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Region Cham
Samstag, 18. April 2015 14° 2

Skandal

Gehen beim ADAC die Lichter aus?

Der Chamer Ortsclub-Vorsitzende sagt, was die Basis denkt – und lässt durchblicken, dass er am „System“ ADAC manches für verbesserungswürdig hält.
Von Ernst Fischer

Die Kunden-Adresse des ADAC in Cham ist am Mittelweg 4 im Gebäude des TÜV in Janahof. Ein Foto innen durften wir nicht machen. Foto: Fischer

Cham.Transparenz sieht erstmal anders aus. ADAC-Präsident Peter Meyer hat Offenheit versprochen bei der Aufklärung der ständig neuen Vorwürfe, denen sich der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) gerade ausgesetzt sieht. Transparenz? Wir fragen nach bei der Chamer „Vertretung“ des ADAC, die beim TÜV in Janahof ihr Domizil hat: Was müssen sich die Mitarbeiter hier von Kunden anhören? Die Antwort kommt höflich, aber bestimmt: „Wir haben eine Anweisung vom ADAC bekommen und dürfen gar nichts sagen.“ Zum Hintergrund: Die Leute sind angestellt beim TÜV. Die ADAC-Vertretung machen sie „nur nebenbei mit“.

Georg Kuchenreuter ist Vorsitzender im Chamer Ortsclub des ADAC. Transparenz? Er stellt sich spontan und offen unseren Fragen und lässt durchblicken, dass er am „System“ ADAC manches für verbesserungswürdig hält.

Herr Kuchenreuter, Sie sind Vorsitzender des ADAC-Ortsclubs in Cham mit rund 300 Mitgliedern. Wie haben die auf die jüngsten Enthüllungen beim großen ADAC-Konzern reagiert?

Ich habe nur eine einzige persönliche Rückmeldung bekommen. Ein Mitglied wollte offensichtlich seine Meinung kundtun, dass er von den Vorfällen erschüttert ist.

Und sonst, keine Diskussionen?

Nein, ich habe gar nichts gehört. Man muss aber auch sagen, dass wir in jüngster Zeit keine Versammlung hatten, wo das Thema sicher zur Sprache gekommen wäre.

Auch keine Austritte aus dem Ortsclub?

Nein, aber die Ortsclubs sind auch eine Besonderheit, die mit den 19 Millionen Mitgliedern im großen ADAC nicht direkt zu tun haben. Wir organisieren regionale Veranstaltungen für unsere Mitglieder, zum Beispiel den jährlichen Automobil-Slalom in Cham, Vorträge rund ums Auto, aber auch kulturelle und gesellige Unternehmungen. Der Chamer ADAC-Ortsclub betreibt auch die Moto-Cross-Strecke in Zettisch.

Wie viele Ortsclubs gibt‘s im Landkreis Cham?

Neben Cham in Bad Kötzting, Roding, Hohenwarth, Rötz und Waldmünchen

Und wie viele Mitglieder hat der „große“ ADAC im Landkreis?

Dazu habe ich keine Zahlen.

Nachdem Ihre Mitglieder sich mit Äußerungen zurückhalten, wie denken Sie persönlich über die Vorwürfe?

Es ist schon erstaunlich und nicht nachvollziehbar, wenn es solche Dinge gegeben hat, dass zum Beispiel Zahlen manipuliert worden sind.

Gab es auch für Sie in verantwortlicher Position als Ortsclub-Vorsitzender nie ein Indiz, dass es solche Praktiken gibt?

Überhaupt nicht. Ich bin selbst völlig überrascht über die Dinge, die jetzt über die Medien in der Öffentlichkeit auftauchen. Ich habe da aber auch einen Verdacht…

Welchen?

Nach meinem Eindruck sind manche Kritiker auch daran interessiert, dass man einen ernstzunehmenden Verband mundtot machen könnte.

