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Region Cham
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Tierschutz

Gibt es Vogelmörder im Wald bei Cham?

Schon wieder wurde laut LBV ein toter Greifvogel gefunden, der siebte in wenigen Wochen – Todesursache unnatürlich
Von Ernst Fischer und Evi Paleczek

Markus Schmidberger vom Landesbund für Vogelschutz zeigte schon bei einem Pressegespräch Anfang Mai zwei tote Rotmilane (rechts) und einen Mäusebussard mit Schussverletzung. Foto: Paleczek/Archiv

Cham.Treiben Vogelmörder ihr Unwesen im Wald bei Tasching? Die Tierschützer vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) schlagen Alarm. Jetzt wurde schon wieder ein toter Mäusebussard in diesem Gebiet entdeckt, der nicht auf natürliche Weise umgekommen ist. Markus Schmidberger, der Geschäftsstellenleiter der LBV-Umweltstation in Nößwartling, hat uns diese Nachricht zukommen lassen. „Damit sind es mittlerweile sieben Greifvögel, deren Tod nichts mit natürlicher Mortalität zu tun hat“, schreibt er in einer kurzen Pressemitteilung.

Sechs Mäusebussarde und Rotmilane waren in kurzer Zeit zwischen Anfang April und Mai in einem Waldgebiet bei Tasching gefunden worden. Am kommenden Freitag erwartet der LBV die Untersuchungsergebnisse der Organe von den toten Greifvögeln, die an ein Fachlabor eingeschickt worden waren. Dort sollen sie auf Gifteinwirkung untersucht werden.

„Zum Tod einiger Tiere gibt es mittlerweile weitere Spekulationen, die mit der Polizei noch abgeklärt werden“, lässt LBV-Geschäftsführer Schmidberger wissen. Nach Bekanntgabe der schriftlichen Ergebnisse und Absprache mit der Polizei werde der Landesbund für Vogelschutz auch die Öffentlichkeit wieder informieren.

„Das ist kein Zufall“, meinen Schmidberger und der LBV-Kreisvorsitzende Karl-Heinz Schindlatz. Sie beiden waren schon am 8. Mai bei einem Pressegespräch an die Öffentlichkeit gegangen. Denn sie sind sich sicher: Die Greifvögel wurden umgebracht. Es stelle sich eigentlich nur die Frage, ob es sich um einen oder verschiedene Täter handle, sagte Schmidberger damals. Denn zwei der Tiere hatten Schrotkugeln im Körper, bei den anderen stehe die Todesursache noch nicht fest. Sie könnten vergiftet worden sein, weil ihre Krallen verkrampft und die Tiere ansonsten gesund waren. Deshalb wurden die Organe dieser toten Vögel auch an ein Institut zur Abklärung geschickt. Tote Greifvögel lägen nicht einfach so am Waldboden, erklärt Schmidberger. Sie könnten tot unter einer Stromleitung, neben der Straße oder neben einer Fensterscheibe liegen, aber nicht einfach so mitten in der Natur.

Dass auf einer so kleinen Fläche in einer so kurzen Zeit sechs tote Mäusebussarde und Rotmilane gefunden werden, das könne kein Zufall sein. Er habe sich bayernweit erkundigt, berichtete Schmidberger: So etwas sei noch nie vorgekommen.

Begonnen hat das Ganze am 1. April, als Spaziergänger einen verletzten Mäusebussard fanden. Er hatte eine Schrotkugel im Fuß und musste eingeschläfert werden. Am gleichen Tag fanden andere Spaziergänger ganz in der Nähe einen toten Rotmilan und einen toten Mäusebussard, beides bedrohte Tierarten, die auf der Roten Liste stehen; vor allem Rotmilane sind eine Rarität, sagte Schmidberger.

Der LBV habe – aufgrund des ebenfalls schon gefundenen verletzten Mäusebussards – diese beiden Tiere untersuchen lassen: Beim Rotmilan wurde nichts gefunden, der Mäusebussard hatte drei Schrotkugeln im Körper. Daraufhin habe der LBV Anzeige bei der Polizei erstattet, und es wurde ein Vor-Ort-Termin mit den Beamten vereinbart – bei dem ein Polizist am 13. April einen weiteren Kadaver eines Mäusebussards fand.

Schmidberger erzählt auch von einem Fall aus dem Jahr 2013, bei dem in der Nähe der jetzigen Fundstellen drei tote und verletzte Greifvögel – zwei Rotmilane und ein Mäusebussard – gefunden worden waren. Damals habe der LBV noch nicht an illegales Töten gedacht, Er und Schindlatz hoffen nun auf Hinweise aus der Bevölkerung. Die Polizei habe nämlich mitgeteilt, die Möglichkeit, illegale Jagden aufzuklären, sei sehr gering. Schrotkugeln könnten keinem Gewehr zugeordnet werden. (ef/ep)

Der Fall für die Polizei

  • Sieben tote Greifvögel:

    Ab 1. April sind in einem Wald bei Tasching im Stadtgebiet Cham sechs tote Mäusebussarde und Rotmilane gefunden worden. Jetzt wurde wieder ein verendeter Mäusebussard entdeckt mit „unnatürlicher Todesursache“.

  • Todesursache?

    Zum Teil waren die Körper der Tiere bereits in den Verwesungszustand übergegangen, weshalb man nicht genau sagen kann, wie lange sie schon tot waren. „Wir stehen am Anfang der Ermittlungen“, so die Chamer Polizei am 9. Mai auf unsere Nachfrage.

  • Hintergrund:

    Motiv könnte für die Polizei die einfache Lust am Töten und Schießen sein. Oder jemand ärgert sich darüber, dass die Vögel Kleintiere wie Hasen und Tauben reißen. Zur Aufklärung hofft die Polizei auch auf Hinweise aus der Bevölkerung.

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