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Samstag, 25. März 2017 13° 2

Bildung

„Halt’s Maul, sonst kommst nach Dachau!“

9. Klassen des RSG informierten sich in Gedenkstätte über die Entstehungsgeschichte des Konzentrationslagers, die Opfer und grausamen Methoden der SS.

  • Gruppenfoto der 9. Klassen des RSG in Dachau Fotos: cpa
  • Stacheldraht
  • Arbeit macht frei
  • Schüler während der Führung
  • Vergiss nicht
  • Brausebad

Cham.Die 9. Klassen des Robert-Schuman-Gymnasiums sind nach Dachau gefahren. Die Fahrt hatte die staatsbürgerliche Aufklärung über die Gräueltaten der Nationalsozialisten zum Ziel. Die Schüler informierten sich über die Entstehungsgeschichte des Konzentrationslagers (KZ), über die Opfer und die grausamen Foltermethoden der SS. Im Anschluss sahen sie einen informativen Kurzfilm mit Originalaufnahmen von damals. Danach folgte die Führung durch das Gelände der KZ-Gedenkstätte. Dieses wurde als erstes Arbeitslager der SS, sozusagen als Prototyp für weitere geplante Lager, am 22. März 1933 eröffnet. Anfangs wurden dort vor allem politische Gegner Hitlers inhaftiert, beispielsweise KPD- oder SPD-Abgeordnete. Doch mit der Zeit füllte sich das KZ Dachau mit Emigranten, Zeugen Jehovas, Homosexuellen, Sinti, Roma und Juden. Es diente auch der Abschreckung der gesamten Bevölkerung, sogar Kindern wurde schon eingeschärft, über die Nationalsozialisten keine Kritik zu äußern: „Halt`s Maul, sonst kommst du nach Dachau!“

Eisenbahnschienen führten direkt zum Eingang des KZ. Dort wurden dann die Neuinhaftierten von den SS-Leuten, die sich links und rechts in einer Reihe aufstellten, geschlagen, diskriminiert und verspottet. Über dem Eingang des Lagers stand der höhnische Spruch: „Arbeit macht frei.“ Bevor die Eingelieferten jedoch zur Arbeit „freigegeben“ wurden, wurden sie ihres gesamten Hab und Gutes beraubt und kahl geschoren. Dann mussten die Gefangenen jeden Tag zwölf Stunden schwerste Arbeit leisten. Wenn ihnen nur kleinste Fehler, beispielsweise beim Bettenmachen, unterliefen oder sie sich irgendeinen anderen „Ordnungsverstoß“ leisteten, erfuhren sie sogleich verschiedenste Schikanen und grausame Strafen.

Teilweise wurden sie ohne jegliche Kleidung im Winter bis zu 20 Stunden auf den Appellplatz geschickt. Es gab aber auch die gefürchteten „drei B“, nämlich „Bunker, Baum und Bock“. Im Bunker wurden die Häftlinge zur Strafe wochen- oder monatelang oftmals im Dunkeln und ohne ausreichende Nahrung eingesperrt. Am Baum wurden hinter seinem Rücken dem Gefangenen die Hände zusammengebunden, um ihn so nach oben zu ziehen. Dabei erlitt der Gefolterte durch das Auskugeln der Schultergelenke sehr große Schmerzen, Atemnot und zum Teil sogar Knochenbrüche. Der Bock wurde mitten auf dem Appellplatz aufgestellt und der Inhaftierte wurde mit zwei Stöcken gleichzeitig geschlagen.

Danach betraten die Schüler eine der zwei wieder aufgebauten Baracken, in denen die Häftlinge nach ihrer Arbeit hausten. Dort gab es viele Stockbetten, einen Wohnraum, zwei große Waschbecken und acht Toiletten für viel zu viele Insassen. Natürlich verbreiteten sich hier Krankheiten sehr schnell, und es gab keine medizinische Hilfe für die Gefangenen, im Gegenteil, die im KZ Dachau anwesenden Ärzte benutzten die Menschen, um „medizinische“ Versuche durchzuführen. In Dachau wurden zum Beispiel Unterkühlungs- und Malariaversuche gemacht.

Zuletzt besichtigten die Klassen den wohl beklemmendsten Teil des KZ, das Krematorium. Insgesamt gab es im Dachauer KZ vier Verbrennungsöfen, in denen die über 30.000 Menschen, die im KZ Dachau ihren Tod finden mussten, verbrannt wurden. In diesem Gebäude befand sich auch das sogenannte „Brausebad“, das in Wirklichkeit einen Raum zur Vergasung der Insassen darstellte. Diese Anlage wurde aber in Dachau allem Anschein nach nie benutzt. Den Abschluss bildeten dann zwei Todeskammern, in denen man die Leichen sammelte und alles „Brauchbare“ wie z.B. Zahngold entfernte.

Am 29. April 1945 wurden die Insassen des KZ dann endlich befreit. Die Inschriften zweier am Gelände errichteten Denkmäler sollten den Schülern im Gedächtnis bleiben: „Vergiß nie“ und „Never again“.

Schülerstimmen zum KZ-Gedenkstättenbesuch:

„Ich gehe mit einem ganz anderen Gefühl nach Hause, denn wir dürfen wirklich froh darüber sein, wie gut es uns geht.“ „Die Vorstellung, dass die Menschen im Winter den ganzen Tag draußen stehen mussten, ist unglaublich.“ „Besonders die Verbrennungsöfen habe ich ziemlich schlimm gefunden.“ „Erst jetzt können wir verstehen, was damals geschehen ist.“ „Schon das Eingangstor mit dem Schriftzug „Arbeit macht frei“ hat mich geschockt.“ „Die Baracken habe ich mir noch viel schlimmer vorgestellt.“ „Mich haben besonders die vermeintlichen „Duschen“ erschreckt.“

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