Meinen Sie damit die Politik? Der ADAC hat sich zuletzt gegen die PKW-Maut für Ausländer ausgesprochen, die CSU-Chef Seehofer propagiert. Sie, Herr Kuchenreuter, sind profilierter CSU-Mann in Cham. Wie verträgt sich das mit ihrer ADAC-Position?

Wir haben im ADAC-Ortsclub schon mehrfach über dieses Thema gestritten. Ich persönlich halte die Maut für wenig sinnvoll. ADAC-Zahlen sind für mich schlüssig, dass das nur ein Nullsummenspiel wäre.

Was muss aus Ihrer Sicht jetzt passieren, um den guten Ruf des ADAC wiederherzustellen?

Die Vorgänge müssen rückhaltlos aufgeklärt werden. Und ich weiß nicht, ob das interne ADAC-System dazu in der Lage ist. Da muss man auch externe Berater zu Hilfe holen.

Darf man da auch Zweifel am System der ADAC-Führung heraushören? Anders gefragt: Sollte Präsident Peter Meyer mit seinem Präsidium doch zurücktreten, obwohl er es bisher kategorisch ablehnt?

Darüber will ich jetzt kein Urteil fällen. Das hängt davon ab, was eventuell noch herauskommt, wenn alles lückenlos aufgeklärt ist.

Die Diskussion um den ADAC war zuletzt Thema im Fernseh-Talk bei Günther Jauch. Jauch hat dem Ehrenamt beim ADAC ein „Geschmäckle“ attestiert, weil ehrenamtliche Führungskräfte oft auch berufliche Interessen damit verknüpften. Sie sind ehrenamtlicher Vorsitzender des Chamer Ortsclubs und „Vertragsanwalt“ des ADAC. Was sagen Sie zu solchen Spekulationen?

Ich sehe da überhaupt kein Problem. Als ADAC-Vertragsanwalt leiste ich für Mitglieder nur eine Erstberatung, wenn sie zum Beispiel nach einem Unfall Rechtsbeistand suchen. Wenn sie in einem kompletten Verfahren vertreten sein wollen, dann müssen sie dafür einen eigenen Vertrag mit einem Anwalt schließen.

Und wie wird die Aufgabe eines ADAC-Beratungsanwalts honoriert?

Dafür gibt’s eine Jahrespauschale, die unter 500 Euro liegt.

ADAC-Präsident Peter Meyer hat bei Jauch angekündigt, dass ein Neuanfang beim ADAC in Absprache mit den Regionalclubs laufen soll. Werden Sie an der Chamer Basis da auch gehört? Und wie soll das laufen?

Da ist noch nichts bekannt. Im März/April ist die nächste Delegiertenversammlung im ADAC Nordbayern. Da wird mit Sicherheit über das Thema gesprochen.

Heißt das nicht „Gau Nordbayern“? In Medien wird angeprangert, dass ADAC-Regionen mit Nazi-Begriffen benannt sind…

Meines Wissens ist diese Bezeichnung offiziell abgeschafft. In unserem Briefkopf steht nur noch „ADAC Nordbayern“ – ohne Gau.

Aber veraltete Strukturen im ADAC-System werden in der aktuellen Diskussion immer offenkundiger – ein Konzern mit 19 Millionen Mitgliedern, der immer noch wie ein Verein geführt wird: Hat dieses System noch eine Zukunft?

Ich persönlich glaube, dass man in einem so großen Verbandskonstrukt, wie dem ADAC, ganz vorne dran Leute bräuchte, die so unabhängig sind, dass sie nie auf dumme Gedanken kommen.

Und wie wäre es mit einer Umwandlung vom Verein zum Unternehmen, in dem Profi-Manager das Sagen haben?

Das sollte man tatsächlich auch ernsthaft überlegen.

Letztes Wort: Wenn ein Mitglied Sie fragt, ob er dem ADAC die Treue halten soll, was sagen Sie ihm?

Ich erkläre ihm, welche Leistungen mit der Mitgliedschaft verbunden sind. Und dann muss jeder für sich selbst entscheiden. Für unseren Ortsclub aber werde ich immer werben.

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