bis 1958:

    Stanislaus Jahn

  • 1958 bis 1963:

    Ludwig Wintersberger

  • 1963 bis 1964:

    Ferdinand Hirmer

  • 1964 bis 1967:

    Karl Riederer

  • 1967 bis 1969:

    Josef Baumgartner Walter Holzer

  • 1970 bis 1974:

    Karl Riederer

Die Erwartung besserer Zeiten wurde rasch getrübt. Die Einberufung zu Arbeits- und Wehrdienst riss Lücken in die Mannschaft, so dass an einen Spielbetrieb bald nicht mehr zu denken war. In den letzten Märztagen des Jahres 1946 kam es erst wieder zu einem Gründertreffen im Gasthaus Wieser, bei dem sich 36 Personen dem jetzt neuen FC Chamerau als Gefolgsleute mit Michael Wieser als erstem Vorsitzenden verpflichteten.

Es galt, Kriegsfolgen auf dem Platz zu beheben, die Tore fehlten, der Steg war brüchig und wacklig geworden und es konnte auch wegen Materialmangels keine Spielerkleidung aufgetrieben werden. Aus weißen Bettlaken schneiderten die Frauen Hosen und aus noch vorhandenen roten Fahnentüchern die T-Shirts. Als Ersatz für ordentliche Fußballschuhe mussten Schnürschuhe herhalten. Nach einigen Privatspielen folgte der Einstieg in die Verbandsrunde 1947/48 in der Bezirksklasse 11, Gruppe 9 (Kötzting) mit dem ersten Spiel beim FC Arrach, wo man mit 0:7 Toren unterlag. Die Währungsreform machte 1948 dem jetzt bettelarm gewordenen FCChamerau den Garaus. Der Verbandsspielbetrieb musste eingestellt werden. Trotz einiger Privatspiele erlosch der Betrieb 1949 wegen Spielermangels.

Der dritte Neustart

Ein dritter Anlauf zur Wiederaufnahme des Spielbetriebes gelang am 20.November 1952. Die Hauptinitiatoren Fritz Stiehler, Bruno Barth und Karl Riederer beriefen eine Generalversammlung des FC im Gasthaus zur Sonne (heute Pflegeeinrichtung Haus Margerita) ein. Die 31 anwesenden Mitglieder wählten Fritz Stiehler zum Vorsitzenden, Josef Kappenberger zum Schriftführer (später abgelöst von Wilhelm Schuster), Karl Riederer zum Hauptkassier und Adolf Greisinger zum Unterkassier. Als Trainer fungierte der damalige Pächter des Gasthauses zur Sonne, Bruno Barth. Mitgliedsbeiträge, Beitrittsgebühren und eine Sammlung bei der Bevölkerung füllten die Vereinskasse insoweit, dass die notwendigste Grundausrüstung angeschafft, und der Platz wieder bespielbar gemacht werden konnte.

Die aktuelle Vorstandschaft des Vereins.

1968 hatte man dann mit vier Herrenmannschaften und zwei A-Jugendmannschaften schon ganz schön aufgerüstet. Es folgten Meistertitel in der B-Klasse und erfolgreiche Jahre in der A-Klasse. Der FC Chamerau wuchs zusehends, nicht nur an Mitgliedern in der Fußballabteilung, sondern auch mit der Gründung anderer Abteilungen. 1977 wurde eine „Abteilung Tennis“ gegründet, 1984 jedoch wieder aufgegeben. 1973 wurde eine Eisstockabteilung gegründet, 1974 eine Skiabteilung, 1977 die Damengymnastikabteilung, im gleichen Jahr auch eine Abteilung Tischtennis und 1994 die Abteilung Badminton. Verbunden mit den Abteilungsgründungen war auch ein steter Anstieg der Mitgliederzahlen – bis heute knapp 800, mit einer ständig steigenden Zahl auch an weiblichen Mitgliedern und Jugendlichen.

Anlässlich des 90. Geburtstages des FC Chamerau, das bereits am 8. Juli mit einem Sportfest aller Abteilungen gefeiert worden war, ist am Samstag ein besonderer Ehrenabend im Bürgerhaus geplant. An diesem Abend werden langjährige Mitglieder und verdiente Funktionäre ausgezeichnet. Vor dem Festakt ist um 18 Uhr ein Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche, der von den Chamerauer Sängern mitgestaltet wird.

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