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Region Cham
Freitag, 4. September 2015 18° 3

SchönheitsChirurgie

Fettabsaugung statt Silikonimplantat

Seit Bekanntwerden des Silikonskandals sinkt in Cham die Nachfrage nach Brustvergrößerungen weiter.

Seit mehr als fünf Jahren führt Dr. Barnabás Rédey in Cham Brustvergrößerungen durch.

Cham. Drei Stunden hat die Operation gedauert, die Dr. Barnabás Rédey gerade hinter sich hat. In der Privatklinik von Dr. Magda Rau in Janahof hat er einer Frau an Doppelkinn und Bauch Fett abgesaugt. Eine Stunde habe die Vorbereitung auf den Eingriff in Anspruch genommen, zwei Stunden das Absaugen bei örtlicher Betäubung. Erst sei die Patientin recht nervös gewesen, erzählt der Arzt. Mit der Zeit habe sich das aber gelegt.

Die meisten Eingriffe, die Rédey in Cham derzeit vornimmt, seien Fettabsaugungen – häufig bei Frauen, immer mehr aber auch bei Männern. Der Arzt, der viele Fortbildungen in ästhetischer Chirurgie absolvierte, hat eine Praxis in Augsburg und arbeitet tageweise bei Dr. Rau, je nachdem, wie groß die Nachfrage nach Schönheitsoperationen in der Kreisstadt gerade ist.

Vor etwa fünf Jahren hat er angefangen, den Frauen im Landkreis ihre Wünsche nach einer größeren Oberweite und strafferer Haut zu erfüllen. Damals sei er noch etwa einmal pro Woche nach Cham gekommen, erzählt Rédey. Das habe sich jedoch geändert. Seit einigen Monaten operiere er nur noch alle drei Wochen in der Gegend. Das liege unter anderem am Winter, in dem die Nachfrage nach Schönheitsoperationen generell niedriger sei. Daneben spielten finanzielle Gründe eine Rolle, meint der Chirurg. Schon länger sei spürbar, dass die Leute nicht mehr so viel Geld in der Tasche haben wie noch vor einigen Jahren. Und jetzt sei auch noch der Silikonskandal dazugekommen, der die Frauen verunsichert. „Ich bin mir sicher, dass die Nachfrage nach Brustvergrößerungen deshalb abnimmt“, sagt Rédey.

Der Arzt selbst hat bei seinen Operationen nie Silikonkissen der Firma PIP verwendet, versichert er. Das könnten seine Patientinnen in ihrem Implantat-Ausweis nachlesen. Trotzdem hätten nach Bekanntwerden des Skandals einige besorgte Frauen bei ihm angerufen, um sicher zu gehen.

Er arbeite bei seinen Eingriffen mit Silikonkissen der deutschen Firma Polytech, sagt Rédey. Mit ihnen sei es noch nie zu Problemen gekommen. Diese qualitativ hochwertigen Implantate kosteten etwa 100 Euro mehr als die minderwertigen der Firma PIP. Das Unternehmen habe an der Herstellung gespart und für den Inhalt der Kissen verunreinigtes Silikon verwendet, erklärt der Chirurg. Die darin enthaltenen Chemikalien, die angeblich krebserregend sein könnten, hätten die äußere Hülle der Implantate angegriffen und das Silikon sei ausgetreten, zum Teil schon einige Jahre nach der Operation.

Dabei würden die Firmen, die Silikonkissen herstellen, mittlerweile eine Garantie von 15 Jahren geben, sagt Rédey. Dann bekomme die äußere Kapsel der Implantate feine Risse und das Silikon könne austreten. Seinen Patientinnen empfiehlt der Arzt jedoch, die Kissen bereits nach etwa zehn Jahren zu wechseln, um wirklich auf Nummer sicher zu gehen. Auch bei einem Ultraschall sei nicht deutlich zu erkennen, ob aus den Implantaten bereits Silikon austritt oder nicht.

Ob auch er allen Frauen mit PIP-Silikonkissen empfohlen hätte, diese sofort entfernen zu lassen, weiß er nicht, sagt Rédey. Er habe gehört, dass nur einige Serien der PIP-Implantate verunreinigtes Silikon enthalten. Die Firma habe jedoch kein Verzeichnis darüber geführt, welche Frau was für ein Implantat bekam. Zudem sei nicht bewiesen, dass die Chemikalien im Silikon krebserregend sind.

Rédey selbst kennt keine Frau, die ein PIP-Implantat hat. Plastische Chirurgen in Ungarn, seinem Heimatland, die häufig PIP-Silikonkissen eingesetzt haben, erzählten aber von tausenden Patientinnen, die die Implantate nun wechseln wollen – wenn sie es sich leisten könnten. Die Krankenversicherung dort übernehme vermutlich nichts.

Bei ihm in der Praxis koste eine Brustvergrößerung etwa 3500 Euro, informiert Rédey. Für die Entfernung des Implantats und ein Neueinsetzen verlangt er dasselbe.

Als er vor etwa fünf Jahren angefangen hat, in Cham zu arbeiten, habe er fast jede Woche einer Frau aus der Gegend die Brust vergrößert, erzählt der Chirurg. Mittlerweile ist es vielleicht eine im Monat. Die Gründe, die die Patientinnen zu einer Operation bewegen, sind unterschiedlich. „Oft sind Frauen, die fast keine Brust haben, richtig depressiv“, erzählt Rédey. Dann hält der Arzt einen Eingriff für sinnvoll.

Viele kommen aber auch, weil sie glauben, ihren Mann oder Freund mit einer größeren Oberweite an sich binden zu können. Das erzählen die Patientinnen dem Chirurgen aber erst nach der Operation. Und gestehen ein, dass ihre Rechnung nicht aufgegangen ist. Die Männer haben sich trotzdem getrennt und die Frauen das Risiko eines Eingriffs auf sich genommen. „Wenn die Operation aus den falschen Gründen geschieht, ist das schade“, sagt Rédey, der den Frauen, die zur Beratung zu ihm kommen, auch mal von einer Operation abrät und die Termine immer so legt, dass noch Zeit zum Überlegen bleibt.

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